Sport : In der Verlängerung

Alba braucht 45 Minuten für den ersten Play-off-Sieg gegen Frankfurt und kann am Mittwoch ausgleichen

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Berlin - Motivation, Kreativität, Führungsstärke: Vieles war zuletzt infrage gestellt worden bei Alba Berlins Basketballern. Nach zwei Play-off-Niederlagen stand die Mannschaft nicht nur in der Kritik, sondern auch vor dem Aus in der Bundesliga. Als die Saison der Berliner am Sonntagabend aber schon so gut wie beendet schien, reagierten sie perfekt auf den Druck. In der Verlängerung des dramatischen dritten Spiels gegen die Frankfurt Skyliners übernahmen Julius Jenkins, Rashad Wright und Derrick Byars die Verantwortung und führten Alba zu einem 87:76 (33:29, 71:71)-Sieg. Damit verkürzten die Berliner in der Best-of- five-Serie auf 1:2; allerdings muss Alba die Skyliners noch zweimal besiegen, um das Halbfinale zu erreichen. Im vierten Spiel am Mittwoch hat Frankfurt wieder Heimrecht, eine mögliche fünfte Partie würde am kommenden Freitag in Berlin stattfinden.

Vor Spielbeginn hatte der sonst so geduldige Alba-Anhang ein Zeichen setzen wollen: Die Fans entrollten in der Arena am Ostbahnhof Spruchbänder. „Wacht auf und kämpft!“ war dort in großen Buchstaben auf Englisch zu lesen. Und: „Wir lieben dieses Spiel – und ihr?“ Die so kritisierten Berliner begannen vor 11 875 Zuschauern mit einer Bissigkeit, die dem Ernst der Lage angemessen war. Nach einem 11:15-Rückstand bekam Alba das Spiel dank einer konzentrierten Verteidigung unter Kontrolle: Fünf Minuten lang ließen die Berliner keinen Punkt der Gäste zu, durch eine 13:0-Serie zogen sie auf 24:15 davon. Kurz darauf schraubte sich Derrick Byars zu einem spektakulären Dunking in die Luft, Frankfurt schien ratlos. Die Gäste aber blieben im Spiel und lagen nach zehn Punkten in Folge sogar 27:26 vorne. Beim Pausenstand von 33:29 für Alba war alles offen.

Auch in der zweiten Hälfte konnte sich Alba zunächst nicht absetzen. Erst als Kapitän Julius Jenkins – am Ende mit 22 Punkten bester Berliner Werfer – neun Punkte in Folge erzielte, verschafften sich die Berliner beim Stand von 56:47 etwas Luft. Doch die bis dahin äußerst wurfschwachen Frankfurter ließen sich nicht abschütteln, eine Minute vor Schluss traf der mit 25 Punkten überragende Frankfurter Center Dragan Labovic einen Dreipunktewurf zur 67:66-Führung, die Alba dem Play-off-Abgrund schon sehr nahe brachte. Mit harter Verteidigung und guten Nerven an der Freiwurflinie setzten sich die Berliner aber wieder ab, 5,3 Sekunden vor Spielende hieß es 71:68. Doch erneut zeigten die Frankfurter, dass sie in besonderen Momenten zurzeit das richtige Händchen haben. Aubrey Reese wuselte am ausrutschenden Jenkins – der Reese eigentlich foulen sollte – vorbei, strauchelte zwar selbst noch, verwandelte aber mit der Schlusssirene einen wilden Dreipunktewurf zum Ausgleich und zur Verlängerung. „Dieser Wurf passte dazu, wie diese Serie bisher gelaufen ist“, sagte Albas Trainer Luka Pavicevic. „Ich hoffe, dass meine Spieler daraus die Inspiration ziehen, dass man auch Gegner besiegen kann, die solche Würfe treffen.“

In die Verlängerung startete Alba alles andere als geschockt: Jenkins und Wright trafen gegen den wesentlich größeren Labovic aus der Distanz. „Man muss anerkennen, dass die beiden das Spiel in die Hand genommen haben“, sagte Skyliners-Trainer Gordon Herbert. Und als die Frankfurter auch im nächsten Angriff gebannt auf Jenkins starrten, nutzte Byars die Unaufmerksamkeit, um unbemerkt zum Korb zu starten. Jenkins passte den Ball über die Köpfe der staunenden Skyliners hinweg, Byars schloss per Alley-oop-Dunk zum 82:75 ab. Die Berliner Fans tobten, das Spiel war entschieden.

„Es ist jetzt sehr wichtig, dass wir uns nicht über diesen Sieg freuen“, sagte Pavicevic, der allgemeinen Jubelstimmung zum Trotz. „Wir liegen immer noch hinten und haben am Mittwoch ein noch wichtigeres und schwereres Spiel vor uns.“

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