Sport : Im fünften Ring: Das Känguru hat ausgehüpft

Helmut Schümann

Wombats, Singular der Wombat, Plumpbeutler, Vombatidae, australische Familie der Beuteltiere mit zwei etwa bibergroßen Arten, nachtaktive pflanzenfressende plumpe Sohlengänger, die tagsüber in selbstgegrabenen bis 30 Meter langen Erdbauten leben. Das Gebiss ist dem Nagergebiss sehr ähnlich, die Schneidezähne des Nacktnasenwombat (Vombatus ursinus) sind stumpf.

Man muss ihn einfach lieb haben, diesen Wombat, alleine schon, weil er Nacktnasenwombat heißt und nachtaktiv ist. Nachtaktive Nacktnasenwombats, das sind Tiere mit Charakter, mit Seele und, weil sie tagsüber schlafen, auch mit einer sehr vernünftigen Lebensart.

Er sieht des Morgens immer so aus, als war er wieder ganz fürchterlich nachtaktiv, als habe er wieder bis in die Puppen auf irgendeinem australischen Tresen getanzt und dabei das ein oder andere Fosters gekippt. Kurzum: ein durch und durch sympathischer Gefährte.

Nicht so das Känguru. Nachts schläft es. Tagsüber hüpft es andauernd, sammelt ameisenfleißig so Sachen wie Eukalyptusblätter, trägt diese Sachen in einem Beutel von hier nach da, immer hüpfend. Und boxen tut es auch noch. Mit roten Handschuhen, wie hier im fünften Ring an jeder Ecke, in jedem Souvenirshop zu sehen ist. Immer hüpfen, immer boxen, wahrscheinlich ist es gedopt. Vielleicht hat es das Australische Olympische Komitee deshalb zum olympischen Maskottchen gekürt und für 15 Millionen Dollar die Vermarktungsrechte des boxenden Känguruhs gekauft. (Ja, ja, es gibt eben solche Dinge bei Olympischen Spielen, auch in Sydney.)

Eigentlich sollte dieses ständig fleißige Vieh viel Geld einboxen, als Spielzeug, auf T-Shirts, Flaggen und anderem Nervkram. Nun, daraus wird nun nichts. Das boxende Känguruh ist nämlich vielen auf die Nerven gegangen, zu vielen. Und deshalb haben Australiens Schwimmer und Schwimmerinnen ständig einen Bruder unseres Nacktnasenwombats in die Kamera gehalten, Fatso, ein Breitarsch-Wombat (sorry, aber so nennt man ihn hier).

Fatso ist ein besonders schönes Exemplar, ist zwar aus Stoff, dafür muss er in seinem früheren Leben verdammt nachtaktiv gewesen sein, so klein wie seine Augen sind. Und nun ist der Breitarsch-Wombat der große Renner und das boxende Känguru schaut ziemlich angeschlagen aus den Souvenir-Shops. Wie auch das etwas gierige Olympische Komitee Australiens. Andererseits, angeschlagene Boxer sind natürlich gefährlich, und wenn es in diesem ungeliebten Zustand tagsüber unserem müdem Breitarsch-Wombat eins auf die Nacktnase haut, ist das vielleicht nicht so lustig. Wir werden sehen.

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