Hype um Michael-Schumacher-Sohn : Mick Schumacher - der Name als Zusatzgewicht

Mick Schumacher, der Sohn des Formel-1-Rekordweltmeisters, lockt Fans und Journalisten nach Oschersleben. Doch der Rummel setzt den 16-Jährigen unnötig unter Druck. Ein Kommentar

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Foto: Reuters

Es war fast schon surreal. Da stapfte ein Pilot durch das Fahrerlager der Rennstrecke von Oschersleben und wollte den Helm partout nicht abnehmen, um den vielen Fotografen sein Gesicht nicht zu präsentieren. Es war weder Sebastian Vettel noch Fernando Alonso, auch nicht Lewis Hamilton – keiner der bekannten Formel-1-Stars. Unter dem markanten gelb-grünen Helm steckte ein 16-Jähriger, der in der neuen Formel 4 fährt, sozusagen in der Regionalliga des Formelrennsports: Mick Schumacher.
Der Großteil der 20.000 Zuschauer und 180 Journalisten kam seinetwegen am Wochenende nach Oschersleben. Aber nicht seine Heldentaten auf der Piste hatten die Menschen angelockt, es war einzig und allein sein Name. Schumachers größter Erfolg ist bisher nicht, dass er Vizeweltmeister im Kart wurde, sondern dass er Michael Schumachers Sohn ist.
Es ist also ein klassischer Hype, der sich um Schumacher junior entwickelt hat, und der durch seinen Sieg am Sonntag weitere Nahrung erhalten hat. Schuld daran ist auch ein wenig der Schumacher-Clan selbst, der die Kinder des Rekordweltmeisters bis vor kurzem geradezu royal abschottete. Schumacher junior fuhr deswegen unter Pseudonymen wie Mika Krauthausen oder Mick Betsch Kart, doch nun, da er aus der Deckung kommen musste, legt sich der ganze Druck mit einem Mal auf seine noch schmalen Schultern.


In einer Nachwuchsserie wie der Formel 4 gelten andere Maßstäbe als in der Formel 1. Hier dürfen, ja müssen die Talente im Schlagschatten der Öffentlichkeit Fehler machen, um aus ihnen zu lernen. Mick Schumacher hat diese Möglichkeit nur eingeschränkt. Er geht stattdessen mit einem Zusatzgewicht in jedes Rennen: Die Öffentlichkeit wird ihn von Kurve zu Kurve mit dem Anspruch verfolgen, der logische Thronfolger des Formel-1-Königs zu sein. Wünschen wir ihm, dass er daran nicht zerbricht.

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