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Grünes Licht für Bad Saarows Bewerbung : Steuerbefreiung für Ryder Cup 2022

Die Politik gewährt der Ryder-Cup-Bewerbung Brandenburgs eine Steuerbefreiung ähnlich der Fußball-WM. Damit gilt Bad Saarow als Favorit für die Austragung des Golfturniers 2022.

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Sir Nick Faldo, Profigolfer und Golfplatzarchitekt auf dem "Nick-Faldo"-Platz in Bad Saarow. Der Platz wird, wenn Deutschland den Zuschlag bekommt, Austragungsort des Ryder Cup 2022.
Sir Nick Faldo, Profigolfer und Golfplatzarchitekt auf dem "Nick-Faldo"-Platz in Bad Saarow. Der Platz wird, wenn Deutschland den...Foto: Mike Wolff

Aufatmen in Bad Saarow: Sollte der Ryder Cup 2022 in Deutschland stattfinden, erhalten die Organisatoren vom deutschen Staat eine Steuerbefreiung. Das erfuhr der Tagesspiegel aus Teilnehmerkreisen einer Klausur von Steuerfachleuten aus allen Bundesländern sowie Vertretern des Bundes, die am Freitag in Essen stattfand. Nicht nur eine Mehrheit der Länder, sondern überraschend auch der Bund haben demnach intern für eine Steuerbefreiung des prestigereichen Golf-Teamwettbewerbs zwischen Europa und den USA gestimmt – anders als bei Deutschlands letzter Bewerbung um den Ryder Cup 2018.

„Wir freuen uns sehr, dass wir die Politik von der überragenden Bedeutung des Ryder Cups mit einer Entscheidung pro Steuerbefreiung überzeugen konnten“, sagt Claus Kobold, Präsident des Deutschen Golf-Verbands (DGV). „Für uns ist das ein wichtiger Schritt, um den Ryder Cup nach Deutschland zu holen.“ Aktuell beweise Deutschland mit der Ausrichtung des Solheim Cups in St. Leon-Rot, dass das Land eine echte Golfnation sei. „Das ist die beste Hilfe, die Deutschland geben kann“, sagte Marco Kaussler, Geschäftsführer der Ryder Cup Deutschland GmbH, nach Erhalt der Nachricht. „Wir freuen uns sehr über den Meilenstein.“

Dem Ryder Cup 2022 in Bad Saarow würde der Fiskus Steuerprivilegien einräumen, wie sie der Fifa bei der Fußball-WM 2006 oder der Uefa mit dem Champions-League-Finale 2015 in Berlin gewährt wurden. Welche Einkünfte die Organisatoren der Ryder Cup Europe nach dem deutschen Einkommensteuergesetz nicht zu versteuern haben, wird nun im Einzelnen ausgearbeitet. Unklar ist also noch, ob darunter etwa die Gewinne aus dem Verkauf von Eintrittskarten fallen. Auf wie viel Geld der Staat durch die Steuerbefreiung voraussichtlich verzichten würde, unterliegt dem Steuergeheimnis, sagt ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums.

Ohne eine Steuerbefreiung wären der deutschen Ryder-Cup-Bewerbung kaum Chancen eingeräumt worden im Wettstreit mit Spanien, Italien und Österreich. Groß war daher die Euphorie am Freitag in Bad Saarow: „Endlich mal etwas Positives“, sagt Bürgermeisterin Anke Hirschmann. Es bleibe aber viel zu tun, um bei einem möglichen Ryder Cup täglich bis zu 50.000 Zuschauer am Scharmützelsee zu empfangen: Neue Busse, breitere Straßen und zwei riesige Parkplätze. Auch eine direkte Zugverbindung zwischen Berlin und Bad Saarow wäre möglich. Derzeit gibt es vor Ort in Hotels und Pensionen 3000 Betten. Zwei weitere hochwertige Hotels sind geplant.

Dieter Hütte, Geschäftsführer der Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, würde sich freuen, wenn sich das Land Brandenburg einer enorm großen und internationalen Öffentlichkeit durch den Ryder Cup präsentieren könnte: „Brandenburg als Hauptstadtregion bietet für den Ryder Cup die perfekte Infrastruktur und dazu eine eindrucksvolle Natur- und Kulturkulisse.“ 

Auch Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) hofft nun, dass die Entscheidung über die Vergabe des Ryder Cups Anfang November im englischen Wentworth zugunsten von Bad Saarow ausfällt: „Wir setzen darauf, dass der Ryder Cup dem Tourismus im Land und der Region einen Schub beschert.“ Harald Binnewies, Präsident des Golfverbands Berlin-Brandenburg, ist überzeugt, dass die gesamte Hauptstadtregion auf lange Zeit hin profitieren könnte: „Ein Ryder-Cup-Platz lockt Golftouristen aus aller Welt an, das hat die Vergangenheit gezeigt.“

Dank der in Aussicht gestellten Steuerbefreiung bleibt Deutschland der Favorit unter den vier Bewerbern um den Ryder Cup in sieben Jahren. Der mehrfache Majorsieger und Golfplatzarchitekt Nick Faldo hatte seine Entwürfe für den notwendigen Umbau des Turnierplatzes in Bad Saarow bereits im Juli präsentiert. Als großer Geldgeber im Weltgolf unterstützt BMW ausdrücklich eine Austragung in Bad Saarow. 

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