Sport : Größer, schwerer, teurer

Wie Udo Lattek und Paul Breitner die XXL-Chronik des FC Bayern in Berlin vorstellten. Ein Ortstermin

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Kaiserliches Format. Franz Beckenbauer bekam vor einer Woche das erste Exemplar der neuen Bayern-Chronik. Foto: Ulmer
Kaiserliches Format. Franz Beckenbauer bekam vor einer Woche das erste Exemplar der neuen Bayern-Chronik. Foto: UlmerFoto: Pressefoto ULMER/Markus Ulmer

Berlin - Pünktlich zum 111. Geburtstag erscheint ein neues Buch über den FC Bayern München. Für die handelsüblichen Regale ist es ein bisschen zu groß (50 x 70 Zentimeter) und für den gewöhnlichen Fan ein wenig zu teuer (2999 Euro) geraten. Macht nichts, bei einer limitierten Auflage von 4111 Exemplaren bleibt das Lesevergnügen ohnehin einem exklusiven Zirkel vorbehalten. Für alle anderen fasst Udo Lattek die 556 Seiten in sieben Wörtern zusammen: „Wir waren schon großartig, in jeder Beziehung!“

Der Fußballlehrer Udo Lattek hat mit dem FC Bayern in den Siebziger- und Achtzigerjahren gewonnen, was zu gewinnen war. Er steht vor seinem 77. Geburtstag, die Stimme ist leiser geworden nach einem Schlaganfall vor einem Jahr, aber poltern und streiten und prahlen kann er immer noch. Deswegen darf er am Montag in einem Berliner Hotel die leicht überdimensionierte Vereinschronik „4 Sterne und 11 Jahre“ vorstellen. Hinter ihm hängt ein wandgroßes Bild mit einer von den Fans gewählten Münchner Jahrhundertelf. Beckenbauer, Müller, Maier, die üblichen Verdächtigen, und auf der rechten Seite steht neben Katsche Schwarzenbeck als Trainer… Ottmar Hitzfeld. „Das ist der einzige Verkehrte auf dem Bild“, sagt Udo Lattek, „aber die Fans haben ja sowieso keine Ahnung.“

Ihm zur Seite sitzen in Berlin die früheren Profis Thomas Linke und Udo Horsmann, dazu der 87 Jahre alte Otto Schweizer, der mit den Bayern im Krieg für Fleisch, Äpfel und Mehl gespielt hat. Und Paul Breitner, von dem man lange nichts mehr gehört hat, seitdem er Ende des vergangenen Jahrtausends beinahe und aus Versehen Bundestrainer geworden wäre. Auch Breitner hat alles mit den Bayern gewonnen, das sei auch gar nicht anders möglich, „denn beim FC Bayern unterschreibst du als Spieler die Verpflichtung, jedes Spiel und jeden Titel zu gewinnen“. Das würden die Leute in anderen Klubs nicht kennen lernen, „deswegen kommt es schon mal vor, dass es einer aus der Provinz bei uns nicht schafft“.

Passend dazu erzählt Udo Lattek, wie das mit Sören Lerby war, dem dänischen Antreiber, der Mitte der Achtziger Jahre von Ajax Amsterdam nach München kam: „Dem hat der Kalle Rummenigge immer den Ball weggenommen. Erst als Rummenigge nach Italien ging, durfte der Sören zeigen, dass er auch was kann.“ Und noch ein Wort zu Breitner: „Ach den Paul kenne ich ja schon, seitdem er 14 ist. Ich habe ihn erstmal Rechtsaußen spielen lassen, weil da noch ein Platz frei war.“ Ihm und Uli Hoeneß habe er immer indirekt zu verstehen gegeben, was zu tun sei, „die haben dann wirklich geglaubt, sie hätten sich das selbst ausgedacht“.

Udo Lattek lacht, Paul Breitner senkt den Blick. Hoffentlich steht diese Geschichte nicht im Buch! Zur Präsentation der XXL-Chronik trägt er den offiziellen Klubanzug, er spricht wie sein Freund Uli Hoeneß vom „FC Baaan“, den er als „eigentlichen Repräsentanten des deutschen Fußballs in Europa und der ganzen Welt“ rühmt. Paul Breitner hatte mal den Anspruch, so etwas wie ein Chefkritiker des deutschen Fußballs und damit auch des FC Bayern zu werden. Jetzt trägt er den schönen Titel eines Münchner Markenbotschafters, hinter dem vermutlich nicht allzu großer Einfluss steckt.

Da trifft es sich gut, dass die Münchner Führungsriege gerade wegen dringender Champions-League-Verpflichtungen in Zürich weilt; heute im Rückspiel (20.45, live bei Sat 1) muss der 2:0-Vorsprung verteidigt werden. Paul Breitner darf so das Wort führen über die großen Themen des Fußballs. Zum Beispiel über Oliver Kahns Kritik an Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, der Ex-Nationaltorwart hält sie nur für mäßig begabt, eine Mannschaft zu führen. Blödsinn, sagt Breitner, und wo sei denn der Kahn gewesen, als er so alt war wie Lahm und Schweinsteiger heute? „Den haben wir doch alle verklärt wegen der Erfolge in den späten Jahren seiner Karriere. Aber wo war denn Oliver Kahn 1999 oder 2000?“ Nein, nein, „der Philipp und der Bastian, die machen das schon richtig“, genau so wie Xavi und Iniesta beim FC Barcelona.

In Zürich werden die Herren Beckenbauer, Rummenigge und Hoeneß zufrieden sein mit ihrem Markenbotschafter in Berlin.

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