Sport : Hauptsache politisch korrekt

Der Bundestag berät über Homophobie im Sport

von

Berlin - Die Sitzung fand im Raum 1.302 statt. Ein zweckmäßiger Saal mit großen Panoramafenstern, dahinter fließt träge die Spree. Raum 1.302 liegt im Jakob-Kaiser-Haus, einen Steinwurf vom Brandenburger Tor entfernt. Dort tagte gestern der Sportausschuss des Deutschen Bundestages. Die Tagesordnung umfasste nur einen Punkt: „Homosexualität im Sport“. Eine Routinesitzung, Politikeralltag. Aber im Raum 1.302 bekam man eine Ahnung davon, weshalb Politik trotz aller vorgetäuschter Hektik zuweilen so zäh und uneffektiv sein kann.

Fünf Experten saß in Raum, es war eine öffentliche Anhörung. Tatjana Eggeling war dabei, die über Homsosexualität im Fußball forscht, Marcus Urban war da, ein ehemaliger Fußballer, der seine Karriere wegen seiner Homosexualität frustriert beendete, und Tanja Walther-Ahrens, ehemalige Spielerin von Turbine Potsdam. Sie hatten genau fünf Minuten für ihr Statement, Zeit war offenbar kostbar gestern. Man hätte viel fragen können, sie kommen aus der Praxis.

Die erste Frage stellte eine Abgeordnete der Grünen. Sie hätte nach 20 Sekunden fertig sein können, so lange dauerte ihre Frage. Die verspätete, natürlich politisch korrekte Wahlkampfrede, die sie stattdessen erst mal hielt, die dauerte fast fünf Minuten. Ein Kurzauftritt, sollte sich schnell herausstellen. Denn nun kam Frank Steffel (CDU). Er betete einen Allgemeinplatz nach dem anderen herunter, er hörte nicht auf, und irgendwann, kurz bevor es draußen dunkel wurde, fragte er: „Was kann die Politik tun?“

Tja, was? Tatjana Eggeling kann sich vorstellen, dass sich die Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes auch um Sportler kümmert, die wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Oder dass Geld für Projekte bereitgestellt wird, bei denen man untersucht, wie man Fehler vermeidet, die bei Anti-Diskriminierungsprojekten aufgetreten sind. Die große Problemlösung gab’s gestern nicht, das war nicht zu erwarten. Es ging um die Sensibilisierung, um Einblicke. Die gab es, es hätten nur mehr sein können.

Ein Experte passte da freilich auch ins Bild. Michael Vesper ist Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), früher war er mal Landesminister. Gestern sagte er durchaus einen spannenden Satz: Der DOSB habe sich dem Thema Homophobie noch nicht „vordringlich“ gewidmet. „Das muss man jetzt überlegen.“ Dafür benötigte er eine Minute. In den restlichen vier Minuten seines Statements wiederholte er, was andere schon gesagt hatten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar