HSV kann AG werden : Vom Tanker zum Schnellboot

5000 von 7000 HSV-Mitgliedern stimmen dafür – der Profi-Fußball kann künftig beim Hamburger Bundesligisten als AG ausgegliedert werden.

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Hände hoch für den neuen HSV. Die Mitglieder haben abgestimmt.
Hände hoch für den neuen HSV. Die Mitglieder haben abgestimmt.Foto: dpa

Hamburg - Mit Schweißperlen auf der hohen Stirn, gezeichnet von den Anstrengungen eines langen Tages, aber mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck trat Ernst-Otto Rieckhoff am Sonntag um kurz nach 18 Uhr vor die Kameras. „Das ist eine seichte Revolution“, sagte der Initiator der Ausgliederungsinitiative „HSVplus“. „Wir haben jetzt die Chance, sportlich und wirtschaftlich Fahrt aufzunehmen. Für mich ist das der größte Erfolg in meiner 20-jährigen Geschichte in einem Ehrenamt.“ Soeben hatten 79,4 Prozent der Mitglieder des Hamburger SV, 5023 Stimmberechtigte, für Rieckhoffs Modell gestimmt und die notwendige einfache Mehrheit klar überschritten.

Damit sind eine Ausgliederung der Fußball-Profi-Abteilung aus dem HSV e.V. und eine Umwandlung in eine HSV Fußball AG möglich. Es können sich Investoren beteiligen, die Anteile in Höhe von 24,9 Prozent erwerben können. An den Vorstand um den Vorsitzenden Carl-Edgar Jarchow ergeht nun der Auftrag, bis zur nächsten Mitgliederversammlung noch in der ersten Jahreshälfte das Modell „HSVplus“ antragsreif auszuarbeiten. Dann müssten 75 Prozent der anwesenden Mitglieder einer außerordentlichen Versammlung zustimmen, um die Ausgliederung und Öffnung für Investoren satzungskonform umzusetzen. Intern wird davon ausgegangen, dass diese Mehrheit knapp erreicht werden könnte.

Die Wortbeiträge der „HSVplus“-Befürworter erhielten den größten Beifall an einem langen Tag; die ehemaligen Profis Thomas von Heesen, Ditmar Jacobs, Holger Hieronymus und Horst Hrubesch bekamen begeisterten Applaus. Sie stehen „HSVplus“ nah. Ob einer von ihnen einer möglichen neuen HSV-Führungscrew angehören wird, ist unklar. Rieckhoff hatte sich offen für den Verbleib der aktuellen Vorstandsmannschaft um Jarchow und Hilke ausgesprochen.

Obwohl es noch vier andere, zum Teil völlig konträre Modelle der Strukturveränderung gab, einte die 6955 Stimmberechtigten in den beiden größten Sälen des Hamburger Kongress-Zentrums der Wille, etwas beim HSV zu verändern. „Wir sind ein schwerer Tanker inmitten von Schnellbooten“, sagte der HSV-Marketing-Vorstand Joachim Hilke, „wir brauchen solide Finanzen, gute Rahmenbedingungen und Schnelligkeit im Handeln. Nichts davon haben wir aktuell.“ Der Tabellenvierzehnte der Bundesliga hat 100 Millionen Euro Schulden.

Doch auch die Ausgliederungskritiker hatten gute Argumente. „Die Versprechungen des Herrn Rieckhoff werden hier kindlich begeistert aufgenommen“, rief ein Mitglied der Versammlung zu, „wir wollen den HSV nicht zu einem Experimentierfeld machen.“ Der derzeitige Aufsichtsratschef, Manfred Ertel, sagte: „Es gibt kein Beispiel und kein Vorbild für die Erfolge eines Modells wie HSVplus.“ Ertel selbst stand dem Modell „HSV-Reform“ nah, das gegen eine Ausgliederung ist und Mitgliederrechte stärken will. Aber er sagte: „Das Ergebnis ist demokratisch zustande gekommen. Wir fügen uns dem. Ich werde keine Konsequenzen ziehen und Aufsichtsratsvorsitzender bleiben.“ In der Bundesliga sind nur die Fußballprofiabteilungen des FC Bayern und von Eintracht Frankfurt in eine Kapitalgesellschaft in Form einer AG ausgegliedert. Bei zehn Klubs bilden eine GmbH und Kommanditgesellschaft auf Aktien das Dach des Profibetriebs. Sechs Klubs sind noch als eingetragener Verein organisiert.

Rieckhoff beruhigte die Gegner einer Öffnung für Investoren: „Von Ausverkauf oder verschachern kann keine Rede sein.“ Zu dieser Zeit, um kurz vor 19 Uhr, hatten auch die letzten drei anwesenden Profis die Versammlung verlassen - René Adler, Dennis Diekmeier und Marcell Jansen. Adler hatte zuvor noch kundgetan, dass es schwer sei, die einzelnen Modelle zu durchschauen, aber: „An einer Ausgliederung der Profiabteilung führt kein Weg vorbei. Fast alle erfolgreichen Klubs haben das gemacht.“ Frank Heike

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