• Interview mit Heribert Bruchhagen und Harald Strutz: "Wenn es so weitergeht, kann der Fußball darunter leiden"

Interview mit Heribert Bruchhagen und Harald Strutz : "Wenn es so weitergeht, kann der Fußball darunter leiden"

Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen und Mainz-Präsident Harald Strutz sind seit 25 Jahren im Geschäft. Vor dem Rhein-Main-Derby warnen die Klubbosse vor einer Fehlentwicklung im Fußball.

Eric Dobias und Detlef Rehling
Gut lachen. Heribert Bruchhagen (links) und Harald Strutz.
Gut lachen. Heribert Bruchhagen (links) und Harald Strutz.Foto: dpa

Am Sonntag geht es zwischen dem FSV Mainz 05 und Eintracht Frankfurt nicht nur um die Frage, wer sportlich die Nummer 1 im Rhein-Main-Gebiet ist, sondern auch um wichtige Punkte im Kampf um einen internationalen Startplatz. Erhöht das die Brisanz?

Harald Strutz: „Für mich persönlich nicht, weil ich glaube, dass aufgrund unserer Formkrise die Chance nur noch gering ist. Ich glaube nicht, dass das Derby für uns unter dem Charakter steht: Europa League ja oder nein.“

Heribert Bruchhagen: „Mainz muss gewinnen, wenn sie noch Chancen auf einen internationalen Startplatz haben wollen. Wir wären mit einem Unentschieden absolut zufrieden.“

Währe die Teilnahme an der Europa League wegen der Doppelbelastung ein Fluch?

Bruchhagen: „Nein. Wir spielen doch Fußball, um sportliche Erfolge zu erreichen. Die Europa League muss jetzt das Ziel sein. Es wäre auch eine Belohnung des Publikums und des Vereins. Darauf verzichten zu wollen, wäre ja absurd. Wir freuen uns darauf, wenn wir es schaffen.“

Strutz: „Wirtschaftlich kommt in der Europa League nicht so viel herum. Aber der sportliche Erfolg wäre verbunden mit steigendem Interesse der Sponsoren und Balsam für die Seele der Fans. Die würden dadurch noch viel stärker zusammenrücken.“

Aber man müsste dann personell einiges anders gestalten.

Bruchhagen: „Das können wir nicht. Der Lizenzspieleretat von 31 Millionen Euro ist vorgegeben. Damit kann man einen Kader aufstellen, der in der Lage ist, zehn zusätzliche Spiele zu machen. Das wäre zwar ein Substanzverlust, aber den würden wir gerne in Kauf nehmen. Wenn wir nächste Saison in der Europa League spielen und in der Bundesliga einen Mittelfeldplatz erreichen, wäre alles wunderbar.“

Strutz: „Unser Etat ist mit 24 Millionen Euro noch geringer. Das einzige, worauf wir hoffen können, ist immer mal wieder ein spektakulärer Transfer. Wir hatten das Glück, einen André Schürrle bei uns zu haben.“

Steht Mainz in der Bundesliga auf sicheren Füßen?

Strutz: „Es wird immer wacklig sein. Wir spielen jetzt zwar eine gute Saison, aber wir geben auch immer wieder gute Spieler ab. Wenn du einen Spieler verpflichten willst, der die Qualität deutlich verbessert, kostet der auch erheblich mehr, weil wir in den vergangenen zwei Jahren schon einen Sprung gemacht haben. Für uns wird es immer ein Kampf bleiben.“

Da müssen Sie ja gejubelt haben über den Vorstoß von Uli Hoeneß, für etwas mehr Ausgeglichenheit in der Liga sorgen zu wollen.

Strutz: „Es war ein hehrer Gedanke von Uli Hoeneß, dass mal so anzusprechen, allein mir fehlt der Glaube. Ein Mann wie Jan Kirchhoff geht jetzt zu den Bayern. Irgendwann spielt der vielleicht auch mal. Bei den großen Vereinen sitzt so viel Potenzial auf der Bank. Sollen sie andere doch auch mal wachsen lassen, damit der Wettbewerb fairer wird. Wolfsburg wird auch wieder alles aufkaufen. Geld regiert die Welt, das ist das Thema.“

Also sehen auch Sie die Gefahr „spanischer Verhältnisse“?

Strutz: „Das größte Pfund der Bundesliga, was die Auslandsvermarktung angeht, ist der interessante Wettbewerb. Den haben andere Ligen nicht. Irgendwann sieht du dich in Asien tot, wenn zum 1000. Mal Manchester United kommt. Aber geht es uns nicht manchmal auch so, dass wir sagen: Jetzt sehen wir schon wieder ein Bayern-Spiel und schalten dann um, selbst wenn du am Fußball interessiert bist? Wenn es so weitergeht, kann der Fußball darunter leiden.“

Bruchhagen: „Es nutzt aber nichts, dass jeder Vereinsvertreter jetzt seine Ideen rein wirft. Erst einmal muss man Veränderungen wollen. Wenn man die will, ist es die Aufgabe von DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, das Gedankengut zu sammeln und zu koordinieren.“

Herr Bruchhagen, die Eintracht dürfte bei einem Erfolg sogar vom Erreichen der Champions-League-Qualifikation träumen. Würde es ihre kritische Haltung zu den Rekordprämien in der Champions League ändern, wenn Sie als Verein selbst daran partizipieren könnten?

Bruchhagen: „Wir erleben es doch, dass die horrenden Summen in der Champions League den nationalen Wettbewerb in den Ligen angreifen. Das erkennt doch der Blindeste. Deshalb sind die riesigen Summen in der Champions League aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt, selbst wenn wir da mal reinrutschen und davon profitieren sollten.“

Strutz: „Die Summen führen dazu, dass man im nationalen Wettbewerb überhaupt keine Chancen mehr hat. Es wird nicht mehr möglich sein, dass wir bei Bayern München ein Fußballspiel gewinnen können.“

Sie sind beide im Ligavorstand. Werden Sie das bei der nächsten Sitzung in der kommenden Woche thematisieren?

Bruchhagen: „Nein. Das ist jetzt durch die Äußerungen von Uli Hoeneß hochgezogen worden. Aber wir müssen natürlich irgendwann darüber reden. Christian Seifert muss einen Spagat machen, weil er die Auslandsvermarktung vorantreiben will. Damit braucht er die Erfolge der Bundesliga in der Champions League. Und gleichzeitig muss er den Wettbewerb in der Bundesliga schützen.“

Zurück zum Derby. Das ist natürlich mit vielen Emotionen verbunden. Herr Bruchhagen, was geben Sie den Eintracht-Fans mit auf den Weg nach Mainz?

Bruchhagen: „Wir stehen momentan unter starker Beobachtung. Deshalb müssen wir auf der Hut sein und ich habe auch ein bisschen Respekt vor diesem Spiel. Denn es könnte für Eintracht Frankfurt, wenn es dort zu unerfreulichen Dingen kommt, größten Schaden bedeuten. Deshalb haben wir im Vorfeld an alle Fanclubs appelliert, sich der These, Mainz sei unser Feind, nicht anzuschließen.“

Strutz: „Ich habe nichts dagegen, wenn man sich ein wenig verbal attackiert, also eine gesunde Derby-Stimmung aufkommt. Aber Frankfurt und Mainz waren noch nie Feinde.“

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