Hertha-Präsidiumsmitglied kauft Gründungsboot : „Das Schiff wird kommen“

Seit Jahren träumen die Fans von Hertha BSC davon, dass Gründungsboot zurückzukaufen. Präsidiumsmitglied Ingmar Pering verrät nun, dass er das Boot erworben hat.

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Altes, aber geliebtes Eisen. Bisher schippert die Hertha noch auf der Kyritzer Seenkette in der Prignitz. Nach dem Willen des Käufers soll sie aber bald in Berlin vor Anker gehen.
Altes, aber geliebtes Eisen. Bisher schippert die Hertha noch auf der Kyritzer Seenkette in der Prignitz. Nach dem Willen des...Foto: picture-alliance / ZB

Herr Pering, wie fühlt es sich an, den Dampfer erworben zu haben, auf dem Hertha BSC vor fast 125 Jahren gegründet wurde?

Ganz prächtig, jetzt, wo es so weit ist. Mein Präsidiumskollege Christian Wolter und ich werden aber weder Besitzer noch Eigner des Schiffes sein. Wir haben eine Betreibergesellschaft gegründet, die eine wirksame Kaufvereinbarung zum 1. Januar 2017 besitzt.

Auf der Mitgliederversammlung schlug die Nachricht ein wie eine Bombe. Wie erklären Sie sich das?

Der Erwerb des Schiffes treibt viele Hertha-Mitglieder seit Jahren schon um. Viele warten seit 20 Jahren und länger, spätestens seit der Namens-Rückbenennung darauf, dieses Schiff nach Hause zu holen. Ich meine es war anlässlich der 100-Jahr-Feier von Hertha, als ich darauf aufmerksam wurde.

Es gab bereits mehrere Anläufe des Vereins, den Dampfer zu erwerben. So auch vor vier Jahren. Damals soll es am Verkaufspreis von 200 000 Euro gescheitert sein.

Ob es nur am Kaufpreis gescheitert ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Fakt ist, dass Hertha damals kein Geld für Tradition ausgeben konnte. Es waren auch sonst kaum liquide Mittel zur Verfügung.

Wann ist Ihnen die Idee gekommen, das Schiff selbst zu holen?

Kreative Ideen kommen mir immer unter der Dusche. Nein, es fehlte doch Bewegung und das nötige Engagement in dieser Angelegenheit. Vor einem Jahr sagten Wolter und ich uns dann, wir holen das Ding jetzt, damit etwas passiert.

Was ist bis jetzt passiert?

Wir haben seit Anfang des Jahres mit Thomas Flemming verhandelt, der das Schiff betreibt, darüber, welche Möglichkeiten es gibt, diesen Plan zu realisieren. Wir sind Flemming sehr dankbar für sein Entgegenkommen. Er ist nicht nur ein Fan des Schiffs, also des Metalls, sondern auch der Story ringsherum. Er findet die Idee prima, dass es im nächsten Jahr anlässlich des 125-jährigen Geburtstags Herthas dem Klub gehört.

Flemming ist sicherlich glühendes Vereinsmitglied?

Das weiß ich gar nicht. Ich sollte ihm sicherheitshalber einen Aufnahmeantrag beim nächsten Mal mitbringen (lacht).

Sind Sie mit dem Dampfer je gefahren?

Etliche Male sogar. Schauen Sie mal hier, das ist ein Foto von unserer letzten Fahrt mit verschiedenen Fanclubs. Sehen Sie den fröhlichen zufriedenen Blick der Mitfahrer? Nach wenigen Minuten entwickeln alle auf diesem Schiff ein „Wir-Gefühl“. Das ist es doch, was Tradition und geschichtliche Verbundenheit für alle so schön macht. Bis zu 120 Leute passen rauf, wobei ich mich immer in der Nähe des Rettungsrings aufgehalten habe, wenn es so voll war (lacht).

Inzwischen geistert eine Summe von 400 000 Euro umher, die das Projekt kosten soll. Sie werden es wissen.

Das ist natürlich nicht der Kaufpreis, über den Stillschweigen vereinbart worden ist. Das gesamte Projekt, also bis das Schiff in Berlin ist, könnte so viel kosten, jedenfalls stellen wir uns darauf ein. Wir werden ab den 1. Januar allein die laufenden Kosten des Schiffes zu tragen haben. Ein Knackpunkt ist die Technik, sie entspricht dem Stand von vor 100 Jahren. Und dann kommen noch die Transportkosten hinzu.

Wie bekommen Sie die olle Hertha von der Kyritzer Seenkette in der Prignitz heile nach Berlin?

Gute Frage. Wir müssen das Schiff aus dem jetzigen Gewässer heben. Das kann nur im Winter passieren, wenn die Umgebung und der Boden gefroren sind. Sonst versinken Kran und Truck. Dann gibt es zwei Wege. Entweder wir können das Schiff da zu Wasser lassen, von wo wir es nach Berlin schleppen können, oder wir müssen es auf der Straße transportieren.

Der Dampfer fährt doch?

Stimmt, und ich kann es nur jedem in diesem Sommer noch empfehlen, denn ich weiß nicht, ob wir die Genehmigung erhalten, es auf Berliner Gewässern zu betreiben. Die Hertha schippert derzeit in einem stehenden Gewässer. Für Bundeswasserstraßen fehlen die Technik und damit die Genehmigung. Wir versuchen aber alles, damit wir diese bekommen.

Sonst?

In jedem Falle werden die Mitglieder entscheiden, was mit dem Schiff passieren soll. Wir haben Investoren, die uns in der Anfangsphase unterstützen. Durch die Ausgabe von 1892 Aktien, die Hertha-Mitglieder erwerben können, werden wir das Objekt mittelfristig an Hertha übergeben. Daneben haben wir einen Förderverein gegründet, der sich Gedanken macht, wie das Schiff betrieben werden kann. Das Schiff könnte also auch vor der Geschäftsstelle oder vor dem Olympiastadion landen und als Vereinslokal dienen.

Was wäre denn Ihr Wunsch?

Ein komplette, historische Wiederherstellung des Schiffes, ein normaler Betrieb für Vereinsmitglieder und die vollständige Übergabe an Hertha BSC. Der Verein soll am Ende die Kontrolle haben. Ich würde dann schweren Herzens von dem Projekt lassen und im Förderverein engagiert bleiben.

Was hat eigentlich Ihre Frau gesagt, als sie ihr sagten, Sie hätten einen uralten Dampfer gekauft?

Du bist verrückt! Was soll Sie sonst schon gesagt haben? Bisher war sie ja nur an alte Autos gewöhnt. Aber noch einmal: Das Schiff wird kommen und mittelfristig an Hertha übergehen.

Das Gespräch führte Michael Rosentritt.

Ingmar Pering, 50, ist am vergangenen Montag wieder ins Präsidium von Hertha BSC gewählt worden, dem er seit 2007 angehört. Pering hat in Bonn studiert und arbeitet als Rechtsanwalt in Berlin.

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