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Fußballer Gerald Asamoah : "Nicht alle Rassisten werfen Bananen"

22.01.2013 17:26 UhrVon Oliver Fritsch
Gerald Asamoah spielte in der Bundesliga für Schalke, St. Pauli und aktuell Greuther Fürth. Der 1978 in Ghana geborene Angreifer bestritt 43 Länderspiele für Deutschland.Bild vergrößern
Gerald Asamoah spielte in der Bundesliga für Schalke, St. Pauli und aktuell Greuther Fürth. Der 1978 in Ghana geborene Angreifer bestritt 43 Länderspiele für Deutschland. - Foto: dpa

43 Mal spielte Gerald Asamoah für Deutschland. Oft wurde er wegen seiner Hautfarbe ausgepfiffen. Im Interview spricht er über verletzten Stolz und subtilen Rassismus.

Herr Asamoah, was kann man gegen Rassismus tun?

Offensiv mit dem Thema umgehen, drüber reden, Bücher schreiben.

Wie Sie. Dieser Weg wird kein leichter sein ... ist in der vergangenen Woche erschienen. Darin schildern Sie offen unter anderem Ihre Erfahrung mit Rassismus in Deutschland.

Ich lebe seit 1990 in Deutschland, ich habe viele gute Erfahrungen gemacht, etwa mein erstes Länderspiel in Bremen im Jahr 2001. Aber leider auch immer wieder Rassismus erlebt, das war zum Teil sehr schmerzhaft und hat mein Leben und meine Karriere geprägt. Aber ich kann auch sagen, dass sich in diesem Land viel verbessert hat.

Mein Vorbild Anthony Yeboah musste sich in den Neunzigern noch oft "Husch, husch, husch, Neger in den Busch!" anhören.

Ihr schlimmstes Erlebnis war, das schreiben Sie in dem Buch, Cottbus 1997. Sie und Otto Addo wurden das ganze Spiel über diffamiert.

Ich war jung und auf so viel Hass unvorbereitet. Ständig flogen Bananen auf den Platz, wir beide wurden gezielt ausgebuht und geschmäht. Das war eine Extremerfahrung, unter der ich sehr und lange litt. Aber auch Rostock 2006 tat weh, das war nur wenige Wochen nach der Euphorie des Sommermärchens, von dem ich ein Teil war, auch wenn ich nur ein Mal gespielt habe. Und dann kamen wenige Wochen später Fans ins Stadion, um den Asa fertig zu machen.

Im Buch heißt es: "Hallo, liebe Rostocker, ich habe für Deutschland gespielt, bin Dritter der WM. Wir haben doch zusammen gefeiert, ich bin Deutscher, ist das denn alles schon vergessen?" Haben Sie nie Zwiespalt empfunden, für ein Land zu spielen, in dem Sie wegen Ihrer Hautfarbe ausgepfiffen wurden?

Nach Rostock habe ich tatsächlich überlegt, ob ich noch mal für Deutschland spielen soll. Aber meine Karriere dort war ohnehin vorbei. Ich bereue es aber keineswegs. Deutschland ist das Land, das ich liebe. Mich beruhigt, dass ich weiß: Die Mehrheit denkt anders.

Sie kritisieren Michael Ballack, von dem Sie sich damals ein öffentliches Wort der Solidarität erhofft hätten.

Ich wünschte mir damals ein Zeichen aus der Mannschaft, und Michael Ballack war unser Kopf, ein Held in der Öffentlichkeit. Er hatte Wirkung auf junge Leute. Das hätte mir damals sehr gut getan.

Kevin-Prince Boateng hat kürzlich das Spielfeld verlassen, weil er von italienischen Fans verunglimpft wurde.

Dass das im Jahr 2013 noch passiert, ist traurig und beschämend.

Er ging einfach vom Platz. Sie schossen damals in Rostock zwei Tore, gewannen 9:1.

Mein Trainer Mirko Slomka fragte mich, ob ich ausgewechselt werden möchte. Doch mich stachelten die Rufe an, ich wollte es denen zeigen. Auch Boateng hat Respekt für sein Verhalten verdient, ebenso seine Mitspieler für ihre Zivilcourage, ihn zu begleiten.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für Mitspieler. Der Fifa-Boss Joseph Blatter hat Boatengs Reaktion aber kritisiert.

Aus dem Bürostuhl kann der Herr das leicht beurteilen. Auf dem Platz geht es aber um Gefühle, um verletzten Stolz und verletzte Würde. Man muss sich die Situation vorstellen: Du wirst als Einziger auf dem Platz ausgepfiffen, ohne dass Du was getan hast.

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