Finale in der Europa League : Benfica und der Fluch des Bela Guttmann

Beim Chelsea-Gegner Benfica Lissabon war die Meisterschaft schon fest eingeplant - doch nun droht den Portugiesen eine Saison ohne Titel.

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Optimismus trainiert anders. Benficas Spieler in Amsterdam.
Optimismus trainiert anders. Benficas Spieler in Amsterdam.Foto: dpa

Wie vom Blitz getroffen sank Jorge Jesus auf die Knie. Dem Gesichtsausdruck nach schien der Trainer von Benfica Lissabon den Tränen nahe, während wenige Meter neben ihm sein Gegenüber Vitor Pereira wie entfesselt durch die Luft sprang. Durch ein Tor des eingewechselten Kelvin besiegte der FC Porto am Wochenende Benfica in der Nachspielzeit noch mit 2:1. Einen Spieltag vor Saisonende überholte Porto den Rivalen dadurch in der Tabelle und hat nun als Erster beste Chancen, erneut Meister zu werden. Dabei war die Meisterschaft bei Benfica fest eingeplant, lange Zeit führte man die Liga souverän an. Nun könnte dem portugiesischen Rekordmeister anstatt des Triples eine titellose Saison drohen. Im Finale der Europa League ist Benfica heute gegen Chelsea nur Außenseiter, im nationalen Pokalfinale geht es gegen den Sechsten Vitoria Guimaraes. Sollte Benfica nichts gewinnen, dürfte es noch schwerer werden, die besten Spieler zu halten. Mittelfeldspieler Ezequiel Garay wird angeblich heftig von Manchester United umworben und Stürmer Oscar Cardozo murrt wegen beschränkter Einsatzzeiten. Durch seine Tore kam Benfica erst ins Finale. Aktuell ist der Angreifer mit sechs Treffern hinter Lazios Libor Kozak (8) und Neapels Edinson Cavani (7) der dritterfolgreichste Stürmer im Wettbewerb.

Nach der Niederlage gegen Porto wurden Zweifel an der Leistungsfähigkeit Benficas laut, Nicolas Gaitán weist diese zurück. „Diese Mannschaft ist in der Lage, sehr gut zu spielen und das wollen wir gegen Chelsea demonstrieren“, sagte Benficas Mittelfeldspieler vor der Abreise nach Amsterdam. Trainer Jesus sprach von einem „historischen Tag“ für Benfica. Seine letzten sechs Endspiele in europäischen Wettbewerben verlor der Klub, in den portugiesischen Medien ist vom „Guttmann-Fluch“ die Rede.

Bela Guttmann war Benficas Trainer während der erfolgreichsten Phase des Klubs zwischen 1959 und 1962. In der Zeit gewann man zwei Mal den Europapokal der Landesmeister, einmal gegen den FC Barcelona und einmal gegen Real Madrid. Nachdem Benficas damaliger Präsident António Vital dem Trainer eine Gehaltserhöhung verweigerte, soll Guttmann gesagt haben: „Benfica wird in Europa nichts mehr gewinnen.“ Wenn dem tatsächlich so war, hat Guttmann bis heute Recht behalten.

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