Fußballmuseum oder Showroom? : Peinlich, wie sich der DFB anbiedert

Das deutsche Fußballmuseum hat heute ein „Herzstück“ der baldigen Ausstellung präsentiert: einen völlig unbedeutenden Bus. Zufälligerweise aber das Fabrikat eines DFB-Premiumpartners. Peinlich, findet unser Autor.

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Für 23 Minuten saß die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem WM-Triumph einst in dem neuen Exponat des Fußball-Museums.
Für 23 Minuten saß die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem WM-Triumph einst in dem neuen Exponat des Fußball-Museums.Foto: Imago

Wenn man als Fußballfan an den vierten WM-Titel der deutschen Mannschaft denkt, fällt einem eine ganze Menge ein. Natürlich Götzes Tor in der Verlängerung. Schweinsteiger und Löw, weinend Arm in Arm. Podolski, wie er lange nach dem Abpfiff mit seinem Sohn auf dem Rasen des Maracana Elfmeterschießen übt. Den Ausstellungsmachern des Deutschen Fußballmuseums ist ein Bus eingefallen, in dem die deutschen Spieler nach ihrer Rückkehr aus Brasilien genau 23 Minuten lang saßen, um von Tegel nach Moabit zu fahren und auf einen offenen Truck umzusteigen.

Dieser Bus wird nun ein „Herzstück“ der Ausstellung in Dortmund werden, wie das Museum und sein „Premium Partner“ Mercedes-Benz heute mitteilten. Diese Entscheidung ist nicht nur peinlich. Sie sagt auch viel darüber aus, was man leider von dem Museum erwarten muss.

In Deutschland wird seit etwa 140 Jahren Fußball gespielt – waren jene 23 Minuten tatsächlich so wichtig? Hat Nordrhein-Westfalen wirklich 18,5 Millionen Euro zum Museumsbau beigesteuert, um Mercedes-Benz einen Showroom zu errichten? Warum braucht ein Museum eine Automarke als Premiumpartner? Natürlich ist der Bus nur eines von 1600 Exponaten im Museum, das Ende Oktober eröffnet wird. Aber allein die Ausmaße des Fahrzeugs werden es bedeutender erscheinen lassen als jeder Stollenschuh, jeder Ball und jeder Fanschal. Wieder einmal zeigt der Deutsche Fußball-Bund (DFB), wem er sich verpflichtet fühlt. Schon der blutleere WM-Film des DFB ist dadurch in Erinnerung geblieben, dass die Kamera bei den Feierlichkeiten immer wieder liebevoll die Chefs der Sponsoren einfing.

Ein Vertreter von Mercedes wurde gestern mit der Aussage zitiert, der Bus sei „ein Stück Fußballgeschichte“. Nein, ist er nicht. Er ist ein Vehikel, um einem Sponsor Zugang zu einem Ort zu verschaffen, an dem er nichts zu suchen hat. In dieser Hinsicht hat das Exponat vielleicht sogar doch eine Berechtigung: als Symbol dafür, wie sehr sich der deutsche Fußball bei seinen Geldgebern angebiedert hat.

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