Sport : Geldgeber in U-Haft

Die Basketballer von GHP Bamberg müssen ohne ihren Trikotsponsor auskommen – die WM-Maskottchenfirma Nici

Benedikt Voigt

Berlin – Die gute Nachricht vorweg. Am Sonntag haben die Basketballer von GHP Bamberg in ihrer Halbfinalserie Rhein Energie Köln 87:58 bezwungen. Folgt heute ein weiterer Sieg, steht der Deutsche Meister zum dritten Mal in Folge im Finale. Das dürfte den Bamberger Verantwortlichen gut tun angesichts der schlechten Nachrichten, die sich seit einem Anruf vor eineinhalb Wochen angehäuft haben. Da hatte sich der Chef des Bamberger Trikotsponsors Nici gemeldet und dem Verein bekannt gegeben, dass seine Firma Insolvenz anmelden muss. Es kam noch schlimmer. Inzwischen sitzt Ottmar Pfaff wegen des Verdachts des besonders schweren Betrugs in Untersuchungshaft.

Ottmar Pfaff spielte im Bamberger Basketball eine wichtige Rolle. „Er hat uns in den vergangenen zwei Jahren als Sponsor sehr geholfen“, sagt Bambergs Vereinschef Johannes Kemmer. 300 000 bis 400 000 Euro trug er nach Auskunft des Vereinspräsidenten in dieser Saison zum 5,2-Millionen-Etat des Deutschen Meisters bei. „Diese Saison ist bezahlt“, sagt Kemmer, „aber für die nächste Saison wird Nici nicht mehr zur Verfügung stehen.“ Der Rückzug der von der Insolvenz bedrohten Plüschtier-Firma, die unter anderem das Fußball-WM-Maskottchen Goleo herstellt, bringt Bambergs Basketballklub in große Schwierigkeiten.

Nun müssen die Bamberger für die nächste Saison gleich zwei wichtige Sponsoren suchen. Auch der Namenssponsor, die finanziell angeschlagene Direktmarketing-Firma GHP, wird nach dieser Spielzeit aussteigen. Die Bamberger Verantwortlichen verhandeln gegenwärtig mit einigen Kandidaten. „Das ist eine anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Bambergs Vizepräsidentin Sabine Günther, „dabei hilft es uns, dass wir sportlich so gut dastehen.“ Ursprünglich war geplant, den Etat für die kommende Saison weiter zu steigern. Das hat sich nun geändert. „Jetzt haben wir das Ziel, unseren Etat erst einmal zu halten“, sagt Kemmer.

Auch auf den Umbau der Bamberger Jako-Arena wirken sich die Vorwürfe gegen Ottmar Pfaff aus. Die Halle wird gegenwärtig von der Sabo-GmbH umgebaut und soll trotz der jüngsten Ereignisse bis zum 30. September fertiggestellt und betrieben werden. An der Sabo-GmbH sind Sabine Günther und Ottmar Pfaff mit je 50 Prozent beteiligt. Aus ihren Vornamen setzt sich auch der Name der Firma zusammen. Pfaff steuerte das O in Sabo bei – und ist mit rund 3,5 bis 4 Millionen Euro für Kauf, Umbau und Bankbürgschaften beteiligt. „Ein Teil ist bezahlt, ein größerer Teil fehlt noch“, sagt Sabine Günther. Gegenwärtig wird die Bamberger Arena von 5000 auf 6800 Sitzplätze aufgestockt. Hinzu kommen Vip-Logen und Parkplätze. Für Pfaffs Anteile sucht Sabine Günther nun einen neuen Partner. „Es gibt erfolgversprechende Verhandlungen“, sagt sie, „bis dahin mache ich das alleine.“ Das erhöht ihre finanzielle Verantwortung in Bamberg weiter. „Ich trage das mit Fassung“, sagt die 43-Jährige.

Ihrem Geschäftspartner Ottmar Pfaff wird von der Staatsanwaltschaft Hof vorgeworfen, bei Nici Scheingeschäfte in Höhe von 50 Millionen Euro getätigt zu haben. Laut seinem Anwalt Wolfgang Dingfelder habe er bereits Bilanzfälschungen gestanden. Bei GHP Bamberg ist man davon überrascht. „Er ist seinen Verpflichtungen immer nachgekommen“, sagt Sabine Günther, „es war angenehm, mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Sie lässt sich gegenwärtig juristisch beraten, glaubt aber nicht, dass GHP Bamberg oder die Sabo-GmbH etwas zurückzahlen muss, weil man womöglich unrechtmäßig erworbenes Geld erhalten hat.

Die Vereinsverantwortlichen sehen ihren Klub nicht in der Krise. „Die Lage ist ernst, aber nicht verzweifelt“, sagt Sabine Günther. „Das ist sicher nicht existenzbedrohend“, sagt auch Kemmer, „es hat vor Ottmar Pfaff Basketball in Bamberg gegeben und es wird auch danach Basketball geben.“ Fragt sich allerdings, auf welchem Niveau.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben