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Hertha BSC bleibt Zweiter : 1:1-Sieg gegen Borussia Dortmund

„Das war Männerfußball“, sagt Trainer Dardai: Hertha BSC erkämpft sich im Spitzenspiel bei Borussia Dortmund ein Unentschieden und behauptet damit den zweiten Tabellenplatz.

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Rune vor dem Sturm. Herthas Keeper Jarstein hielt in der zweiten Halbzeit einen Elfmeter gegen Dortmunds Aubameyang. Später traf dieser zum 1:1-Endstand.
Rune vor dem Sturm. Herthas Keeper Jarstein hielt in der zweiten Halbzeit einen Elfmeter gegen Dortmunds Aubameyang. Später traf...Foto: dpa

Nach zehn Minuten nahm die Statistik beängstigende Formen an. Die Spieler von Hertha BSC hatten gerade ihr viertes Foul verübt, nach den Diskussionen der vergangenen Tage musste man sich also große Sorgen um das Seelenheil des Dortmunder Trainers Thomas Tuchel machen. Am Ende artete das Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und Hertha tatsächlich in eine wilde Treterei aus. Erst sah der Dortmunder Emre Mor für einen Schubser die Rote Karte, in letzter Minute dann auch Herthas Valentin Stocker für eine brutale Grätsche im Mittelfeld. Beide Mannschaften schenkten sich nichts, so dass die 80 800 Zuschauer eine in jeder Hinsicht ausgeglichene Begegnung sahen, in der es am Ende 1:1 (0:0) hieß. Die Dortmunder blieben damit auch im 25. Heimspiel hintereinander ungeschlagen und stellten einen neuen Vereinsrekord auf; Hertha hingegen behauptete den zweiten Tabellenplatz.

„Für die Fans war es ein schönes Spiel. Das war Männerfußball, viele Zweikämpfe, ich mag sowas“, sagte Hertha-Coach Pal Dardai im Anschluss dem TV-Sender Sky. BVB-Mittelfeldspieler Sebastian Rode wirkte dagegen unzufrieden. „Wir haben noch nie so zusammengespielt. Wir wissen, dass wir es alle besser können.“

Die Gäste aus Berlin überließen den Dortmundern bereitwillig Ball und Initiative. Auf mehr als zwei Drittel Ballbesitz kam der BVB vor der Pause, ohne daraus allzu viel Gefahr generieren zu können. Die Prognose Tuchels, dass seine Mannschaft gegen die gut organisierten Berliner viel Geduld würde aufbringen müssen, bewahrheitete sich. Es war auch kein Zufall, dass Hertha häufiger zu Abschlüssen kam als die Gastgeber, die in der ersten Hälfte nur eine gute Gelegenheit hatten. Nach einer schönen Kombination über die rechte Seite flankte Felix Passlack den Ball in die Mitte, am zweiten Pfosten stand Emre Mor völlig frei, sein Volleyschuss flog jedoch deutlich über das Tor.

Der Plan der Dortmunder funktionierte nur bedingt

Den Dortmundern war anzumerken, dass ihnen gleich zehn verletzte Spieler fehlten. In der Innenverteidigung kam der 20-jährige Mikel Merino zu seinem Pflichtspieldebüt für den BVB. Der Spanier wirkte nicht immer sicher, verlor gleich zu Beginn ein Laufduell gegen Alexander Esswein und leistete sich auch im Aufbau einige Fehler. Der Plan der Dortmunder, die unerfahrene Viererkette durch forsches Offensivspiel weitgehend zu entlasten, funktionierte nur bedingt. Nach vorne fehlte dem BVB die Klarheit, oft auch die Präzision. Herthas Defensive geriet vor der Pause selten in Probleme, nach Balleroberungen suchten sie möglichst rasch den Abschluss: Esswein hatte die erste Gelegenheit, als er es nach einer Hereingabe des guten Genki Haraguchi von der Strafraumgrenze mit links versuchte. Der Ball strich über die Latte. Bei den Schüssen von Valentin Stocker und erneut Esswein war es nicht ganz so knapp.

Die Dortmunder hatten erst zu Beginn der zweiten Hälfte wieder eine gute Chance, als Mor nach einem Solo im Strafraum zum Schuss kam, das Tor jedoch verfehlte. Dass die Chancen auf ein Tor sich exponentiell erhöhen, wenn man den Ball aufs Tor bringt, zeigten kurz darauf die Berliner. Mit der Hacke spielte Vedad Ibisevic, Herthas Kapitän, Valentin Stocker frei. Der Schweizer schob den Ball überlegt an seinem Landsmann Roman Bürki vorbei und traf zum 1:0 für die Gäste.

Tuchel brachte nach dem Rückstand mit Ousmane Dembélé und Shinji Kagawa zwei neue Offensivkräfte, der Druck auf Hertha nahm zu. Bei einem Distanzschuss von Marcel Schmelzer hatte Torhüter Rune Jarstein leichte Probleme, gegen Pierre-Emerick Aubameyang reagierte er aus kurzer Distanz glänzend, sein Meisterstück lieferte der Norweger nur zwei Minuten später, erneut gegen den Gabuner. Aubameyang lief allein auf ihn zu und versuchte es mit einem Lupfer – Jarstein brachte die Fingerspitzen noch an den Ball, der, fast in Zeitlupe, an den Pfosten trudelte. Im Vergleich dazu war die Prüfung in der 77. Minute fast ein Kinderspiel, als – wieder – Aubameyang zum von Haraguchi verschuldeten Handelfmeter antrat. Jarstein wählte die richtige Ecke und parierte den nicht besonders gut geschossenen Ball.

Der Traum vom Auswärtssieg lebte – bis Aubameyang es zehn Minuten vor dem Ende doch noch schaffte, Herthas Torhüter zu überwinden. Nach einer scharfen Hereingabe Dembélés grätschte er den Ball am langen Pfosten zum 1:1 über die Linie. Mehr Tore gab es nicht mehr - nur noch zwei Platzverweise.

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