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Freshfields-Report : Rückzahlung des Darlehens wurde absichtlich verschleiert

Die vom DFB beauftragte Kanzlei Freshfields hat keine Beweise für einen Stimmenkauf der deutschen Bewerber vor der Vergabe der Fußball-WM 2006 finden können.

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Tacheles. Christian Duve von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer spricht während der Pressekonferenz zur Vorstellung des Untersuchungsberichts zur DFB-Affäre um die Vergabe der Fußball-WM 2006 nach Deutschland.
Tacheles. Christian Duve von der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer spricht während der Pressekonferenz zur...Foto: dpa/Dedert

Ganz strukturiert lief alles ab. Als Christian Duve am Freitagmittag in einem Hotelsaal am Frankfurter Flughafen die Ergebnisse der internen Ermittlungen vorstellte, hatte er seinen Vortrag ordentlich in mehrere Punkte gegliedert – und zur Unterstützung wurde noch eine Powerpoint-Präsentation an die Wand projiziert. Der Anwalt der Kanzlei Freshfields, der die internen Ermittlungen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) geleitet hatte, wollte nicht den Hauch eines Zweifels erzeugen, dass er und seine Kollegen nicht gründlich gearbeitet hätten. Es ging ja schließlich um die größten Fragen, die den deutschen Fußball zuletzt beschäftigt hatten: War die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland gekauft? Gab es Korruption rund um die Vergabe des Sommermärchens?

Viereinhalb Monate hatte Freshfields ermittelt und nun einen 361 Seiten langen Bericht vorgelegt. Die wichtigste Antwort gab Duve im Mittelteil seines so strukturierten Vortrags. „Wir haben keinen Beweis für einen Stimmenkauf gefunden“, sagte er. „Wir können ihn aber auch nicht ausschließen.“

Obwohl Freshfields die WM-Affäre nicht eindeutig aufklären konnte – auch weil einige involvierte Personen nicht mit den Ermittlern reden wollten, etwa der ehemalige Fifa-Präsident Joseph Blatter und der Fifa-Finanzchef Markus Kattner. So haben Duve und seine Kollegen der Affäre jedoch eine neue Dynamik verliehen. Denn nun rückt jemand erneut stärker in den Fokus, der sich eigentlich schon wieder in Sicherheit gewogen hatte: Franz Beckenbauer.

Die Untersuchungen legen offen: Der frühere Präsident des WM-Organisationskomitees ist in seltsame Zahlungen verstrickt, die am Ende bei dem ehemaligen Fifa-Vizepräsidenten Mohamed Bin Hammam in Katar gelandet sein sollen. Und Bin Hammam hat einen zweifelhaften Ruf wegen zahlreicher Bestechungsvorwürfe.

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WM-Affäre: Geld floss über Beckenbauer-Konto nach Katar

So sollen zwischen Mai und Juli 2002, also nachdem Deutschland die WM erhalten hatte, in vier Tranchen sechs Millionen Schweizer Franken über ein Konto Beckenbauers und seines damaligen Beraters Robert Schwan an die Schweizer Kanzlei Gabriel und Müller geflossen sein. Dieser Betrag soll weiter an das Konto einer Gesellschaft in Katar gegangen sein, deren einziger Anteilseigner der mittlerweile lebenslang von Fußballaktivitäten gesperrte Bin Hammam war. Im August 2002 streckte dann der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus offensichtlich dem WM-Organisationskomitee ebenso wie Franz Beckenbauer Geld vor und überwies zehn Millionen Franken auf das Konto der Kanzlei Gabriel und Müller.

Von dort gingen sechs Millionen Franken auf das Beckenbauer-Konto zurück und vier weitere Millionen nach Katar. Bin Hammam bestreitet laut Freshfields, das Geld bekommen zu haben. Auch Beckenbauer stritt am Freitag weitere Kenntnisse ab. Der 70-Jährige ließ lediglich über seinen Anwalt mitteilen, er sei überrascht „über die gewonnenen Erkenntnisse, die aber seine bisherige Erinnerung durchaus zutreffend ergänzen“.

Was Bin Hammam mit den Millionen angestellt haben könnte, ist Spekulation. Es gibt jedoch den Verdacht, der Katari könnte sie an asiatische Mitglieder des Fifa-Exekutivkomitees weitergeleitet haben – für Stimmen bei der WM-Vergabe an Deutschland. Interne DFB-Dokumente lassen dies vermuten. Zudem könnte Bin Hammam damit auch Blatter bei seinem Wahlkampf 2002 unterstützt haben.

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Freshfields: Keine eindeutigen Beweise für gekaufte WM 2006

Laut Freshfields zahlte der DFB im April 2005 den mysteriösen Betrag von 6,7 Millionen Euro mit dem falschen Verwendungszweck zur Fifa-Gala an den Weltverband. Von dort ging es weiter an Louis-Dreyfus. Es sei ein Zahlungsvorgang, der „zehn Jahre verheimlicht, zehn Monate beschönigt“ und eigentlich in „zehn Sekunden zu erklären“ gewesen sei, sagte DFB-Interimspräsident Rainer Koch. „Der DFB hat zehn Millionen Schweizer Franken an eine dem Einflussbereich Mohamed Bin Hammams zuzurechnende Firma gezahlt.“ Koch schloss daraus: „Es ist ein völliges Versagen der internen DFB-Kontrollgremien.“

Der ehemalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wurde am Freitag nicht weiter belastet. Allerdings bestätigten die Untersuchungen, dass Niersbach wichtige Informationen nicht an das Präsidium weitergegeben hat. Auch Niersbach steht damit nach wie vor unter Druck, vertritt er den DFB doch weiter in den Exekutivkomitees der Fifa und Uefa. Es sei noch nicht der Zeitpunkt, über personelle Konsequenzen zu reden, sagte Koch.

In Zukunft will der DFB<TH>nun alles besser machen. Der Verband plant, eine Ethikkommission einzusetzen und seine Strukturen zu verändern. „Das darf sich unter keinen Umständen wiederholen“, betonte Koch. Inwiefern die noch offenen Fragen geklärt werden sollen, wollten die DFB-Vertreter nicht sagen. Denn es soll ja alles weiter strukturiert ablaufen.

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