Inklusion : Zimmer frei für die Integration!

Der Hotelbesitzer und Unternehmensberater Dirk Feid plant ein neues Hotel in Berlin - zur Hälfte sollen dort behinderte Menschen arbeiten.

Jonathan Fridman,18 Jahre, Erlangen
Teamgeist. Im „Hofgut Himmelreich“ arbeiten alle gleichberechtigt zusammen.
Teamgeist. Im „Hofgut Himmelreich“ arbeiten alle gleichberechtigt zusammen.Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

„Die Zusammenarbeit mit psychisch behinderten Menschen fasziniert mich“, sagt Hotelbesitzer und Unternehmensberater Dirk Feid. Eine eher ungewöhnliche Aussage für einen Personalchef. Arbeitgeber haben oft Angst vor Problemen, die auftreten könnten, wenn Menschen mit Behinderung beschäftigt werden. Dass diese Sorge unbegründet ist, hat der Unternehmer aus Berlin-Falkensee selbst festgestellt, als er in einem seiner Hotels eine Mitarbeiterin mit Lernschwäche einstellte. Obwohl sie anfangs etwas länger brauchte, um komplexe Aufgaben zu verstehen, entwickelte sie sich bald zu einem der zuverlässigsten Teammitglieder.

Diese positive Erfahrung hat Dirk Feid bestärkt, ein neues Projekt anzugehen: In Berlin soll ein Integrationshotel entstehen, wo die Hälfte der Mitarbeiter eine Behinderung hat – es soll das erste Tagungshotel dieser Art werden. Andere Integrationshotels werden fast ausschließlich von Menschen mit Behinderung besucht oder Menschen, die einen Bezug zum Thema haben. Er wünscht sich, dass sein Integrationshotel für Gäste aus der breiten Öffentlichkeit Anlaufpunkt wird. Dafür eigne sich ein Tagungshotel besonders, sagt er. Zum einen werde es von verschiedenen Gruppen besucht, ob von Schulklassen oder Seminarteilnehmern. Andererseits erfülle so ein Arbeitsplatz die Bedürfnisse von Menschen mit Lernschwierigkeiten: Durch viele standardisierte Abläufe entstehe ein sicheres Umfeld für die Mitarbeiter. Momentan sucht Feid noch einen geeigneten Standort in Berlin.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigen andere etablierte Integrationsbetriebe in Berlin. Das Restaurant „s…cultur“ in Neukölln zum Beispiel. Die Hälfte der Mitarbeiter hat eine Behinderung. Beispielhaft sind auch das „Hotel Grenzfall“ und das „Café Urbano“; im Schwarzwald gibt es das „Hofgut Himmelreich“ – Integrationsunternehmen, die sich in der freien Wirtschaft erfolgreich durchsetzen. Mit dem Rudolf-Freudenberg-Preis wurde dieses Jahr die „Lebenswelten Restaurations GmbH“ ausgezeichnet. Der mit 5000 Euro dotierte Preis ehrt alljährlich Leuchttürme der Inklusion, die andere Unternehmen ermutigen, sich ebenfalls mit der Integration von Menschen mit Behinderung auseinanderzusetzen.

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