Sport : Für die Quote, gegen den Zufall

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Der Termin besitzt fast schon „Tagesschau“-Status, er ist quasi eingemeißelt in jede Programmzeitschrift. Jetzt steht der Handball-Dienstag inklusive Live-Spiel, wie man ihn seit zwei Jahrzehnten kennt, offenbar vor dem Aus. Womöglich soll er vom übertragenden Sender durch ein Fußballspiel aus der Dritten Liga ersetzt werden. Eine Entscheidung steht allerdings noch aus.

Egal, wofür und wogegen sich die Fernsehmacher auch aussprechen mögen – die Meldung an sich ist das jüngste Indiz für ein grundsätzliches Problem der Sportart: die Vermarktung. In einer Saison mit bis zu 60 Pflichtspielen pro Verein heißen die Gegner logischerweise nicht jeden Tag Barcelona, Kiel oder Madrid. Da tut sich selbst der härteste Fan schwer, den Fernseher einzuschalten, geschweige denn in die Halle zu gehen. Im Vergleich zu den Konkurrenzsportarten jenseits des Fußballs, also im direkten Quotenstreit mit Eishockey-Spielern, Basketballern und Volleyballern, hat der Handball in Deutschland seit dem Gewinn der WM im eigenen Land vor sechs Jahren deutlich an Vorsprung eingebüßt.

Insofern ist es nur logisch, dass man beim Ligaverband über Veränderungen im Spielmodus nachdenkt. Im Moment werden drei Varianten diskutiert, die den Fokus wieder mehr auf die deutscheste aller Sportarten lenken sollen. Die spektakulärste sieht am Ende der Bundesliga-Saison ein Meisterschaftsspiel zwischen dem Tabellenführer und seinem Verfolger vor. Alles oder nichts, mehr Entscheidung in einer Begegnung geht nun wirklich nicht, TV-Quote garantiert.

Der Vorschlag ist aber auch aus einem anderen Grund zu begrüßen: Weil das letzte wirklich spannende Meisterschaftsfinale mehr als zehn Jahre zurückliegt. Damals besiegte der SC Magdeburg am letzten Spieltag die SG Flensburg-Handewitt und zog in der Tabelle noch vorbei – weil es der Spielplan zufällig so wollte. Auf derartige Zufälle sollte sich der Handballsport in Zukunft lieber nicht verlassen.

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