Gelingt der zehnte Sieg in Serie? : Alba Berlin: Gesucht und gefunden

Albas Basketballer wollen am Sonntag gegen Gießen den zehnten Bundesliga-Sieg in Folge holen. Zehn Gründe für die Serie.

Wenn Riesen riesig jubeln. Die Berliner Center Elmedin Kikanovic (l.) und Bogdan Radosavljevic haben in der Bundesliga zurzeit viel Grund zur Freude.
Wenn Riesen riesig jubeln. Die Berliner Center Elmedin Kikanovic (l.) und Bogdan Radosavljevic haben in der Bundesliga zurzeit...Foto: picture alliance / dpa

Erstmals seit der Saison 2014/15 können Alba Berlins Basketballer wieder zehn Bundesliga-Spiele in Serie gewinnen. Am Sonntag (15.30 Uhr, Arena am Ostbahnhof) Uhr soll es gegen die Gießen 46ers so weit sein. Ein Blick auf die Hintergründe der Siegesserie.

1. Die Saisonvorbereitung ist vorbei

Das sollte Ende Januar eigentlich selbstverständlich sein. Einen geordneten Start in die Saison gab es bei Alba aber nicht: Große Teile des Teams und des Trainerstabs wurden ausgetauscht, mehrere Spieler waren in Nationalteams aktiv, ein Teil der Alba-Mannschaft reiste in der Vorbereitung nach China. Diesen Rückstand hat Alba endlich aufgeholt. „Am Anfang mussten wir viel über Allgemeines sprechen“, sagt Nationalspieler Niels Giffey. „Jetzt sind wir bei den Details angekommen.“

2. Der nicht mehr ganz so nette Herr Caki

Zu Saisonbeginn trat der neue Cheftrainer Ahmet Caki extrem leise und zurückhaltend auf. Mittlerweile wirkt er selbstbewusster und autoritärer. „Es sind ein paar härtere Töne da“, sagt Aufbauspieler Ismet Akpinar. „Vielleicht hat er gemerkt, dass wir das brauchen.“

3. Eine Idee wird Wirklichkeit

Der Wechsel des Disziplin- und Defensivfetischisten Sasa Obradovic zu Caki hat gedauert. Laut Manager Marco Baldi sind nun Spielidee und Handschrift des neuen Trainers zu erkennen. „Wir spielen schnell und variabel, unberechenbar, mit viel Risiko“, sagt Baldi. Laut Co-Trainer Thomas Päch gibt es „in allen Bereichen mehr Klarheit“. Und Niels Giffey sagt: „Der Coach ist präziser geworden.“

4. Die schlimmsten Löcher sind gestopft

Zu Saisonbeginn war die Verteidigung der Berliner erschreckend löchrig. Teilweise schauten sich die Spieler nach Körben des Gegners gegenseitig an – wahlweise fragend, ratlos oder anklagend. Richtig zupackend ist Albas Defensive immer noch nicht, erst recht nicht über eine komplette Spieldauer. Die ganz schlimmen Aussetzer werden aber immer seltener.

5. Der Ball läuft, die Spieler auch

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren gewinnt Alba seine Spiele inzwischen im Angriff – und nicht mehr in der Verteidigung. „Unsere Ballbewegung ist sehr stark geworden“, sagt Päch. „Wir haben sehr viele gute Schützen.“ Im Eurocup kam Alba im Hinspiel gegen Zagreb auf 30 Assists. Zudem strahlt das Team große Gefahr bei Distanzwürfen aus – vor allem dank des im Dezember verpflichteten Dreier-Spezialisten Carl English.

6. Keine One-Elmedin-Show mehr

Wochenlang waren die Berliner abhängig von Elmedin Kikanovic. Mittlerweile ist die Last im Angriff besser verteilt, auch Kapitän Dragan Milosavljevic kommt immer besser in Tritt. Center Kikanovic bleibt weiter die erste Offensiv-Option – seine Mitspieler wissen es aber inzwischen besser zu nutzen, wenn sich der Gegner allzu sehr auf den Bosnier konzentriert.

7. Der Spielplan war gnädig

Unter Albas Gegnern waren während der Siegesserie nur zwei Teams, die auf Play- off-Plätzen liegen: Oldenburg (Rang 6) und Gießen (Rang 8). Der Rest der Siege gelang Alba gegen Teams vom Tabellenende, darunter waren je zwei Erfolge gegen den Letzten Vechta und den Drittletzten Braunschweig. Auch in der Bundesliga bekommt man aber schon lange keine Siege mehr geschenkt: Eine Serie ist eine Serie ist eine Serie.

8. Alle Mann an Bord

Zurzeit sind alle Alba-Profis fit, das war in dieser Saison bisher kaum der Fall. Im Herbst fielen zwei Power Forwards aus, rund um den Jahreswechsel zwei Center. Die Mannschaft hat die Verletzungsphasen gut aufgefangen. Und scheint gestärkt aus ihnen hervorgegangen zu sein.

9. Einigkeit ohne Alpha-Tier

Zu Beginn der Saison schienen die Alba- Profis nebeneinander her zu spielen, eine Identität des Teams war nicht zu erkennen. „Wir kennen uns untereinander jetzt viel besser“, sagt Akpinar. „Es gibt klare Rollen.“ Auch ohne ein echtes Alpha-Tier scheint sich die Mannschaft gefunden zu haben. „Man spürt: Es herrscht Einigkeit“, sagt Baldi. Das hat womöglich auch mit dem Abgang von Dominique Johnson zu tun, von dem sich Alba Anfang Dezember trennte. Johnson war mit seiner Rolle in Berlin nicht zufrieden – und strahlte das auf dem Feld auch aus. Seit seinem Abschied wirkt die Mannschaft harmonischer.

10. Zufrieden ist noch niemand

Die Berliner haben große Fortschritte gemacht – und noch einen weiten Weg vor sich. So ist Alba laut Statistik immer noch die schlechteste Rebound-Mannschaft der Liga. Zudem kritisiert Baldi: „Wir sind ein leichtsinniges Team.“ So leisteten sich die Berliner zuletzt in Zagreb 26 Ballverluste und gaben das Spiel schon in der ersten Hälfte komplett aus der Hand. Durch die Niederlage ist das Aus im Eurocup so gut wie sicher. Damit kann sich Alba bald darauf konzentrieren, im Training hart an den Schwächen zu arbeiten. Und die Liga-Serie auszubauen.

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