Sport : Gegen die alte Heimat

Ademola Okulaja trifft bei der Basketball-WM mit der deutschen Mannschaft auf Nigeria

Benedikt Voigt[Saitama]

Der nächste Halt. Ademola Okulaja irrt gemeinsam mit seinen Teamkameraden Patrick Femerling, Steffen Hamann und Mithat Demirel durch die bis zu 37 000 Zuschauer fassende Saitama Super Arena. Sie suchen den Kraftraum, doch ihre japanischen Begleiter bleiben immer wieder stehen, fragen nach dem Weg oder müssen, wie es in dem überregulierten Land üblich ist, eine Genehmigung einholen. Irgendwann vertreiben sich Femerling, Hamann und Demirel die Wartezeit, indem sie einen Kanon anstimmen. Er klingt ungewöhnlich: „A-de-mo-la, A-de-mo-la.“

Ademola Okulaja muss grinsen. Gerne nimmt der Teamkapitän seine Mitspieler hoch, diesmal ist er an der Reihe. Die Übersetzung seines Vornamens aus der westafrikanischen Sprache Yoruba dürfte freilich etwas schwieriger zu singen sein. Sie bedeutet: Eine Krone bereichert meinen Reichtum. In den letzten Tagen musste Ademola Okulaja öfters seine Identität erklären, spielt er doch am Sonntag (3 Uhr am frühen Morgen, live im DSF) mit der deutschen Nationalmannschaft gegen jenes Land, in dem er geboren ist: Nigeria. Das Spiel am Sonntag ist eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. „Das ist ein besonderer Kick für mich“, sagt der 31-Jährige, „ich weiß nur noch nicht in welche Richtung.“

Sein Interesse an Nigeria ist hoch. „Irgendwann möchte ich wieder dorthin zurückkehren, ich möchte sehen, wo ich geboren bin“, sagt er, „aber bisher fehlte mir die Zeit dafür.“ Seine deutsche Mutter und sein nigerianischer Vater hatten sich in Deutschland kennengelernt und sind dann nach Lagos gezogen. Dort kam im Juli 1975 Ademola Okulaja zur Welt. Drei Jahre später trennten sich dann seine Eltern, und die Mutter zog mit ihm und seinem älteren Bruder Adekola zurück nach Westberlin. „Ich habe meinen Vater vielleicht drei Mal in meinem Leben gesehen“, sagt Ademola Okulaja. Als er zehn Jahre alt war, starb sein Vater. Zu seinen Verwandten in Nigeria hat er keinen Kontakt. Allerdings interessiert er sich für seine afrikanischen Wurzeln. „Zu Hause habe ich afrikanische Musik, Skulpturen und andere Kunst“, sagt er.

Als Basketballprofi hat er inzwischen die Welt gesehen. Er spielte für die University of North Carolina, wohin er im Sommer auch noch regelmäßig zurückkehrt. „Dahin kommen alle zurück“, sagt er, „Michael Jordan, Antawn Jamison, Vince Carter.“ Weil er aber nie den Sprung in die amerikanische Profiliga NBA geschafft hat, verdiente er lange sein Geld in Spanien, unter anderem beim FC Barcelona. Problemlos kann er bei der Basketball-Weltmeisterschaft dem spanischen Fernsehen Interviews auf Spanisch geben. Inzwischen spielt der Flügelspieler in Russland beim BC Chimky. Wo aber ist seine Heimat?

„Ich bin ein Berliner Stadtkind“, sagt Ademola Okulaja nicht ohne Stolz, „mein Herz liegt in Berlin, dort habe ich meine Freunde und meine Familie.“ Auf die Frage, wie deutsch er sei, antwortet er: „Was ist nicht deutsch an mir? Ich bin pünktlich, ich bin ordentlich, nur meine Hautfarbe ist vielleicht ein bisschen anders.“ Mit seiner Vita fällt er in der deutschen Basketball-Nationalmannschaft ohnehin nicht auf. Mithat Demirel hat türkischstämmige Eltern, Robert Garretts und Demond Greenes Väter stammen aus den USA. „Basketball kann die Menschen integrieren“, sagte der neue DBB-Präsident Ingo Weiss, „diese Multikulti-Truppe ist ein sehr schönes Erbe, das ich von meinem Vorgänger übernommen habe.“

Der vielleicht berühmteste nigerianische Basketballspieler ist Hakeem Olajuwon, der sich später in den USA einbürgern ließ und für das sogenannte Dream Team 2 spielte. Er holte mit den Houston Rockets zwei NBA-Titel (1994 und 1995) und wurde zwölf Mal ins All-Star-Team berufen. „Ich glaube, Olajuwon hat einmal gesagt, dass er nie gegen Nigeria spielen werde“, sagt Ademola Okulaja. So fest sind seine Bindungen zu seinem Geburtsland nicht. Okulaja sagt: „Ich werde spielen.“

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