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Hans-Peter Friedrich zu Wettmanipulationen : „Ein Krebsgeschwür, das die Sportwelt bedroht“

27.05.2013 22:48 Uhrvon

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich will künftig härter gegen Wettmanipulationen im Sport vorgehen. Strafverfolgungsbehörden, Sportverbände und Wettanbieter ruft er dazu auf, an einem Strang zu ziehen. Welche Maßnahmen er ansonsten ergreifen will, verrät er im Tagesspiegel-Interview.

Herr Friedrich, immer wieder erregen manipulierte Fußballspiele großes Aufsehen. Wie kann die Weltsportministerkonferenz den Kampf gegen diese Betrügereien voranbringen?
Die Manipulation von Sportwettbewerben – übrigens nicht nur im Fußball – ist ein Krebsgeschwür, das die ganze internationale Sportwelt bedroht. Häufig steckt organisierte Kriminalität dahinter. Bei der Bekämpfung dieser Strukturen hat man nur eine Chance, wenn alle Verantwortlichen weltweit an einem Strang ziehen: Strafverfolgungsbehörden, Sportverbände und Wettanbieter. Bei der diesjährigen Weltsportministerkonferenz befassen sich erstmals Regierungsvertreter aus allen Teilen der Welt mit der Bedrohung der Werte und der Integrität des Sports durch die Manipulation von Sportwettbewerben.

Von der Konferenz soll ein deutliches politisches Signal ausgehen: Regierungen und Sportverbände müssen dieses Problem engagiert angehen und künftig eng international zusammenarbeiten.

Was sind Ihrer Meinung nach die wichtigsten Maßnahmen zur Eindämmung des Wettbetrugs?
Neben einer effektiven staatlichen Strafverfolgung, gestützt auf die enge internationale Zusammenarbeit, müssen die Sanktionsmöglichkeiten innerhalb des Sports konsequent angewendet werden. Hier muss das Null-Toleranz-Prinzip gelten! Mindestens ebenso wichtig wie Sanktionen sind jedoch Maßnahmen im Bereich der Prävention. Sportler, Schiedsrichter, Trainer, Funktionäre und sonstige Verantwortliche müssen dafür sensibilisiert werden, mit welchen Methoden kriminelle Netzwerke arbeiten. Sinnvoll sind auch unabhängige Vertrauenspersonen, die es zum Beispiel im deutschen Fußball schon gibt. An diese können sich Sportler und Schiedsrichter wenden, die von Kriminellen mit dem Ziel der Manipulation angesprochen wurden oder die sich gar bereits in Manipulationen verstrickt haben.

Der im Fall Ante Sapina zuständige Staatsanwalt Andreas Bachmann aus Bochum beklagte, dass die Strafverfolgungsbehörden manipulierten Spielen nur nachgehen können, wenn darauf auch Geld gesetzt worden ist, und Manipulation ansonsten straffrei bleibt. Brauchen wir daher einen Straftatbestand Sportbetrug, der vielleicht auch noch Dopingvergehen einschließt?
Die engagierte Arbeit der Bochumer Strafverfolgungsbehörden hat dazu geführt, dass die Drahtzieher von Wettmanipulationen in erster Instanz zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt wurden. Das ist ein großer Erfolg, der beweist, dass man der internationalen Wettmafia das Handwerk legen kann! Die Erfolge in Bochum zeigen aber auch, dass in Deutschland rechtliche Rahmenbedingungen für den Kampf gegen Manipulation von Sportwettbewerben zur Verfügung stehen. Falls die Erfahrungen der Ermittler in Bochum gravierende Regelungslücken offenbaren, dürfen wir uns auch strafrechtlichen Neuregelungen nicht verschließen. Wir sollten aber Spielmanipulationen und Doping nicht in einen Topf werfen. Beide Phänomene müssen effizient bekämpft werden, indem man die staatlichen Institutionen stärkt. So könnte man beispielsweise Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften einrichten, um die Bekämpfung international organisierter, betrügerischer Manipulationen durch Spezialisierung und Bündelung der Ermittlungskompetenzen weiter auszubauen.

Es gab in den vergangenen Jahren einige große Wettskandale, gleichzeitig ist die Werbung von Sportwettenanbietern immer präsenter geworden. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?
Das in den vergangenen Jahren rasant gestiegene Angebot von Sportwetten, insbesondere im Internet, und die damit verbundenen Gewinnmöglichkeiten sind ein Magnet für die organisierte Kriminalität. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich die seriösen Wettanbieter glaubwürdig für die Wahrung der Integrität des Sports engagieren. Sie müssen zum Beispiel geeignete Kontrollmechanismen einführen, um Manipulationen frühzeitig zu erkennen. Und sie müssen ihre Erkenntnisse uneingeschränkt an Sportverbände und die Strafverfolgungsbehörden weitergeben.

In Singapur wird der vermeintliche Drahtzieher auch von europäischen Wettskandalen Eng Tan Seet, genannt Dan Tan, mit internationalem Haftbefehl gesucht. Trotzdem ist er noch auf freiem Fuß. Werden Sie darüber bei der Konferenz auch mit Ihrem Amtskollegen aus Singapur sprechen?
Auf der Weltsportministerkonferenz geht es in erster Linie um die Grundlagen zur Bekämpfung von Manipulationen im Sport, um gemeinsame Lösungsansätze der Staatengemeinschaft. Um Einzelfälle wie zum Beispiel die Fahndung nach international gesuchten Straftätern kümmern sich bereits unsere Strafverfolgungsbehörden sowie Interpol und Europol. Aber man wird die Konferenz sicher auch nutzen, um am Rande über Fälle wie den von Eng Tan Seet zu sprechen.

Hans-Peter Friedrich (CSU) ist Bundesinnenminister und in dieser Funktion auch für die Sportpolitik des Bundes zuständig.

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