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Herthas Gegner am Montag : Die Kiezwächter von St. Pauli

18.11.2012 12:38 Uhrvon
Mit Weitblick. Fans des Hamburger Zweitligisten FC St. Pauli interessieren sich nicht ausschließlich für das bloße Ergebnis, sondern für alle Belange ihres Klubs.Bild vergrößern
Mit Weitblick. Fans des Hamburger Zweitligisten FC St. Pauli interessieren sich nicht ausschließlich für das bloße Ergebnis, sondern für alle Belange ihres Klubs. - Foto: dpa

Eine Polizeiwache mitten im Stadion? Für die Fans des FC St. Pauli geht es mal wieder um Grundsätzliches. Fußball ist bei Herthas Gegner am Montag eben nicht alles – obwohl es sportlich wieder besser läuft.

Der bisher wichtigste Sieg der Saison wurde am 26. September bejubelt. Zumindest aus Sicht der Fans. Da verkündete Präsident Stefan Orth, dass die umstrittene Stadionwache nicht in der neuen Gegengeraden gebaut werde. Die Internetforen der St.-Pauli-Anhänger quollen danach über vor Begeisterung. Das Thema Stadionwache hat die Fans nämlich mehr beschäftigt als alle anderen Themen dieser Saison – für sie ging es mal wieder ums Grundsätzliche: als der ehemalige St.-Pauli-Präsident Corny Littmann dem Hamburger Senat 2005 die Genehmigung und die finanzielle Beteiligung am Stadionneubau abrang, versprach er als Gegenleistung, dass die Polizei ihre Stadionwache in der noch zu errichtenden Gegengeraden würde beziehen dürfen.

Dort sollten – wie von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorgeschrieben – „Verwahr- und Festnahmeräume für bis zu 20 Personen“ entstehen. Die Polizei freute sich, denn die aktuelle Stadionwache, die sogenannte Domwache, ist alt und baufällig. Doch die Anhänger des Hamburger Zweitligisten wollen auf den 600 Quadratmetern in der Tribüne ihre eigenen Räume haben; das Fanprojekt soll dort eine neue Heimat finden, ein Museum ist geplant. Unvorstellbar, Tür an Tür mit der Polizei zu wohnen.

So wird es nun auch nicht kommen. Die Fans haben den Kampf gegen das Präsidium gewonnen. Orth gab Ende September klein bei – ironischerweise am Rande einer Pressekonferenz, die sich mit der Entlassung André Schuberts beschäftigte. Der Trainer wurde nach einem 0:1 gegen Aalen gefeuert. St. Pauli rutschte damals Richtung Tabellenende. Die Fans schienen sich für die aktuelle Misere aber kaum zu interessieren; sie freuten sich über den Triumph in Sachen Stadionwache – diese wird nun etwas weiter entfernt vom Stadion gebaut; der FC muss sich daran finanziell beteiligen, was dem Klub einige Probleme bereitet.

Sportlich lag einiges in Trümmern beim Bundesliga-Absteiger von 2011. Aber die Fans hatten ihren Prestigesieg. Manchmal ist der Fußball in ihren Augen eben zweitrangig.

Präsident Orth dürfte sich durch sein Einknicken eine entspannte Mitgliederversammlung am 26. November gesichert haben. Orth wird dann auch davon profitieren, dass der von ihm ausgesuchte Sportchef seine erste große Prüfung bestand: Rachid Azzouzi kam mit dem wenig schmeichelhaften Etikett aus Fürth, mit dem fränkischen Fußballwunder relativ wenig zu tun gehabt zu haben. In Hamburg suchte er sein Profil und ersetzte bald den viel kritisierten Schubert durch den erfahrenen Michael Frontzeck. Sportchef und Trainer wirken nun wie ein Team. Durch Frontzecks Verpflichtung hat Azzouzi Bonuspunkte gesammelt.

Frontzeck, 48 Jahre alt, holte in seinen vier Spielen als Cheftrainer acht Punkte; St. Pauli kletterte auf Rang elf und ist am morgigen Montagabend zu Gast in Berlin (20.15 Uhr, live im Ticker bei Tagesspiegel.de). Doch Frontzecks Aufgabe ist alles andere als einfach – in seinem Team stehen noch viele in die Jahre gekommene Profis der Abstiegsmannschaft; Boll, Bruns, Thorandt, Ebbers, Bartels und der ehemalige Dortmunder Florian Kringe bilden den Kern. Dazu kommen talentierte Spieler wie Torwart Tschauner, Buchtmann und Ginczek. Insgesamt eine krude Mischung. Frontzeck stellte keine großen Forderungen, als er kam – was auch daran lag, dass er nach seiner Entlassung in Gladbach 18 Monate arbeitslos war. Er sagt: „Wir müssen uns bis zum Winter unten herausarbeiten. Dann können wir weiter sehen.“

Eigentlich ist das zu wenig für den Klub vom Kiez. Gern würde man dauerhaft zu den Aufstiegskandidaten zählen. Doch dafür war die Fluktuation auf Führungsebene zu groß. Warum Präsident Orth den kompetenten Sportchef Helmut Schulte im Mai entließ und Schuberts Frist verlängerte, bleibt ein Rätsel. Schulte schätzten nämlich sogar die Fans. Und das soll beim FC St. Pauli etwas heißen.

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