"I am Bolt" auf DVD und Blu-ray : Wer ist Usain Bolt?

Der Film „I am Bolt“ erzählt wenig Neues über den Sprinter aus Jamaika – und macht trotzdem Spaß. In manchen Momenten erkennt man den echten Usain Bolt.

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Foto: promo

Ein Strand am türkisfarbenen Meer, Bikini-Schönheiten, die die Hüften schwingen, bunte Drinks, Motoryachten und goldlackierte Sportwagen. Dazu rollende Bässe und treibende Beats – ein Leben wie in einem Musikvideo. Mittendrin: Usain Bolt, einer der größten Athleten überhaupt. Der neunmalige Olympiasieger ist des Feierns nie müde geworden, trotz all seiner Erfolge. Die gerade auf DVD und Blu-ray erschienene Dokumentation „I am Bolt“ zeigt die Karriere des 30-Jährigen zwischen hartem Training und lockerem Lifestyle. Bolt selbst kommt dabei ebenso ausführlich zu Wort wie seine Familie und viele seiner Weggefährten. Viel Neues, wirklich Hintergründiges oder Unerwartetes erfährt man dabei nicht. Trotzdem macht der Film Spaß.

Das liegt vor allen Dingen an Bolts Persönlichkeit. Kaum ein anderer Sportler seit Muhammad Ali hat eine derartige weltweite Popularität erreicht, kaum ein Athlet hat seine Disziplin so dominiert und geprägt wie der Jamaikaner den Sprint. Die Kamera begleitet Bolt im Training, bei Wettkämpfen, beim Feiern und Relaxen, teilweise mit förmlichen Interviews, teilweise in privaten Aufnahmen. Immer wieder eingebaute Rückblenden zeichnen den Weg des Sprinters zur Weltspitze nach, über die bekannten Stationen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen.

Als roter Faden zieht sich die Vorbereitung auf die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro durch die 103 Filmminuten. Auch wenn Bolt in dieser Zeit mit Verletzungen zu kämpfen hat, die er unter anderem in München bei Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt behandeln lässt: Eine echte Spannung kommt nicht auf. Schließlich weiß man als Zuschauer längst, dass Bolt auch in Rio triumphieren wird und als dreifacher Triple-Olympiasieger endgültig sportliche Unsterblichkeit erlangt.

Angesichts der mangelnden packenden Storyline – und der fehlenden kritischen Distanz – lebt der Film eher von den kleinen Momenten. Etwa wenn Bolt im Training mit seinem stoischen Coach Glen Mills nach Luft japst. Oder im Interview betont, wie er sich auf sein nahendes Karriereende freut. „Es macht nicht mehr so viel Spaß wie früher. Je älter ich werde, desto weniger spaßig ist es“, sagt er todernst. Man glaubt Bolt, wenn er erzählt, wie er sich darauf freue, endlich wieder spät ins Bett zu gehen, sich ungesund zu ernähren, Party zu machen und zu chillen – „ich würde gerne wieder ich selbst sein“.

Manchmal glaubt man in dem Film zu erkennen, wer Usain Bolt tatsächlich ist. Wenn er in Jamaika ausgelassen die Nächte durchfeiert. Wenn sein Trainer nachts gegen die Wand des Hotelzimmers hämmert: „Usain, geh endlich schlafen, morgen sind die 100 Meter!“ Wenn Bolt trotzdem an der Startlinie wieder und wieder die komplette Welt ausblenden kann und in Zeitlupe zu Gold fliegt.

2002, als Bolt bei der Junioren-WM antritt, ist das noch anders. Der spindeldürre 15-Jährige ist so nervös, dass er seine Schuhe verkehrtherum anzuziehen versucht. Dann aber fegt er trotz aller Aufregung über die Bahn zum Sieg. In diesem Augenblick , das zeigt der Film, scheint er auf den Geschmack gekommen zu sein – und hat seitdem nicht mehr aufgehört zu gewinnen.

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