Handball-WM 2015 : Deutsche Nationalmannschaft nimmt doch an WM in Katar teil

Die deutschen Handballer nehmen trotz verpasster Qualifikation an der WM 2015 in Katar teil. Sie profitieren davon, dass derzeit Ozeanien keinen von der IHF anerkannten Kontinentalverband hat.

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Bundestrainer Martin Heuberger am Spielfeldrand.
Bundestrainer Martin Heuberger am Spielfeldrand.Foto: Jens Wolf/dpa

In Magdeburg, nach dem bitteren Play-off-Aus gegen Polen, hatte Bernhard Bauer sich nicht an den Spekulationen beteiligen wollen. Eine Wildcard für die WM in Katar? „Ich bin kein Träumer, wir haben uns sportlich nicht qualifiziert“, sagte der Präsident des Deutschen Handball-Bundes (DHB). Doch nun, vier Wochen nach dem Desaster, hat die Internationale Handball-Föderation (IHF) dem mitgliederstärksten Handball-Verband der Welt tatsächlich eine Wildcard für die 24. Weltmeisterschaft in Doha (15.–31. Januar 2015) gegeben.

Grundlage ist ein Beschluss des IHF-Rates, der am Rande der Juniorinnen-WM in Zagreb tagte. Demnach existiert derzeit kein Kontinentalverband in Ozeanien, weshalb der Ozeanien-Vertreter Australien nicht starten könne. Für die Wildcard nominierte die IHF das bestplatzierte Team der vergangenen WM in Spanien, das sich nicht direkt für Doha qualifiziert hatte: den WM-Fünften Deutschland.

Der Vertrag von Bundestrainer Martin Heuberger war nicht verlängert worden

Bauer wurde die Nachricht am Dienstagnachmittag von IHF-Sportdirektor Patric Strub überbracht. „Das hat mich überrascht“, sagte der DHB-Boss, der zugleich versicherte, über dieses Thema nicht mit dem Weltverband verhandelt zu haben. „Es liegt jetzt an uns zu beweisen, dass wir ein würdiger Teilnehmer der WM in Katar sind.“ Zudem dürfte die Wildcard die Suche nach dem neuen Bundestrainer erneut befeuern; Martin Heubergers Vertrag war nach den beiden Niederlagen gegen Polen nicht verlängert worden.

Eine Wildcard für die WM – das ist ein Novum in der 76-jährigen Geschichte der Weltmeisterschaften, das in der Handballszene erhitzte Debatten produzieren wird. Traditionsreiche Verbände wie Island oder Ungarn, die wie Deutschland nur knapp in den Play-offs gescheitert waren, dürften sich benachteiligt fühlen. IHF-Präsident Hassan Moustafa hatte indes erneut betont, wie wichtig der DHB hinsichtlich der Vermarktung seines Verbandes ist. Im Ranking des Internationalen Olympischen Komitees war Handball nach Meinung des Ägypters nur deshalb degradiert worden, weil beim olympischen Handballturnier in London 2012 „die TV-Quoten aus Deutschland fehlten“, so Moustafa.

"Wir sind sehr stolz und glücklich", sagte Füchse-Manager Bob Hanning

Die Spitzenvertreter der deutschen Handball-Bundesliga (HBL) jedenfalls nahmen die Nachricht mit Freude auf. „Das ist auf jeden Fall sehr gut für den deutschen Handball, daraus ergeben sich auch für die Bundesliga wieder einige Möglichkeiten“, sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker. „Wir sind sehr stolz und glücklich, es über den zweiten Bildungsweg doch zur WM nach Katar geschafft zu haben“, sagte Füchse-Berlin-Manager und DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Bernhard Bauer wies darauf hin, dass das WM-Turnier in der Wüste speziell für die jüngere Generation von großer Bedeutung sei. „Es ist wichtig für diese Spieler, solche Erfahrungen sammeln zu dürfen“, sagte Bauer. Das gilt insbesondere für das Supertalent Hendrik Pekeler vom TBV Lemgo. Der 23-jährige Kreisläufer hatte in den Play-offs gegen Polen zu den besten deutschen Profis gezählt. Auch der Halblinke Finn Lemke (Lemgo), das größte Versprechen des deutschen Handballs, und Linkshänder Fabian Wiede (Füchse Berlin) dürften in Doha ihr WM-Debüt geben. Dank der unverhofften Wildcard.

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