Sport : Gemeinsam gegen den Drift

Alba will das Aus gegen Würzburg mit Willen und Teamwork verhindern.

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Zorn im Auge. Bryce Taylor und seine Mitspieler haben etwas gutzumachen. Foto: Camera4
Zorn im Auge. Bryce Taylor und seine Mitspieler haben etwas gutzumachen. Foto: Camera4Foto: camera4

Berlin - Kurz bevor die Tür zugeht, will ein Fan noch etwas loswerden. Der junge Mann, der sonst im Fanblock von Alba Berlin das Megaphon schwingt und jetzt am Montagnachmittag gemeinsam mit drei anderen Anhängern zum Trainingszentrum in der Schützenstraße gekommen ist, steckt den Kopf in den Mannschaftsbus. „Auf geht’s Jungs, ihr schafft das“, brüllt er. „Ihr müsst gewinnen!“ Auch die nicht des Deutschen mächtigen Basketballprofis dürften schon vor diesem Hinweis gewusst haben, dass es am heutigen Dienstag wichtig für sie wird. Die Berliner müssen bei den Würzburg Baskets siegen, um das Saisonende zu verhindern und ein fünftes Viertelfinalspiel zu erzwingen. „Jeder Spieler weiß, worum es geht“, sagt Albas Sportdirektor Mithat Demirel, bevor sich der Bus in Bewegung setzt. „Wenn einer das nicht wüsste, würde er nicht mitfahren.“

Am vergangenen Samstag, bei Albas 84:91-Niederlage im dritten Spiel der Best-of-five-Serie, schien der Ernst der Situation nicht allen Spielern klar zu sein. Zu sorglos ging die Mannschaft von Trainer Gordon Herbert mit dem Ball um, zu wenig aggressiv ging sie unter den Körben zu Werke. „Einige Spieler waren gelähmt“, sagt Demirel. „Die Mannschaft hat in der Saison aber gezeigt, dass sie unter solchen Bedingungen gestärkt zurückkommen kann.“ Rund 150 Fans werden sich am Dienstag auf den Weg machen, um Alba in der lauten Halle in Würzburg zu unterstützen. Im frei empfangbaren Fernsehen wird das Spiel nicht zu sehen sein, im Internet kann man bei Sport1+ für 2,99 Euro einen Livestream anschauen.

Herbert fasst das Problem seiner Mannschaft so zusammen: „Wir haben gespielt, um nicht zu verlieren. Und nicht, um zu gewinnen.“ Der Kanadier hat in der Vorbereitung auf das entscheidende Spiel viel Zeit in die Fehleranalyse und weniger in die individuelle Motivation der Spieler investiert: „Wir haben uns ein Loch gegraben, jetzt müssen wir eben wieder rauskrabbeln.“ Herbert spricht davon, im Training am Montagvormittag „einige Dinge repariert zu haben“. Zu einfach waren die Würzburger zuletzt zum Korb gekommen, die Berliner hatten zu viele freie Würfe zugelassen. „Wenn wir 91 Punkte kassieren, haben wir uns wohl nicht an unseren Plan gehalten“, hatte Power Forward Derrick Allen am Samstag in einem Anflug von Sarkasmus bilanziert und die Verteidigung von Würzburgs John Little als Hauptproblem benannt. „Wir müssen Little davon abhalten, zum Korb zu ziehen. Er ist kein Shooter, trotzdem rennen wir auf ihn zu, wenn er an der Dreierlinie steht – und dann zieht er an uns vorbei.“

Technisch-taktische Umstellungen wie das Little-Problem rücken aber angesichts anderer Schwachstellen fast in den Hintergrund. In der vergangenen Saison wuchs das Berliner Team in den Play-offs mit seinen Aufgaben, zurzeit scheint genau das Gegenteil der Fall zu sein. „Wir haben mächtig Widerstand von Würzburg bekommen, sind ein bisschen zurückgewichen und als Mannschaft auseinandergedriftet“, sagt Yassin Idbihi. „Wir sind nicht zusammengeblieben und haben nicht alle an einem Strang gezogen.“

Idbihi ist der Willen zur Wende deutlich anzumerken. „Für mich wäre es eine Katastrophe, jetzt auszuscheiden“, sagt der 28-Jährige. „Der Wille ist da, die Saison unbedingt zu retten. Wir müssen mit Spaß harten Play-off-Basketball spielen.“ Bei Idbihi klingt es auch nicht verzweifelt, wenn er versucht, der prekären Situation etwas Positive s abzugewinnen. „Das Gute ist: Wenn wir gewinnen, haben wir ein Heimspiel, um die Serie für uns zu entscheiden“, sagt der Center. „Wir wissen, dass wir das Spiel gewinnen, wenn wir unsere Leistung bringen. Egal, was Würzburg macht.“ Sollte die Leistung allerdings weiter ausbleiben, wird die Rückfahrt aus Würzburg die letzte Busreise der Saison für die Berliner sein.

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