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Hertha BSC - SC Paderborn 2:0 : Nicht schön, aber besonders wertvoll

Hertha BSC schlägt den SC Paderborn im Abstiegsduell und verschafft sich Luft im Kampf um den Klassenerhalt. Es war eine schwache Partie ohne Höhepunkte - bis zur Schlussphase.

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Premierentor: Herthas Valentin Stocker (r.) bejubelt seinen ersten Bundesliga-Treffer.
Premierentor: Herthas Valentin Stocker (r.) bejubelt seinen ersten Bundesliga-Treffer.Foto: dpa

Wer seinen österlichen Sonntagsspaziergang so konzipiert hatte, dass ein Abstecher zum Olympiastadions samt Besuch des örtlichen Fußballspiels möglich war, der musste sich lange in Geduld üben, so ihm denn eine gewisse Sympathie zum platzbauenden Verein Hertha BSC nachgesagt werden durfte. Es war ein laues Spiel, das sich erst in der Schlussphase etwas entkrampfte und letztlich in Hertha seinen verdienten Sieger fand.

Gleichwohl ist dieser zähe 2:0 (0:0)-Sieg über den SC Paderborn von großer Bedeutung für Berlins Bundesligisten. Hertha kommt nach dem neunten Saisonsieg auf 32 Punkte, klettert in der Tabelle auf Platz elf und verschafft sich so einen deutlichen, vielleicht schon entscheidenden Puffer zu den Abstiegsrängen. „Die Jungs haben sich jetzt einen freien Tag verdient, sie können jetzt Ostereier suchen“, sagte Herthas Trainer Pal Dardai erleichtert

Unterdessen beglückwünschte sein Gegenüber, Paderborns Trainer André Breitenreiter, den Ungarn zum „sicheren Klassenerhalt“, was Dardai nicht stehen lassen wollte. „Wenn wir das vielleicht nächste Woche mit einem Sieg geschafft haben, setzen wir uns neue Ziele - wir müssen besser Fußball spielen.“

Paderborn wollte nicht, Hertha konnte nicht

Es hatte sich ein hektisches Spiel entwickelt, das mit zunehmender Zeit zwar ruhiger, aber nicht wirklich besser wurde. Beide Mannschaften, sowohl der Aufsteiger aus Paderborn als auch die zauderhaften Berliner, sind alles andere als spielstarke Mannschaften. Mit Ballbesitz können beide nicht viel anfangen, was genau dann zu einer gewissen Verarmung an Höhepunkten führt, wenn beide Mannschaften aufeinandertreffen.

So dauerte es eine gute halbe Stunde, ehe Hertha zu einer ersten Torchance kam. Nach einer Flanke von Linksverteidiger Marvin Plattenhardt fiel der Ball Rechtsverteidiger Peter Pekarik auf dem Kopf – und von da tropfte er weit neben dem gegnerischen Tor ins Aus. Fünf Minuten später probierte es Valentin Stocker, Herthas Bester, mit einem Distanzschuss aus der Drehung, der über das Ziel hinausging.

Es sollte lange ein anspruchsloses Fußballspiel bleiben, das sich den 44 031 Zuschauern bot. Paderborn wollte nicht, Hertha konnte lange Zeit nicht. Die Berliner gewannen mehr Zweikämpfe, sie waren feldüberlegen, aber das nur im Niemandsland. Herthas Spielaufbau blieb bruchstückhaft, zu oft wurde das Stilmittel des langen und weit nach vorn geschlagenen Balles benutzt. Nur wenn der Ball irgendwo im Mittelfeld mal erobert und schnell umgeschaltet werden konnte, war ein wenig Zug zum Tor dabei. Ansonsten war das Spiel lange Zeit vergleichbar mit einem Ostereiersuchen ohne Eier.

Schulz' Kontertor beschließt das Spiel

Auch in der zweiten Halbzeit spielte Hertha lange Zeit mutlos in die Breite oder hintenherum, dem Spiel der Berliner fehlte es an Tiefe und Tempo. Und so musste es am Ende ein ruhender Ball sein, der 20 Minuten vor dem Schluss plötzlich Schwung in die lasche Begegnung brachte. Nach einem Foul an Salomon Kalou lenkte der Paderborner Torwart Lukas Kruse den Freistoß von Plattenhardt an die Latte. Den Abpraller drückte Stocker ins Tor. Es war das erste Tor für den beweglichen Schweizer, dem bisher neun Torvorlagen gelungen waren.

Der Rückstand reizte den abstiegsgefährdeten Vorletzten aus Paderborn. Fast im Gegenzug wäre ihm der Ausgleich gelungen, doch dem finalen Torschuss von Mario Vrancic war das Gesicht von Herthas Torwart Thomas Kraft im Wege. Kraft schüttelte sich einmal kurz und lächelte.

Paderborn drängte konfus auf den Ausgleich, sodass sich den Berlinern zahlreiche Konterchancen eröffneten. Gleich zweimal scheiterte Kalou, dann noch einmal Genki Haraguchi, der völlig allein auf Paderborns Torwart zulief. Schließlich war es zwei Minuten vor dem Abpfiff der für Roy Beerens eingewechselte Nico Schulz, der eine Flanke von Pekarik mit vollem Risiko volley nahm und das befreiende 2:0 erzielte. Die Hertha-Fans in der Ostkurve quittierten weniger das Spiel als vielmehr das Ergebnis feierlich. Unter normalen Umständen sollte ihr Verein mit einem weiteren Sieg endgültig alle Abstiegssorgen abschütteln können. Vielleicht schon kommenden Freitag bei Hannover 96.


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