Sport : Hoppegarten: Vom Kaiser bis zum Themenpark

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Die Geschichte Hoppegartens beginnt mit der Suche nach einem Ausweichgelände für die zu klein gewordene Pferderennbahn am Tempelhofer Exerzierplatz. Das Gelände sollte vor den Toren Berlins liegen. Deshalb pachtete der aus dem Union-Gestüt hervorgegangene Union-Klub am 15. Dezember 1867 das so genannte Vorwerk Hoppegarten von Heinrich von Treskow und kaufte es ihm 1874 für 296 000 Taler ab. Baumeister Carl Bohm gestaltete die Rennbahn nach dem Vorbild der Pariser Bahn Longchamp. Ziel sind Pferderennen nach britischem Vorbild. Am 17. Mai 1868 wird die Galopprennbahn Hoppegarten offiziell von Preußenkönig Wilhelm I. und Kanzler Otto von Bismarck eröffnet. Dem Union-Klub - der seinen Namen von der weltweit ersten standardisierten Leistungsprüfung für dreijährige Pferde hat - gelingt 1871 erstmals der Zusammenschluss aller Rennvereine der deutschen Provinzen. Er wird damit zum Vorgänger des heutigen Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen, dem deutschen Dachverband.

In den Jahren bis zum ersten Weltkrieg wächst die Rennbahn auf fünf Bahnen mit 780 Hektar an, entwickelt sich zur wichtigsten deutschen Rennbahn sowie zum Zentrum des gesellschaftlich-politischen Lebens der deutschen Hauptstadt und zieht dadurch häufig bis zu 40 000 Zuschauer an. Zeitweilig stehen bis zu 1500 Pferde in den Ställen (heute rund 200).

Die Zeit der Volkseigenen Galopper

Der Zusammenbruch nach dem Zweiten Weltkrieg bringt auch das Ende des Renngeschehens in Hoppegarten. Noch im März 1945 wird der Union-Klub von der Sowjetischen Militäradministration enteignet und die verbliebenen Pferde werden nach Schleswig-Holstein ausgeritten. Am 14. Juli 1946 schaffen es Enthusiasten trotzdem, den ersten Renntag zu organisieren. 1947 wird im Zuge der Bodenreform das Land Brandenburg als Eigentümer ins Grundbuch eingetragen und 1952 nach Auflösung der Länder in den Volkseigenen Rennbetrieb Hoppegarten überführt. Die Galopper werden Volkseigentum. 1974 übernimmt die VEB Vollblutrennbahnen die Leitung aller ostdeutschen Bahnen. Trotz großen Interesses des Publikums führen Pferderennen ein exotisches Nischendasein. Die DDR-Regierungen bringen dem Galoppsport nur wenig Wohlwollen entgegen, was sich negativ auf seine Qualität auswirkt. 13 Millionen Mark Zuschuss ändern daran nicht viel.

Aufbruchstimmung nach der Wende

Schon wenige Tage nach dem Mauerfall entsteht in Hoppegarten eine euphorische Aufbruchstimmung. 40 000 Menschen strömen am 31. März 1990 zum ersten deutsch-deutschen Renntag und lassen Erinnerungen an längst vergessen Tage wieder aufleben. Die große Perspektive für das neue elitäre Vergnügungszentrum im Grünen der zukünftigen Bundeshauptstadt regt 1991 selbst den 1994 verstorbenen Zigaretten-Mogul Zino Davidoff an, ein Rennen zum Tag der Deutschen Einheit mit einer halben Million Mark zu sponsorn. Schnell können sogar drei europäische Gruppe-Rennen nach Hoppegarten gezogen werden (später waren es sogar vier).

Die Rückübertragung der Bahn

Im Juli 1990 wird der VEB Vollblutrennbahnen in die Galopprennbahn Hoppegarten GmbH umgewandelt und von der Treuhand verwaltet. Betrieben wird die Bahn vom neu gegründeten Rennverein Hoppegarten. Versuche des Brandenburger Regierungsbevollmächtigten, nach einem Beschluss der DDR-Volkskammer das Gelände nach dem Güterübertragungsgesetz dem Land Brandenburg zu übertragen, scheitern am alten DDR-Recht.

1991 stellt Brandenburg auf der Basis des Grundbucheintrags 1947 einen Restitutionsanspruch. Der wird aber am 10. Februar 1992 von der Treuhandanstalt abgelehnt. Einen Tag später überträgt die Treuhand das Gelände für 17,5 Millionen Mark an den Union-Klub, der seit 1945 seinen Sitz in Köln hat. Der Verkauf wurde wieder unwirksam, da Brandenburg gegen die Ablehnung durch die Treuhand eine einstweilige Verfügung anordnet. Am 30. November 1993 wird die Klage vom Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) zurückgewiesen und vom Bundesverwaltungsgericht in Erstinstanz bestätigt.

Stillstand in Hoppegarten

Im Frühjahr 1994 begannen wegen der schwebenden Revision zwischen Union-Klub, Bundesfinanzministerium - in Form der Treuhandnachfolgeorganisation BVVG - und dem Land Brandenburg Verhandlungen über einen fünfjährigen Pachtvertrag, der Stall- und Rennbetrieb beinhaltet. Bis zum Oktober 1996 sollte der Union-Klub ein schlüssiges Unternehmenskonzept vorlegen, was aber nicht gelang. 1998 unternahmen BVVG und Union-Klub einen zweiten Anlauf und kamen zu einem 30-jährigen Pachtvertag mit anschließenden 99 Jahren Erbaurecht. Doch schon nach wenigen Monaten gab der Union-Klub den Stallbetrieb an die GmbH wegen finanzieller Überlastung zurück. Damit entfielen auch Zuschüsse in Höhe von mehreren Millionen Mark von der BVVG an den Union-Klub, um die es anhaltend Streit gibt.

Am 21. März hat die BVVG gemeinsam mit Brandenburg sowie einer Investorengruppe um Dirk Nishen die Absicht erklärt, das Gelände an den Investor zu verkaufen, der daraus einen Themenpark rund um das Pferd machen will. Der Union-Klub soll aber weiterhin die Renntage betreiben.

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