Sport : Hurra, wir spielen noch

Alba tut unter Druck viel fürs Selbstbewusstsein

Helen Ruwald

Berlin - Mit Bierglas und Zigarette standen Marco Baldi und Eric Schweitzer auf dem Balkon der Arena am Ostbahnhof und blickten in die tief stehende Sonne. Der Geschäftsführer von Alba Berlin und der Chef des Hauptsponsors Alba konnten dort nach dem Spannungsabfall ungestört plaudern – erleichtert wohl, dass sie kein Krisengespräch zu führen hatten über eine mögliche Trainerentlassung, auslaufende Verträge, zerstörte Hoffnungen. Sie dürfen weiterträumen.

„Wir leben noch“, hatte Baldi zuvor verkündet. Nach dem 87:76 nach Verlängerung im dritten Play-off-Viertelfinalspiel gegen die Skyliners Frankfurt haben die Berliner auf 1:2 verkürzt. Sie müssen auch am Mittwoch in Hessen siegen, um ein fünftes Spiel am Freitag in Berlin zu erzwingen. Der engagierte Auftritt vom Sonntag aber macht Mut. Dabei hatten die Gäste die Berliner zum Wahnsinn getrieben, als Aubrey Reese in letzter Sekunde der regulären Spielzeit im Straucheln mit einem Dreipunktewurf das 71:71 erzielt hatte. Wieder einmal hatte ein schwieriger Wurf der Frankfurter im letzten Moment gesessen, wie schon so häufig in dieser Serie. Nicht erst in diesem Moment packten Baldi Zweifel, dass Alba das Saisonende noch verhindern würde. Schon zuvor beschlich ihn ein ungutes Gefühl, „als auch noch Robertson einen Dreier reingeknallt hat. Der ist sonst nicht der Schütze vor dem Herrn“, gab Baldi zu. Quantez Robertsons Glückstreffer hatte die Skyliners im vierten Viertel nach langem wieder in Führung gebracht.

Reeses Dreier zur Verlängerung hätte die Berliner resignieren lassen können – stattdessen drehten sie richtig auf und erzielten 16:5-Punkte. Und was für Punkte: Julius Jenkins und Rashad Wright trafen aus der Distanz, Derrick Byars fing in der Luft das Zuspiel von Jenkins und drosch den Ball durch den Ring. „Dass wir in der Verlängerung mit Alley-Oops spielen, ist Wahnsinn“, sagte Baldi, „vielleicht war die Verlängerung eine Befreiung, in der manche Ballast abgeworfen haben.“ Der sonst so starke, aber am Sonntag unscheinbare Immanuel McElroy habe ebenso wie die wurfschwachen Center Adam Chubb und Blagota Sekulic gesehen, „dass wir trotz Fehlern gewinnen können“.

Es war das perfekte Spiel für das angeschlagene Selbstbewusstsein der Berliner. „Wir sind noch nicht bereit, nach Hause zu gehen“, sagte Derrick Byars. „Die Saison ist noch nicht beendet.“

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