Sport : Gerland als Mastermind

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Glückwunsch, Jürgen Klinsmann. Zum 47. und zum Traineramt in den USA. Ob man auch dem US-Fußball gratulieren darf, hängt davon ab, was der Verband mit dieser Personalentscheidung bezweckt.

Auf den ersten Blick scheint Klinsmann die idealtypische Besetzung für den Nationaltrainerposten zu sein. Der Schwabe, mit der Autorität eines einstigen Weltstars ausgestattet, der zudem seit zwei Jahrzehnten in Kalifornien lebt und die amerikanische Seele kennt, ist zumindest eine interessante Lösung für den amerikanischen Verband. Das US-Team, seit 1990 bei jeder WM dabei, hat ein gutes Niveau erreicht, stagniert aber. Hier könnte Klinsmann zum Tragen kommen. Der hat in seiner Zeit als Bundestrainer zwischen den Beweis erbracht, dass er auf der Ebene eines Nationaltrainers eine Erneuerung und Entwicklung initiieren und mit Eifer und Elan durchzusetzen vermag. Als eine Art Projektleiter hat er Prozesse angestoßen, hat neue Inhalte eingebracht und diese unnachgiebig durchgeboxt – mit Erfolg. Das aber auch, weil er in Joachim Löw einen taktischen Fachmann an seiner Seite hatte, einen Tüftler in der Sache, einen Mastermind. Den hatte er im Mexikaner Martin Vasquez später beim FC Bayern nicht – und scheiterte.

Klinsmanns besondere Stärken lagen im Übersinnlichen, in der Willens- und Glaubensbildung. Hier ist die Frage, ob der amerikanische Fußball in diesen Teilbereichen tatsächlich Nachholbedarf hat?

Vermutlich wird er als US-Trainer auch im Kerngeschäft gefragt sein. Und vielleicht muss er ja auch dort Widerstände überwinden. Wie groß war das Geschrei, als er der Mannschaft des dreimaligen Welt- und Europameisters amerikanische Fitnesstrainer an die Seite stellte? Aber gerade in diesem Bereich lagen damals eklatante Defizite. Auf die USA übertragen hieße das, einen wie Hermann Gerland zu engagieren, den prototypischen Wächter guter, alter deutscher Fußballtugenden. Klinsmann weiß, woran der amerikanische Fußball krankt, und hat sich vorsorglich weitreichende Befugnisse zusichern lassen.

Am Ende wird es darum gehen, den amerikanischen Fußball auf ein neues Niveau zu heben. Dafür muss das Team oft genug die USA verlassen, um sich mit den Besten messen und sich weiterentwickeln zu können. Aber Transatlantikflüge sind ihm ja nicht unbekannt.

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