Interview mit Ex-Radprofi Jörg Jaksche : "Doping ist kein spanisches Problem"

Ex-Radprofi Jörg Jaksche spricht im Tagesspiegel-Interview über seinen Rolle als Zeuge im Fuentes-Prozess, Dopingfälle in Deutschland und seine Einschätzung, wie stark der Fußball betroffen ist.

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Jörg Jaksche, 36, ehemaliger Radprofi und geständiger Dopingsünder. Beim Prozess gegen den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes tritt er als Zeuge auf.
Jörg Jaksche, 36, ehemaliger Radprofi und geständiger Dopingsünder. Beim Prozess gegen den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes...Foto: dpa

Herr Jaksche, sind im Prozess am Montag die richtigen Fragen gestellt worden?

Die richtigen Fragen wurden schon gestellt, und der Prozess geht auch in die richtige Richtung, es ist aber eine Frage, was am Ende dabei heraus kommt. Ich verstehe auch die Position von Fuentes. Wir sind alle selbstständig zu ihm gegangen und keiner von uns ist dazu gezwungen worden. Aber er hat damit eben sein Geld gemacht, das war sein Geschäftsmodell.

Warum gibt es wieder keine neuen Namen?

 Es sind eben eigentlich zwei verschiedene Prozesse. Es geht vor Gericht offiziell nur um einen Verstoß gegen die öffentliche Gesundheit; und nur inoffiziell geht es auch um das Blutdoping und wer Fuentes Kunden waren. Ich kann mir aber denken, wenn man mehr Zeugen hören würde, die nach dem Blutdoping gesundheitliche Probleme hatten, etwa wie der US-Fahrer Tyler Hamilton, bei dem ein Blutbeutel vertauscht wurde und er danach massive Probleme hatte, dann wäre das für das Gesamtbild in diesem Prozess besser.

Manche sagen, der Prozess ist eine Farce und es soll nur schnell der Deckel über das Doping gelegt werden.

Was hier passiert, bleibt natürlich unterhalb der Möglichkeiten. Aber so läuft das halt. Es zeigt auch ein wenig das Sittenbild, mit dem wir uns da befassen.

Hätten Sie sich gewünscht, dass Fuentes reinen Tisch macht und alle Namen nennt?

Ja, klar habe ich mir das gewünscht. Aber das kann er nicht, dazu hängt für ihn zu viel dran.

Aber hätte der Radsport das Doping-Problem viel früher in den Griff bekommen können, wenn die Verbände das gewollt hätten?

Ja, da ist viel schief gelaufen im Radsport. Da tragen wir alle mit Schuld. Das kann man aber nicht nur auf das UCI schieben, da sind auch die Leute dahinter schuld. Aber es werden derzeit auch nicht die richtigen Schritte getan, um das zu ändern.

Warum haben Sie keine neuen Namen genannt?

Ich rede nicht gerne über andere Fahrer. Mir hat das damals schon leid getan, dass ich Namen genannt habe, weil alle Fahrer in der gleichen Position sind. Die Fahrer sind die, die positiv getestet werden, und die Leute, die das alles organisiert haben und einen Haufen Geld damit verdienen, die werden nicht positiv getestet.

Hat der französische Radsport-Präsident recht, der sagt, die Madrider Justiz beschütze die spanischen Sportler, und habe im Prozess kein Aufklärungsinteresse in Sachen Doping?

Ich glaube, Doping ist nicht nur ein spanisches Problem. Wir haben in Deutschland den Fall der Sportmediziner in Freiburg, wir haben derzeit in Australien einen großen Doping-Skandal. Richtig ist aber, dass es in Spanien lange kein Interesse an diesem Thema gab und keine Maßnahmen dagegen. Es werden hier aber keine einzelnen Personen geschützt, auch nicht andere Sportarten. Die „Operación Puerto“ mit der Observation von Fuentes-Kunden kam bloß zu einem schlechten Zeitpunkt für Radfahrer, weil die sich zu diesem Zeitpunkt auf die Saison vorbereitet haben. Einen Monat später hätte es wahrscheinlich ganz andere Sportler und Sportarten erwischt.

Ist auch der Fußball involviert?

Nein, ich glaube nicht, dass der Fußball stark davon betroffen ist. Und ich glaube auch nicht mehr, dass Real Madrid darin verwickelt ist. Die Hypothese, dass auch Real Madrid bei Fuentes war, habe ich jetzt langsam verworfen. Am Ende war der Fuentes einfach nur ein Scharlatan und ein Metzger, der gegen den hippokratischen Eid verstoßen hat. Ich glaube nicht mehr, dass sich Real Madrid mit einem Mediziner abgibt, der ein komplettes Chaos in seinem Leben hat, und der wahrscheinlich nicht mal selbst mehr weiß, welchen Sportlern im einzelnen die 400 Blutbeutel gehören.

Das Interview führte Gerd Nowakowski.

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