• Frauen im Fußballmanagement: "Am Ende hätte ich ihr am liebsten Knallbonbons geschickt"

Sport : Frauen im Fußballmanagement: "Am Ende hätte ich ihr am liebsten Knallbonbons geschickt"

Herr Calm

Reiner Calmund, der Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen, verpflichtete 1993 den damaligen Weltklassespieler Bernd Schuster. Der 52-jährige Calmund gilt als überaus cleverer Manager, doch dann traf er auf Bernd Schusters Managerin: Gaby Schuster, die Gattin des Stars. Da bemerkte Calmund, wie hart ein Gegenüber verhandeln kann. Schuster verließ Leverkusen 1996, nachdem er sich so heftig mit Trainer Ribbeck gestritten hatte, dass die Auseinandersetzung letztlich vor Gericht landete.

Reiner Calmund, Manager bei Bayer Leverkusen, verpflichtete 1993 den damaligen Weltklassespieler Bernd Schuster. Der 52-jährige Calmund gilt als cleverer Manager, doch dann traf er auf Bernd Schusters Managerin: Gaby Schuster, die Gattin des Stars. Da bemerkte Calmund, wie hart ein Gegenüber verhandeln kann. Schuster verließ Leverkusen 1996, nachdem er sich so heftig mit Trainer Ribbeck gestritten hatte, dass man sich vor Gericht wiedersah.

Herr Calmund, würden Sie heute noch mal gerne mit Gaby Schuster verhandeln?

Warum nicht? Auch wenn ich ihr zum Schluss unserer Geschäfts-Beziehung am liebsten ein Paket Knallbonbons geschickt hätte, weil ich sie noch heute für den Drahtzieher des ganzen Ärgers halte, so kann ich andererseits nur sagen, dass ich geschäftlich noch nie einer Frau wie ihr begegnet bin. Im positiven wie im negativen Sinne.

Sie hatten mächtig Stress miteinander.

In der Geschichte um die Vertrags-Auflösung mit ihrem Mann hat sie uns böse geärgert. Da wurde so richtig im Sumpf gebadet und mit Haken und Ösen gekämpft. Unsere Kooperation fand damals ein unrühmliches Ende und bescherte dem Verein eine Menge Turbulenzen. Frau Schuster - das muss ich gestehen - hat uns Kopfschmerzen bereitet, wie es heute kein Spielerberater schafft.

Das müssen ja lustige Verhandlungen gewesen sein.

Sie hat mit harten Bandagen gekämpft und wusste, was sie wollte. Wenn sie damals auftrat, dann haben einige Herren nicht nur die Nase gerümpft, sondern es sind ihnen ein paar Zähne ausgefallen - im übertragenen Sinne natürlich nur. Und wer will schon kritisieren, dass sie Maklergebühren und Beraterhonorare sparte, statt sie irgendeinem Spielerberater in den Rachen zu werfen.

Was hat sie denn so beeindruckend richtig gemacht?

Drei Dinge. Die sprachen absolut für sie und für ihre professionelle Art, die Dinge anzugehen. Erstens: Ich glaube, dass ihre Verhaltensweise, die Dinge so korrekt anzugehen und sich nach allen Seiten hin abzusichern, auch in ihrem Selbstverständnis begründet liegt. Als Ehefrau von Bernd Schuster und als Mutter der Kinder konnte sie besser als jeder andere die persönlichen und familiären Dinge ihres Mannes beurteilen und entsprechend vertreten. Und sie hatte natürlich eine entsprechende Motivation bei den Verhandlungen über Haus, Wohnort und nicht zuletzt über das Gehalt ihres Gatten. Sie vertrat somit auch ihre ureigensten Interessen.

Und zweitens?

Sie war nicht so vermessen zu glauben, sie könne alles selbst regeln. In Rechtsfragen hat sie sich die Dienste einer erstklassigen Anwaltskanzlei gesichert. Als es um arbeitsrechtliche Schritte bei der Trennung zwischen Bayer und Bernd Schuster ging, habe ich das unangenehm erfahren müssen.

Und was war noch?

Sie engagierte einen Steuerfachmann mit gewaltiger wirtschaftlicher Kompetenz. Mit diesem Beraterstab war sie nach allen Seiten abgesichert. Sie war viel zu professionell, als dass sie sich auf andere Dinge eingelassen hätte. Sie wollte eben keine Fehler machen.

Da spielte es auch keine Rolle, dass sie weder Markt- noch Fußball-Kenntnisse hatte?

Die brauchte sie nicht. Die Frage, wie ich am besten Bernd Schuster bei Vereinen anbiete, stellte sich doch gar nicht. Schuster musste doch nur ein Zeichen geben, und sofort fragten die damaligen großen Drei Europas an: Juventus, Real und Barcelona. Die haben sich förmlich um Schuster gerissen. Als Spielgestalter von Weltniveau mit dem Wunsch, im Ausland zu spielen, war er zu seiner Zeit auf dem internationalen Fußballmarkt ein Selbstläufer. Und er hat im Laufe seiner Karriere ja auch für die beiden großen spanischen Klubs gespielt.

Wussten Sie denn, worauf Sie sich einlassen, als Sie mit Gaby Schuster verhandelten?

Zu dem Zeitpunkt kannten wir uns schon länger. Ihr spektakulärer Einzug in die Welt des Fußballs lag damals schon lang zurück. Deshalb wussten wir, was uns erwartet, und waren entsprechend vorbereitet. Klar, dass auch wir zu den Gesprächen unseren Beraterstab herankarrten, um entsprechende Waffengleichheit herbeizuführen. Und dann haben wir Anwälte und Steuerberater aufeinander losgelassen, während ich mit Bernd Schuster im Garten spazieren ging und er mir ein klares Signal gab: "Egal, was die da drin aushandeln, Fußball genießt meine absolute Priorität, und ich spiele ab der kommenden Saison bei euch."

Und drinnen saß Gaby Schuster und handelte für ihre Familie Leibwächter aus.

Ja. Doch der Hintergrund ist durchaus ernst zu nehmen. In der Zeit, als Bernd Schuster in Spanien unter Vertrag stand, wäre er um ein Haar entführt worden. Es hat nachweislich mehrere Versuche gegeben, ihn oder ein Familienmitglied zu kidnappen. Deshalb hat sie bei Bayer Bodyguards für ihren Mann und ihre Familie eingefordert. Das war keineswegs ein Tick von ihr, sondern hatte durchaus eine Berechtigung. Sie sollten sich heute mal das Haus der Familie Schuster ansehen, das ausschließlich nach verschärften Sicherheitsgesichtspunkten gebaut wurde. Selbst heute noch engagiert die Familie Schuster Personenschutz, den sie aber mittlerweile aus eigener Tasche bezahlt.

Offenbar verzichtete Gaby Schuster auf die angeblichen Waffen einer Frau, Charme, gespielte Verletztheit, Augenklimpern.

Sie war nie das Glitzermädel, das über die Tribünen gerauscht ist, sie war nicht die Vereinsmadonna auf Stöckelschuhen.

Das klingt nach einer Menge Respekt.

Kein Wunder. Sie war nicht vergleichbar mit den Frauen, die danach kamen. Mit den kleinen Eitelkeiten hat sie sich nicht abgegeben. Für sie war es nicht wichtig, ob das Auto groß genug war oder ob die Küche des Hauses zwei oder drei Fenster hatte. Das war sehr angenehm in der Zusammenarbeit.

Welche anderen Frauen meinen Sie?

Ich spreche von den Frauen der heutigen Profis. Denen wird oft Unrecht getan, wenn man ihnen nachsagt, sie seien Anhängsel ihrer Männer und nur dumm und schön. Aber in aller Regel kommen die Mädchen durch die Spieler, die sehr gut verdienen, in eine entsprechende wirtschaftliche Situation. Natürlich tauchen sie bei Vertragsgesprächen auf, aber in einer zurückgezogenen Position. So eine wie Gaby Schuster jedenfalls habe ich seither nicht mehr kennen gelernt.

So respektvoll wie Sie sprachen die Medien damals nicht über Gaby Schuster.

Auch das lag am damaligen Selbstverständnis der Fußball-Branche. Traditionsbewusstsein wurde zu der Zeit noch weit größer geschrieben als heute. Und gerade in einer Männerdomäne, wie es der Fußball ist, dachte man eher konservativ. Für Peter Weiand zum Beispiel, zu Schusters Zeiten Präsident des 1. FC Köln, und seinen Manager Karl-Heinz Thielen muss das so eine Art Kulturschock gewesen sein, als sie mit Gaby Schuster verhandeln sollten. Allerdings hatte die Familie durchaus Freunde und Befürworter unter den Medienvertretern. Ich erinnere mich, dass Hans Reski, ehemals Sportchef des Kölner "Express" und später Sportchef der "Bild", als Bekannter der Familie beratend zur Seite stand.

Aber so richtig glücklich wurden Sie nie mit ihrem Mann. Bereuen Sie es, Bernd Schuster verpflichtet zu haben.

Keineswegs. Die Geschichte hat uns unglaublich viel PR gebracht. Die Verpflichtung sorgte für Furore. Genau das wollten wir. Er hat gleich dreimal das "Tor des Monats" geschossen und landete bei der Wahl zum "Tor des Jahres" damit auf den Plätzen eins bis drei. Das ist für einen Mittelfeld-Strategen beeindruckend und für Bayer ein in Geld nicht aufzurechnender Image-Gewinn.

Und heute? Tragen Sie ihr die alten Geschichten immer noch nach?

Ach was, das ist Schnee von gestern. Wir können uns heute in die Augen sehen. Vor allem deshalb, weil sie ihre Arbeit hoch professionell gemacht hat.

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