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Herthas 2:1 gegen Freiburg : Und Dardai stürmt den Platz

Der eingewechselte Julian Schieber erlöst in der 95. Minute die Berliner Fans und schenkt ihnen und seiner Mannschaft einen umjubelten 2:1 (0:0)-Auftaktsieg in die neue Bundesligasaison.

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Aus dem Gewühl heraus erlöste der eingewechselte Julian Schieber mit seinem Tor die Berliner Fans.
Aus dem Gewühl heraus erlöste der eingewechselte Julian Schieber mit seinem Tor die Berliner Fans.Foto: AFP

Mit einem Mal stürmt Pal Dardai wie von einem Schlagbolzen beschleunigt mitten aufs Spielfeld. Der 40 Jahre alte Trainer weiß offenbar nicht wohin mit seinen Emotionen. Dann vollführt er wilde Luftsprünge um die eigene Achse, so sehr freut er sich. Es läuft bereits die fünfte Minute der Nachspielzeit, als es zu dieser emotionalen Entladung bei ihm kommt. Eben noch hat der Freiburger Kapitän Nicolas Höfler mit seinem Kopfball zum 1:1 ausgeglichen und Hertha aus allen Wolken gerissen. Und nun das.

Vermutlich will Dardai mit seinem Sturmlauf Julian Schieber erreichen, doch der liegt irgendwo an der Eckfahne unter einer Traube von jubelnden Spielern begraben. Schieber ist eben aus einem Gewühl heraus doch noch der Siegtreffer für Hertha über den SC Freiburg gelungen. Die Zuschauer auf den Rängen rasen.

Bereits eineinhalb Stunden zuvor waren die vielen entblößten männlichen Oberkörper in der Ostkurve ein sicheres Indiz für die äußeren Bedingungen. Es war heiß im Olympiastadion gestern Nachmittag, gefühlte 40 Grad im Schatten. Die Hitze war lähmend, das gebotene Fußballspiel war es lange eben auch. Erst in der Nachspielzeit kam so richtig Leben ins Spiel. Und wie.

Fünf Minuten vor dem regulären Spielende und mit einer scheinbar sicheren 1:0-Führung im Rücken hatte Pal Dardai seinen Kapitän Vedad Ibisevic vom Feld genommen und Schieber gebracht. Der so lange Zeit verletzte Stürmer sollte es dann sein, der schließlich die Berliner Fans unter den 41 648 Zuschauern erlöste und ihnen und seiner Mannschaft einen letztlich verdienten 2:1 (0:0)-Auftaktsieg in die neue Bundesligasaison schenkte. „Eigentlich war ich sauer nach dem 1:1, dass wir einen Sieg noch verschenken, aber dann sind wir nachgegangen und wurden belohnt“, sagte Dardai.

Freiburg überließ Hertha jede Menge Ballbesitz

Nach dem Weiterkommen im Pokal vor einer Woche und dem ersten Meisterschaftsdreier können die Berliner erst einmal beruhig in die anstehende Länderspielpause gehen. Vielleicht stärken die beiden Erfolge, vor allem ihr Zustandekommen, das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Das wäre aus Berliner Sicht wünschenswert, weil eben doch noch nicht viel wie gewollt und selbstverständlich aussah.

Es war schnell erkennbar, mit welcher Taktik der Sportclub bei seiner Bundesligarückkehr in Berlin überleben wollte. Aus einer defensiven Grundausrichtung und einem steten Wechsel von einer Dreier- zu einer Fünferabwehrkette heraus wollten die Breisgauer lediglich schnelle Gegenstöße fahren. Sie überließen den Berlinern jede Menge Ballbesitz, aber dafür eben keine Räume, sodass es dem Gastgeber lange nicht gelang, Gefahr und Druck auszuüben. Oder anders ausgedrückt: Der eine (Freiburg) wollte nicht, der andere (Hertha) konnte nicht.

Etwas überraschend hatte Pal Dardai sich für eine defensive Aufstellung entschieden, in der Stürmer Salomon Kalou und Valentin Stocker fehlten. Für sie waren Mitchell Weiser und Fabian Lustenberger in die Startelf gerutscht. Auch die Berliner wollten unter keinen Umständen in Rückstand geraten, in der Offensive blieben sie lange Zeit harm- und ideenlos.

Und so fügte sich die erste vom Schiedsrichter angeordnete kollektive Trinkpause ganz hervorragend in die Ereignislosigkeit der ersten Halbzeit, die in etwa so viel spielerischen Glanz versprühte wie das Zuführen von Flüssigkeit im Stehen am Seitenaus.

Doch Herthas Bemühungen gewannen im zweiten Abschnitt deutlich an Intensität. Erst scheiterten Vladimir Darida und Genki Haraguchi jeweils noch mit ihren Schüssen, dann landete eine missglückte Kopfballabwehr von Freiburgs Kapitän Höfler auf der Torlatte.

Die Berliner spielten sich nun regelrecht fest in der Freiburger Hälfte und erhöhten den Druck. Nach gut einer Stunde fädelte Haraguchi mit einem guten vertikalen Anspiel auf Herthas vordersten Zielspieler Ibisevic die Führung ein. Der Kapitän ließ den Ball auf Darida zurückprallen, der seinerseits wunderbar gegen seinen ehemaligen Verein von der Strafraumgrenze abzog und Alexander Schwolow im Tor keine Abwehrchance ließ.

Die Berliner dominierten nun das Spiel, in der Schlussphase gab dann auch noch Alexander Esswein sein Hertha-Debüt. Den Mittelfeldspieler hatten die Berliner erst vor drei Tagen verpflichtet. Doch wichtiger war an diesem heißen Berliner Nachmittag die Einwechselung Julian Schiebers, der die halbnackten Fans in den Rängen der Ostkurve noch einmal so richtig zum Kochen brachte und seinen Trainer zum Platzsturm trieb.

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