Hertha-Fan zieht in die Ferne : Pay-TV anstatt Stadion

Unser Schülerpraktikant zieht nach Singapur - seine Leidenschaft Hertha BSC lässt er zurück. Ausgerechnet in einer guten Saison. Wie geht er als Fan damit um?

Lionel Vowinckel
Das wird unser Autor vermissen. Herthas Spieler feiern mit den Fans in der Ostkurve.
Das wird unser Autor vermissen. Herthas Spieler feiern mit den Fans in der Ostkurve.Foto: dpa/Gambarini

In ein paar Tagen geht es für mich und meine Familie los, wir werden in ein neues Leben in Singapur starten. Ich freue mich auf das Abenteuer und die Erfahrung, gleichzeitig bin ich auch etwas traurig. Denn eine große Leidenschaft von mir kann nicht mit umziehen nach Asien: Hertha BSC.

Obwohl Singapur auf der anderen Seite der Welt liegt und zwischen sechs und sieben Stunden Zeitverschiebung hat (je nach Winter- oder Sommerzeit), werde ich versuchen, die Bundesliga und vor allem Hertha BSC weiterhin zu verfolgen. Wie ich das mache? Wir wollen einen asiatischen Pay-TV Sender abonnieren, der viele Bundesligaspiele überträgt, da zum Glück auch die Bundesliga in Asien immer beliebter wird. Abendspiele müsste ich dann mitten in der Nacht gucken, die Spiele am Nachmittag sind zwar von der Zeit her schon spät, aber für einen Fan kein Problem.

Es wird natürlich nicht einfach sein, auf dem Laufenden zu bleiben. Die Spiele im Fernsehen zu gucken, wird nicht so cool sein, wie ins Stadion zu gehen. Trotzdem ist es deutlich besser, als gar nichts mitzubekommen. Leider konnte ich in dieser Saison bisher nur dreimal ins Stadion gehen, weil meine Spiele oft zeitgleich mit denen in der Bundesliga lagen. Ich spiele nämlich selbst bei den C-Junioren beim Friedenauer TSC.

Ich hatte vergangene Saison eine Dauerkarte bei Hertha. Die Stimmung in der Ostkurve ist immer super, und in der letzten Zeit durfte man auch ziemlich oft jubeln. Trotz eines schlechten Saisonstarts mit dem Aus in der Qualifikation in der Europa-League und dem knappen Sieg im DFB-Pokal hat Hertha die Leistung der Hinrunde der letzten Saison bestätigt und sich weiterentwickelt. Der Start ins neue Jahr war mit der unglücklichen Niederlage in Leverkusen nicht besonders gut, trotzdem hoffe ich, dass Hertha diese Rückrunde nicht so einbrechen wird wie im letzten Jahr, als den Spielern zum Schluss die Kraft ausging. Doch das Team wird darauf vorbereitet sein und hat laut Trainer Pal Dardai „viel gelernt und ist reifer geworden“. Das hat er gesagt am Freitag, als ich mal mit zu einer Pressekonferenz von Hertha gehen konnte.

Hoffentlich kommen aus dem 1999er Jahrgang einige gute Spieler bis ganz nach oben

Natürlich war es sehr schade, als Hertha vor der Saison gegen Bröndby verloren hat und damit die Euro League verpasst hat. Im Nachhinein ist das aber aus meiner Sicht gar nicht so schlimm, da es mit der dreifachen Belastung sehr schwierig geworden wäre, so gut in der Liga zu spielen. Dieses Jahr wird Hertha - hoffe ich - einen Internationalen Startplatz erreichen. Dann wäre die Mannschaft darauf besser vorbereitet und der Kader wäre breiter.

In der Hinrunde war die Heimstatistik überragend, mit sieben Siegen aus acht Spielen war Hertha auf dem zweiten Platz hinter den Bayern, die aber auch ein Spiel mehr haben. Die Winterpause kam zu einem sehr guten Zeitpunkt, da der Alten Dame die Luft ausging und die Niederlagen gegen Bremen und Leipzig bitter und vielleicht auch ein bisschen unnötig waren. Jetzt sollten die Akkus der Spieler aber wieder aufgeladen und ein guter Start möglich sein. In den letzten beiden Jahren hat sich die Mannschaft unter Pal Dardai von einem abstiegsgefährdeten Team zu einem Spitzenteam entwickelt.

Wieso in aller Welt hat Hertha ein pinkfarbenes Trikot?

Der gesamte Vorstand hat in den letzten Jahren sehr gute Leistungen vollbracht. Die Jugendarbeit ist deutschlandweit eine der Besten, und hoffentlich kommen aus dem 1999er Jahrgang einige gute Spieler bis ganz nach oben. Herthas Spielstil mag für einige Experten zwar nicht sehr ansehnlich sein, mir gefällt aber diese Dominanz, die es in fast jedem Spiel gibt. Außerdem hat Dardai in seinen jetzt knapp zwei Jahren Amtszeit viele Spieler auf ein ganz neues Niveau gehoben, das zeigt auch, dass Hertha viele Nationalspieler. Auch die Transfers haben sich deutlich verbessert und sehr gute junge Spieler wie Weiser und Stark wurden verpflichtet, obwohl dem Klub deutlich weniger Geld zur Verfügung steht als beispielsweise dem Hamburger SV. Es kommt aber halt darauf an, was man mit dem Geld anstellt.

Eine Sache habe ich aber auszusetzen. Wieso in aller Welt hat Hertha ein pinkfarbenes Trikot??? Die Farben sind blau-weiß und wenn man ein Ausweichtrikot braucht, dann kann man das in rot oder orange gestalten, aber doch nicht aus Marketing-Gründen in pink. Kein Wunder also, dass es selbst beim Spiel „Fifa 17“ kein drittes Trikot für Hertha gibt.

 

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