Hertha BSC : Skibbe macht beim Amtsantritt einen unaufgeregten Eindruck

Eine neue Ära, mal wieder: Der Hertha-Trainer gibt für die Fotografen bei seiner ersten Trainingseinheit aber als Motiv nicht viel her.

Erst mal einen Überblick verschaffen. Michael Skibbe hat seinen Dienst bei Hertha angetreten. Die nächsten Tage will er nutzen, um sich ein Bild von seinem Team zu machen. Foto: dpa
Erst mal einen Überblick verschaffen. Michael Skibbe hat seinen Dienst bei Hertha angetreten. Die nächsten Tage will er nutzen, um...Foto: dpa

Die Fotografen haben es wirklich nicht leicht mit Michael Skibbe. Der neue Trainer von Hertha BSC gibt an diesem Vormittag nicht viel her. Meistens steht er regungslos am Rand, die Hände in den Taschen seiner Trainingsjacke verbuddelt. Gelegentlich schaut er auf die Uhr, und noch gelegentlicher pfeift er in die Trillerpfeife, die bei Skibbe offensichtlich zur ordnungsgemäßen Trainerausstattung gehört. Damit erschöpfen sich die Fotomotive aber auch schon fast. Überhaupt macht der Neue einen in jeder Hinsicht sehr unaufgeregten Eindruck. „Es war eigentlich normal“, sagt Skibbe über seine Rückkehr in die Fußball-Bundesliga, knapp neuneinhalb Monate nach seiner Entlassung bei Eintracht Frankfurt. „Ich kann doch nicht sagen: ,Ich bin ganz aufgeregt.‘ Das wäre ja Blödsinn.“

Es ist Viertel nach zehn an diesem Januarmorgen, als bei Hertha BSC mal wieder eine neue Ära beginnt: Michael Skibbe ist inklusive Interimscoach Karsten Heine der fünfte Trainer, der den Berliner Bundesligisten innerhalb von nur zweieinhalb Jahren betreut. Das Interesse hält sich entsprechend in Grenzen. Es sind zwar jede Menge Journalisten und Fotografen gekommen, aber nur knapp hundert Fans. Die Sonne scheint, dazu weht ein schneidiger Wind über den Schenckendorffplatz, und irgendwie passt das ganz gut zum allgemeinen Klima bei Hertha: Eigentlich sieht es mit Tabellenplatz elf in der Liga und dem Einzug ins Viertelfinale des Pokals für einen Aufsteiger ganz gut aus, trotzdem hat die Liaison mit Trainer Markus Babbel kurz vor Weihnachten ein ziemlich eisiges Ende gefunden. Skibbe hat in seiner Neujahrsansprache in der Kabine noch einmal darauf hingewiesen, dass das Team als Ganzes gute Arbeit geleistet habe und er nichts groß verändern werde. „Die Mannschaft hat gut gespielt und für einen Aufsteiger eine ganz hervorragende Leistung abgeliefert“, sagt der neue Trainer später vor der Presse.

Eine Personalie wurde kurz vor dem Trainingsstart im Sinne des neuen Trainers geklärt. Skibbe wird auch künftig mit seinem bisherigen Assistenten Edwin Boekamp zusammenarbeiten. Manager Michael Preetz einigte sich am Morgen mit ihm auf einen Vertrag bis 2014. Der 52-Jährige kennt Skibbe schon aus der gemeinsamen Zeit in der Jugendabteilung von Borussia Dortmund; bei Galatasaray Istanbul, Eintracht Frankfurt und Eskisehirspor hat er ihm als Kotrainer assistiert. Boekamp ersetzt Rainer Widmayer, der das Angebot zu einer weiteren Zusammenarbeit ausgeschlagen hat.

Anders als sein Vorgänger Markus Babbel versteht sich der 46 Jahre alte Skibbe nicht nur als stiller Beobachter, der seinem Kotrainer die eigentliche Trainingsarbeit überlässt. Hier stellt der Chef die Hütchen noch selber auf. Anderthalb Stunden dauert seine erste Einheit auf Berliner Boden, am Nachmittag bittet Skibbe die Mannschaft gleich ein zweites Mal auf den Trainingsplatz. Genauso wird es heute sein. „Der erste Eindruck war positiv“, sagt Skibbe am Mittag. „Die Spieler haben sich richtig reingehängt, sie waren bemüht, sich zu zeigen, sich zu profilieren.“ Alles andere wäre auch eine große Überraschung gewesen.

Am Samstag reist die Mannschaft für eine Woche ins Trainingslager in die Türkei. Bis dahin geht es dem neuen Trainer vor allem darum, die Mannschaft besser kennenzulernen, im Training ihre technischen und taktischen Fähigkeiten genauer zu ergründen. „Deswegen werden wir, neben einigen Laufeinheiten, ganz viele kleine Umschaltspiele machen, bei denen schnelles technisches und taktisches Verhalten gefragt ist“, sagt Skibbe.

Bis auf den verletzten Maik Franz steht ihm der komplette Kader zur Verfügung, drei Torhüter, insgesamt 24 Feldspieler und mit dem 18 Jahre alten Jerome Kiesewetter aus Herthas Regionalliga-Team sogar ein neues Gesicht. „Er hat in der U 23 in der Hinrunde sehr nachhaltig auf sich aufmerksam gemacht“, sagt Manager Preetz über den flinken Offensivspieler. Zur Belohnung darf der Deutsch-Amerikaner mit der Mannschaft ins Trainingslager nach Belek reisen, und so lange wird Kiesewetter auch Herthas einziger Neuer bleiben. Skibbe kündigte an, „sich erst einmal nicht auf dem Transfermarkt umzuschauen: Ich will mir zunächst ein Bild verschaffen. Wenn es nötig ist, können wir immer noch nachlegen.“

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