Hockey : Kevin Lim: Leise, aber nachdrücklich

Gerade mal 23 Jahre ist Kevin Lim alt, aber als Trainer kennt er sich schon mit den ganz großen Erfolgen aus.

Berlin - Der Hockeyspieler vom Berliner HC hat nebenbei die B-Jugend seines Vereins trainiert und ist im vorigen Jahr mit einem Torverhältnis von 206:11 Deutscher Meister geworden. Für Jamilon Mülders ist auch das ein Zeichen, dass er die richtige Wahl getroffen hat. Wenn Mülders, der U-21-Coach des Deutschen Hockey- Bundes (DHB), an diesem Wochenende die A-Nationalmannschaft bei der Hallenhockey-Europameisterschaft in Almere (Holland) betreuen wird, soll Lim als Kapitän so etwas wie sein verlängerter Arm sein. „Kevin ist kein Lautsprecher“, sagt Mülders. „Er ist ein intelligenter Spieler, der eher den ruhenden Pol abgibt. Er hat eine hohe Sozialkompetenz, deshalb ist er für mich die Leitfigur im Team.“

Dabei profitiert Lim von einer neuen Strategie des DHB. Angesichts der hohen Wettkampfdichte in der Halle und auf dem Feld hat der Verband eine Art Belastungssplitting eingeführt. In der Halle sollen vor allem Talente und Perspektivspieler zum Einsatz kommen, um Erfahrungen sammeln und sich für den A-Kader auf dem Feld anbieten zu können. Auch Lim gehört zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft, die sich gerade auf die Feld-WM in Indien (28. Februar bis 13. März) vorbereitet – und  gestern in einem Test 4:3 gegen die Niederlande siegte. Mülders schätzt die technische Klasse, die Laufbereitschaft und den Ehrgeiz des Berliners, dessen malayischer Vater und österreichische Mutter seit Anfang der siebziger Jahre in Berlin leben. Dass Lim von den Mitspielern überhört werden könnte, befürchtet der Bundestrainer nicht. „Manchmal sind es gerade die leisen Töne, die Nachdruck haben“, sagt Mülders, der mit Pilt Arnold, Niklas Cartsburg und Jonas Swiatek drei weitere Berliner für seinen Kader nominiert hat. Mindestens ins Halbfinale wollen die Deutschen bei der EM, bei der sie in ihrer Gruppe auf Tschechien, Österreich (beide heute) und Holland (Samstag) treffen.

Es ist nicht mehr so wie früher, dass das Team den Titel quasi schon vor der Veranstaltung sicher hat. Die anderen Nationen haben erheblich aufgeholt. Bei der EM vor zwei Jahren verlor das DHB-Team im Finale 2:3 gegen die Russen, es war die erste Pflichtspielniederlage in der Halle überhaupt. „Der Titel ist nicht Pflicht“, sagt Lim, „aber es wäre doch fatal, wenn wir ihn nicht mitnehmen, wenn sich die Chance dazu bietet. Würde ich das nicht mit heißem Herzen unterstützen, wäre ich wohl der falsche Kapitän.“ 

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