Sport : In Gedanken längst in Liga zwei Kaiserslautern plant –

mit Kuntz und Balakow?

von
Gebt mir eine zweite Chance. Balakow ringt um seinen Verbleib beim FCK. Foto: dpa
Gebt mir eine zweite Chance. Balakow ringt um seinen Verbleib beim FCK. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Früher stieg Krassimir Balakow in den Keller hinab. Er hatte in seinem Stuttgarter Domizil ein Zimmer, in dem ein spezielles Videogerät stand. Abgeschirmt von seiner Umgebung schaute sich der Bulgare seine Freistoßtore an. Es war seine Art der Selbsttherapie, wenn der Freistoßexperte des VfB Stuttgart schlechte Phasen überwinden musste. Heute ist Balakow Trainer des 1. FC Kaiserslautern, und man kann sich kaum vorstellen, dass er lieb gewonnene Rituale aus seiner aktiven Zeit als Spieler in sein Trainerleben hinüberretten konnte. Es gäbe in der Pfalz kaum etwas Aufbauendes, was sich der 92-malige Nationalspieler anschauen könnte. Der FCK liefert wie beim 0:2 gegen Nürnberg Spiele ab, die schon live schwer zu ertragen sind. Nach dem 21. Spiel in Folge ohne Sieg gibt es nun keine realistische Hoffnung mehr, den Klassenerhalt doch noch zu schaffen.

Der Trainerwechsel war wirkungslos. Die Pleite gegen Nürnberg war Balakows fünfte Niederlage im fünften Spiel. Nun werden die letzten Erstligaspiele zum Charaktertest ausgerufen, der zeigen soll, mit welchen Spielern man in die zweite Liga geht. Gegen den Klub blieb eine ernüchternde Bilanz. „Es war nicht sichtbar, dass sich jeder Spieler zerreißt“, sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz. „Es war furchtbar, das zu sehen. Das deutet auf einen großen Schnitt hin.“ Balakow soll dennoch bleiben. „Es ist schade für Krassimir, dass er in dieser Situation steckt. Aber es bleibt so wie geplant“, sagte Kuntz.

Auch dies zeigt, wie viele Dinge in der Pfalz zusammenkommen müssen, damit der dritte Abstieg nach 1998 und 2006 nur ein Betriebsunfall bleibt, der sich korrigieren lässt. Ob sich bis zum 9. Mai die Volksseele beruhigt, wird entscheiden, ob es mit Balakow weitergeht. In der Trainerfrage ist der Klub tief gespalten. Am 9. Mai soll in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entschieden werden, ob Stefan Kuntz seinen Weg fortsetzen kann. Kuntz und der FCK-Aufsichtsrat stellen sich den Mitgliedern. Vorerst zählt wenig, dass Kuntz vor vier Jahren einen Konsolidierungskurs einleitete, der den maroden Klub in die Bundesliga zurückführte und ihm neue wirtschaftliche Perspektiven eröffnete. Dadurch ist es erst möglich geworden, den jetzigen Abstieg überhaupt zu verkraften.

Kritiker werfen Kuntz jedoch vor, wie ein Alleinherrscher zu regieren und kaum andere Meinungen zuzulassen. Kuntz hat den Kredit der mühevollen Aufbauarbeit weitgehend verspielt. Nun stellt sich die Frage nach Alternativen. Eine geordnete Opposition taucht bis jetzt in der Pfalz nicht auf. Vorerst bleibt nicht viel mehr, als sich zähneknirschend wieder aufzurappeln. Erste Maßnahmen sind schon getroffen worden. Der Etat wird auf rund zehn Millionen Euro sinken. Die Stadiongesellschaft, hinter der sich die Stadt Kaiserslautern verbirgt, hat bereits einer Stundung der Stadionmiete für weitere zwei Jahre zugestimmt. 3,2 Millionen Euro muss der FCK pro Jahr zahlen, 600 000 weniger als vorgesehen.

Für Krassimir Balakow bleibt der Job in der Pfalz und der Neuaufbau ein großes Wagnis. Er kann wohl nur durch eine rundum gelungene Personalpolitik und Erfolge seinen Verbleib sichern. Dabei hilft kein Blick zurück und kein Videostudium, das an schöne Freistöße erinnert. Der ehemalige Freistoßexperte Balakow muss bis zum ersten Zweitligaspiel mit einem Plan überzeugen. „Für mich ist die Situation auch nicht einfach, aber ich habe genug Energie, um das zu schaffen“, sagt er.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben