Homosexualität in der Bundesliga : Warum sich kein Fußballprofi outet

Noch hat sich kein Fußballspieler aus der Bundesliga als schwul geoutet. Nicht nur Nähe und Körperlichkeit im Sport erschweren diesen Schritt.

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Zahl der Qual. Über die Anzahl der homosexuellen Profis in der Bundesliga gibt es nur Spekulationen.
Zahl der Qual. Über die Anzahl der homosexuellen Profis in der Bundesliga gibt es nur Spekulationen.Foto: dpa, Montage: Olga Hoffmann

Günther Jauch wippt mit den Schultern, dann holt er tief Luft. „Bei mir heute Abend in der Sendung zu Gast Herr Ypsilon, der erste Fußballer aus der Bundesliga, der sich offen zu seiner Homosexualität bekennt.“ Donnernder Applaus. Ypsilon lächelt. Jauch fragt: „Herr Ypsilon, erzählen Sie doch mal, wie war das...“ Und Ypsilon erzählt, wie das war mit seinem Outing, beim Trainer, den Mitspielern, beim ersten Spiel danach, beim Duschen. Und erklärt sein Schwulsein als Fußballer auch bei Maischberger, Beckmann, Plasberg, und, und, und. Ypsilon redet für den Rest seines Lebens vor allem über ein Thema. Er wird nicht der Spieler sein können, an den sich alle wegen eines schönen Tores erinnern. Er wird für immer der erste prominente schwule Fußballer bleiben.

Es gibt Ypsilon noch nicht. Obwohl ihn viele kennenlernen wollen. Weil der Mensch neugierig ist. Weil Ypsilons in der Bundesliga spielen. Wie viele, weiß kein Mensch. Es gibt wenige Sportler und noch weniger Fußballer, die sich geoutet haben. Zuletzt ging der US-Nationalspieler Robbie Rogers an die Öffentlichkeit. Via Twitter und nachdem er seine Karriere beendet hatte. Doch warum hat sich bis jetzt kein Bundesligaprofi geoutet? Warum scheint die Hürde dafür im Fußball höher als in anderen Bereichen des Lebens, etwa der Politik?

Politiker oder Schauspieler müssen nach ihrer Arbeit nicht gemeinsam duschen. Die Nähe im Profisport ist groß, auch gemessen an der Zeit, die man gemeinsam verbringt. Beim täglichen Training. Auf Reisen, in Hotelzimmern. Beim Sport geht es um Körperlichkeit. Ein Jogger oder eine Joggerin wird abschätzender betrachtet als eine Spaziergängerin. Und sobald sexuelle Orientierung nicht dem gängigen Muster entspricht, sobald ein Mann sagt, dass er mit seinem Mann und nicht seiner Frau ins Kino geht, kann das irritieren, glaubt Marcus Urban. „Für manchen Heterosexuellen ist Homosexualität sicher noch so nichtalltäglich, dass er zunächst erstmal nur das Thema Sex im Kopf hat, anstatt zu fragen was denn im Kino läuft.“

Urban ist einer der wenigen Fußballer, die sich zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Bis Anfang der Neunziger stand er bei Zweitligist Rot-Weiß Erfurt unter Vertrag. Dann hat er seine Karriere beendet, weil er den Druck des Versteckens nicht mehr aushielt. 2007 hat sich der inzwischen 41-jährige Thüringer geoutet. Er sagt: „Ich bin stolz darauf, wie ich das hingekriegt habe.“ Nun hofft Urban, dass auch andere das hinkriegen. Als Mitglied der Arbeitsgruppe „Outing“ beim Deutschen Fußball-Bund arbeitet er zurzeit an einem Leitfaden, der schwulen Fußballern das Outing erleichtern soll.

Das Umfeld des Spielers, Familie, Mitspieler, Trainer und Journalisten wüssten oft jetzt schon Bescheid. Das hat zum Beispiel der Fernsehreporter Rolf Töpperwien in einer Talkshow bei Markus Lanz behauptet, ohne Namen zu nennen. Marcus Urban sagt, die Wissenden im Umfeld eines schwulen Profis seien wie „Co-Abhängige“, weil sie beim Versteckspiel mitmachten. Warum da bisher nichts an die Öffentlichkeit drang? „Derjenige, der einen schwulen Spieler öffentlich machen würde, wäre für immer in der Branche verbrannt“, glaubt Urban. Das gelte auch für Journalisten. Ein Outing müsse gut vorbereitet sein, sagt der ehemalige Fußballer. Der walisische Rugbyprofi Gareth Thomas bekannte sich 2009 erst zu seiner Homosexualität, nachdem er seine Frau, Mitspieler und Trainer unterrichtet hatte.

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