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Interview : Lewan Kobiaschwili: "Ich habe die Spiele runtergezählt"

29.12.2012 17:12 Uhrvon und
Lewan Kobiaschwili, 35, spielte in der Bundesliga für Freiburg und Schalke. Ende 2009 wechselte der Georgier zu Hertha BSC und stieg am Saisonende ab. Auf den direkten Wiederaufstieg folgte der erneute Abstieg nach dem Skandalspiel in Düsseldorf. Foto: ImagoBild vergrößern
Lewan Kobiaschwili, 35, spielte in der Bundesliga für Freiburg und Schalke. Ende 2009 wechselte der Georgier zu Hertha BSC und stieg am Saisonende ab. Auf den direkten... - Foto: Imago

Am 31. Dezember endet die siebenmonatige Sperre von Lewan Kobiaschwili. Der Hertha-Spieler spricht im Tagesspiegel-Interview über die schlimmste Zeit seiner Karriere.

Herr Kobiaschwili, haben Sie zu Silvester eine große Party geplant?

Das nicht, aber ich freue mich auf Silvester. Ich freue mich jedes Jahr darauf, weil das immer ein schöner Tag ist. Aber diesmal ist die Freude noch ein bisschen größer. Es ist gut, dass 2012 endlich vorbei ist. Das war nicht mein Jahr – und auch nicht das von Hertha BSC.

Am 31. Dezember endet Ihre fast siebenmonatige Sperre. Haben Sie schon ein Maßband, von dem Sie jeden Tag einen Zentimeter abschneiden?

Nein, ich habe auch keine Kreuze gemacht oder im Kalender die Tage abgestrichen.

Ich habe nur die Spiele runtergezählt, die ich verpasse. Jetzt sind wir endlich bei null.

Sie haben ein halbes Jahr nur trainiert. Können Sie realistisch einschätzen, wie gut Sie im Moment sind?

Das ist schwierig. Bei den ersten Freundschaftsspielen in der Vorbereitung wird es bestimmt ein bisschen komisch sein. Zumindest vermute ich das. Aber genau weiß ich das nicht, weil ich noch nie so lange weg war. Sieben Monate ohne Fußball, das war die schlimmste Zeit meiner Karriere. Andererseits: Pierre-Michel Lasogga hat nach seinem Kreuzbandriss genauso lange gefehlt wie ich. Ich bin gesund, ich habe immer trainiert. Das heißt, zumindest bin ich fit.

In Ihrer Abwesenheit hat sich Fabian Holland auf Ihrer Position etabliert. Können Sie überhaupt noch den Anspruch auf einen Stammplatz erheben?

Generell kann man ja nicht sagen: Nur weil ein anderer Spieler auf meiner Position gut gespielt hat, habe ich keine Chance mehr. Aber ehrlich gesagt, mache ich mir darüber noch gar keine Gedanken. Ich weiß selbst, wie alt ich bin und dass meine Karriere dem Ende entgegengeht. Aber bei Jos Luhukay zählt nur: Welcher Spieler passt hier und heute am besten in die Mannschaft?

Können Sie der Mannschaft noch etwas geben?

Natürlich, und der Trainer weiß das auch. Es liegt allein an mir. Ich habe mit Sicherheit keine Bonuspunkte, weil ich 15 Jahre Bundesliga gespielt habe. Die will ich auch gar nicht haben. Ich habe noch von keinem Trainer Geschenke bekommen; wenn ich gespielt habe, dann weil ich das verdient hatte.

Haben Sie das Gefühl, dass sich Ihre Position innerhalb der Mannschaft verändert hat, weil Sie ein halbes Jahr außen vor waren?

Ich habe ganz bewusst versucht, meiner Rolle weiterhin gerecht zu werden. Ich habe immer meine Meinung gesagt. Und ich habe im Training gezeigt, dass ich zur Mannschaft gehöre. Ich war immer vorne dabei, weil mir klar war, dass ich es mir nicht erlauben kann, hinterherzulaufen. Wichtig war auch, dass der Trainer mir nie das Gefühl gegeben hat, ein Spieler zweiter Klasse zu sein – obwohl es für ihn nicht immer leicht war. Es gab Situationen, da hatten wir 21 Feldspieler auf dem Platz, der Trainer wollte aber zehn gegen zehn spielen. Jos Luhukay hat mich nie vom Feld geschickt, lieber hat er mit einem Mann mehr gespielt.

Wie frustrierend war die Zeit für Sie?

Nach außen hin habe ich versucht, stark zu sein. Innerlich sah es manchmal anders aus. Ich liebe den Fußball, das ist mein Leben. Es hat einfach etwas gefehlt. Es gab auch Tage, da wollte ich nicht zum Training fahren, weil ich mich gefragt habe: Wozu eigentlich? Aber wenn wir aufsteigen und ich noch mal in der Bundesliga spielen darf, bin ich glücklich. Auch wenn es nur ein einziges Spiel sein sollte, hat es sich schon gelohnt.

War es besonders schlimm, wenn die Mannschaft ins Trainingslager gefahren ist und Sie zu Hause bleiben mussten?

Im Grunde war das einzig Positive: Ich habe noch nie so viel Zeit mit meiner Familie verbracht, vor allem nicht am Wochenende. Meine Frau und meine beiden Kinder waren jedenfalls sehr glücklich. Wir haben alles Mögliche unternommen, haben Ausflüge gemacht, sind ins Tropical Island gefahren. Inzwischen kenne ich das ganze Berliner Umland. Und ich habe meinen Bootsführerschein gemacht. Das wollte ich immer schon. Ich liebe das Wasser, und jetzt hatte ich endlich die Zeit dazu. Das ist nichts Weltbewegendes, aber ich habe etwas Neues gelernt. Navigation zum Beispiel hat mich sehr interessiert.

Wie haben Sie Herthas Spiele erlebt?

Das war nicht leicht. Ich habe im Olympiastadion immer etwas seitlich vom Spielertunnel auf der Tartanbahn gestanden. Ich würde nicht sagen, dass ich mit anderen Gefühlen zugeschaut habe. Aber ich habe zum ersten Mal richtig gemerkt, was Hertha den Fans bedeutet, wie sehr sie mit uns leiden. Vorher wusste ich das gar nicht, weil ich immer auf dem Platz stand. Manchmal war das schon anstrengend, vor allem wenn es nicht gut gelaufen ist.

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