Fußball-EM 2020 : Berlin oder München? Der DFB muss sich entscheiden

Am Freitag legt der DFB fest, mit welcher Stadt er sich um die Spiele bei der EM 2020 bewirbt. Für das Olympiastadion spricht die höhere Zuschauerkapazität, doch die Vertreter der Vereine wollen für München stimmen - des Geldes wegen.

von und
Schön war’s und wird es? Deutsche Fans vor dem WM-Viertelfinalspiel 2006 gegen Argentinien im Berliner Olympiastadion.
Schön war’s und wird es? Deutsche Fans vor dem WM-Viertelfinalspiel 2006 gegen Argentinien im Berliner Olympiastadion.Foto: picture-alliance/ dpa

Spätestens Freitag Mittag wird es Gewissheit geben. Bernd Schultz, der Präsident des Berliner Fußball-Verbandes (BFV), wird dann mit einer Juniorenauswahl in Zagreb sein und auf einen Anruf aus der Heimat warten. Die Entscheidung, die das Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am Freitagvormittag in Frankfurt am Main trifft, ist für den BFV und den gesamten Berliner Fußball von großer Bedeutung: Es geht darum, ob es bei der Fußball-Europameisterschaft 2020 Spiele in der deutschen Hauptstadt geben wird.

Berlin oder München – das ist die Frage, die das DFB-Präsidium am Freitag abschließend beantworten wird. „Es ist eine reine Bauchentscheidung“, sagt Bernd Schultz. Sein Bauch wiederum sagt dem 55-Jährigen, dass München aus dieser Wahl als Sieger hervorgehen wird. Deutschland wäre dann vermutlich der einzige Mitausrichter der EM-Endrunde, der nicht mit der Hauptstadt vertreten wäre. Das liegt auch daran, dass die Uefa ihren Ursprungsplan geändert hat. In der Ausschreibung des europäischen Verbandes hieß es zunächst, dass die EM-Endrunde in den Hauptstädten von 13 Ländern ausgetragen werde. Später wurden aus den Hauptstädten Metropolen, was auch München eine Bewerbung ermöglicht hat.

BFV-Präsident Bernd Schultz.
BFV-Präsident Bernd Schultz.Foto: picture alliance / dpa

Im Jahr 2020 wird die Europameisterschaft erst- und angeblich auch letztmalig nicht an ein einzelnes Land vergeben, sondern in Häppchen über den gesamten Kontinent verteilt. Der DFB hat sich zunächst für beide möglichen Pakete beworben. Paket eins umfasst drei Vorrundenspiele mit deutscher Beteiligung sowie ein K.-o.-Spiel im Achtel- oder Viertelfinale. Das zweite Paket beinhaltet die beiden Halbfinalbegegnungen und das Endspiel. Ob die Deutschen sich tatsächlich für diese Variante bewerben, hängt davon ab, ob Istanbul Ende der kommenden Woche den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 erhält. In diesem Fall würden die Türken im selben Jahr nicht auch noch das EM-Finale ausrichten können. Sollte Istanbul hingegen bei Olympia erneut leer ausgehen, würde der DFB seine Bewerbung für das Finalpaket zurückziehen, um nicht mit der Türkei zu konkurrieren.

Laufbahn im Olympiastadion könnte als Nachteil gewertet werden

Ursprünglich hatte aus Deutschland neben Berlin und München auch Dortmund Interesse bekundet. Die Stadt verfügt jedoch nicht über die von der Uefa geforderten Hotelkapazitäten und hat ihre Bewerbung von sich aus zurückgezogen. Anders ist es mit München und Berlin. „Beide haben das Pflichtenheft der Uefa exzellent erfüllt“, sagt Bernd Schultz. Die Bewerbungen unterschieden sich nur in Nuancen und würden innerhalb des DFB als nahezu gleichwertig angesehen. „Es gibt keine objektiven Kriterien, die für den einen oder den anderen sprechen“, sagt der BFV-Präsident. Berlin darf zwar 2015 das Finale der Champions League ausrichten; München aber war auch erst 2012 dran. Als Nachteil wird immer wieder ins Feld geführt, dass es im Olympiastadion eine Laufbahn gibt. Die Fans sind dadurch weiter vom Spielfeld entfernt, was sich negativ auf die Stimmung auswirken könne. Bei großen Länderspielen oder dem DFB-Pokalfinale war dies jedoch nicht festzustellen. Zudem ist die Zuschauerkapazität leicht höher als im Münchner Stadion.

Fünfzehn Präsidiumsmitglieder werden am Freitag abstimmen, darunter vier Vertreter der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die bereits angekündigt haben sollen, geschlossen für München zu votieren. Ihr Hauptargument: Das Stadion in München befindet sich – anders als in Berlin – in Vereinsbesitz. Die zu erwartenden Einnahmen würden daher im Ligakreislauf bleiben. In Berlin würde hingegen das Land als Eigentümer des Stadions profitieren. Das Geld, sagte Schultz, dürfte kein Argument sein. Ebenso nicht, dass Berlin alljährlich das DFB-Pokalfinale ausrichtet und es als sicher gilt, dass dieser Vertrag über das Jahr 2015 hinaus verlängert wird. Vielmehr spräche die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor sogar für Berlin.

Zu den Befürwortern Münchens zählen angeblich auch Oliver Bierhoff, der als Manager der Nationalmannschaft dem DFB-Präsidium angehört, sowie der einflussreiche DFB-Vizepräsident Rainer Koch, der gleichzeitig Chef des bayrischen Verbandes ist. Koch widersprach jedoch dem Eindruck, dass München intern als klarer Favorit gelte. Das sei reine Spekulation.

Vieles deutet dennoch auf einen Sieg Münchens hin. Das mag so sein, hieß es gestern noch aus DFB-Kreisen, doch am Ende würden nicht Prognosen entscheiden, sondern nur die Wahl selbst. Der DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hat bereits angekündigt, dass in der wichtigen Frage geheim und schriftlich abgestimmt wird. So etwas hat es im DFB-Präsidium noch nie gegeben.