HSV-Talent Jonathan Tah : Voodoo ums Wunderkind

Um Jonathan Tah, den 17-jährigen Innenverteidiger des HSV, ist in dieser Woche ein bizarrer Streit entbrannt. Sein in Straßburg lebender Vater soll neidisch auf Tahs Berater sein und wirft diesem sogar Manipulation mittels "afrikanischer Magie" vor.

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Kaum ganz oben, schon im Mittelpunkt der Streitereien: HSV-Talent Jonathan Tah.
Kaum ganz oben, schon im Mittelpunkt der Streitereien: HSV-Talent Jonathan Tah.Foto: Imago

Abseits des Feldes wirkt Jonathan Tah genauso ruhig wie auf dem Rasen. Im HSV-Nachwuchsinternat in Norderstedt galt er den jungen Kollegen als Langweiler, weil er keine Lust auf Spritztouren, Mädchenbesuche oder Diskonächte hatte. Tah wollte lieber trainieren oder Fußball schauen. Mit dieser Fokussierung auf seinen Beruf war er ein echter Außenseiter unter den Hamburger Talenten.

In den vergangenen Monaten war allein der Innenverteidiger Tah, 17 Jahre alt, Sohn einer deutschen Mutter und eines ivorischen Vaters, ein Lichtblick in der Hamburger Düsternis. Doch es passt zum ewigen Krisenklub, dass nun um Tah ein bizarrer Streit entbrannt ist. Sein neuer Vertrag, den der HSV gerade um zwei Jahre bis 2018 verlängert hat, ist Anfang der Woche Hamburger Zeitungen zugespielt worden. Verdächtigt wird Tahs Vater Aquila, der getrennt von der Familie in Straßburg lebt, offenbar neidisch auf den Berater seines Sohnes ist und gern an dessen Reichtum partizipieren möchte – bei einem Wert Tahs, den man beim HSV in gewohnter Großspurigkeit auf 20 bis 30 Millionen Euro taxiert, ist das nur verständlich.

Sogar den Rückgriff auf Voodoo-Zauber warf Aquila Tah Akeem Adewunmi, dem Berater seines Sohnes vor: „Du hast die blonde Mutter mit afrikanischer Magie geblendet.“ Die „blonde Mutter“, Anja Tah, will mit dem peinlichen Gezerre um ihren wertvollen Sohn am liebsten nichts zu tun haben. Sie und Berater Adewunmi verweisen auf die Rechtsgültigkeit des Vertrages, den sie unterschrieben haben, weil Tah jr. minderjährig ist. Das ist verständlich, denn der neue Vertrag beschert dem Berater nicht nur sofort üppige Honorare und im Falle eines späteren Wechsels Tahs für eine festgeschriebene Ablöse von 25 Millionen Euro ein sattes Handgeld. Auch Tah, der am Dienstag 18 Jahre alt wird, steigt mit gestaffelten Einnahmen bis 2017 zum Gehaltsmillionär auf. Überraschend, dass sich Hamburg solch eine Einigung leisten kann: 120 000 Euro im Monat Grundgehalt und 8000 Euro pro Einsatz bekäme Tah ab Sommer 2017 überwiesen, sollte er dann noch für den HSV spielen.

Andererseits ist es ein richtiges Signal, auf Tah zu setzen. Ein Stammplatz für einen Teenager, der aus dem Nachwuchs kommt: Das ist in Hamburg fast zu schön, um wahr zu sein. Tah wird gefordert und gefördert, das gefällt ihm. Geplant war es genau so, nur nicht ganz so schnell: Seit fünf Jahren spielt er beim HSV, davor hießen Concordia und Altona 93 seine Stationen. Seitdem er 15 ist, wohnte er im Jugendinternat. In diesem Frühjahr steht das Abitur an. Gerade ist Tah in die erste eigene Wohnung nach Eimsbüttel gezogen und macht seinen Führerschein.

Wenn man Tah nach der Ruhe fragt, die er beim Fußball ausstrahlt, zuckt er mit den Schultern. „Ich bin so. Ich bin natürlich nervös vor einem Spiel, aber ich versuche ruhig zu bleiben.“ Zu all den großen Zahlen und peinlichen Begebenheiten, die nun in der Zeitung zu lesen waren, hat Jonathan Tah nur gesagt: „Ich lese das nicht.“

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