Interview mit Markus Babbel : „Die Spieler wissen genau, was passiert ist“

Herthas im Streit geschiedener Trainer Markus Babbel spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über seinen Abschied aus Berlin, das Wiedersehen zum Saisonausklang und Rückmeldungen aus der Branche nach der Trennung von Hertha BSC.

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Markus Babbel, 39, führte Hertha BSC als Trainer vor einem Jahr in die Bundesliga. Nach der Hinrunde und einem Streit mit Manager Michael Preetz trennten sich die Berliner im Zuge der sogenannten Lügen-Affäre von ihm. Seit Februar trainiert er die TSG Hoffenheim, mit der er am letzten Spieltag nach Berlin kommt.
Markus Babbel, 39, führte Hertha BSC als Trainer vor einem Jahr in die Bundesliga. Nach der Hinrunde und einem Streit mit Manager...Foto: dpa

Herr Babbel, am letzten Bundesligaspieltag reisen Sie als Hoffenheimer Trainer nach Berlin. Fünf Monate nach ihrer spektakulären Entlassung können Sie Hertha in die Zweite Liga schießen. Was glauben Sie, wie das Publikum Sie empfangen wird?

Ich stelle mich schon auf Gegenwind ein, auch wenn es mich natürlich freuen würde, wenn es anders kommen sollte. Immerhin hatte ich hier eine tolle Zeit, ich habe ehrliche Arbeit abgeliefert und meine Versprechen gehalten. Das war im ersten Jahr der Aufstieg in die Bundesliga und wäre im zweiten der Nichtabstieg gewesen. Ich denke, mit 20 Punkten waren wir auf einem sehr guten Weg. Wenn ich so sehe, wie Hertha jetzt dasteht, war unsere Hinrunde doch ganz ordentlich. Nein, wir wären hundertprozentig nicht abgestiegen, da hätte ich alles drauf gewettet. Es hat einfach super gepasst zwischen Mannschaft und Trainerteam.

Dann gibt es doch keinen Grund für einen unfreundlichen Empfang.

Es werden nun mal leider gezielt Sachen über mich in Umlauf gebracht, die nicht der Wahrheit entsprechen. Manches geht tief in die Privatsphäre, anderes betrifft meine Arbeit als Trainer. Ich hoffe einfach, dass die Fans mich an dem messen und bewerten, was ich sportlich abgeliefert habe. Ich denke, in der Rückbetrachtung war das nicht so schlecht.

Ihre Trennung von Hertha wirft bis heute Fragen auf. Erzählen Sie doch mal, was genau damals passiert ist.

Es war Mitte November – entschuldigen Sie bitte, ich weiß nicht mehr genau ob Dienstag oder Mittwoch, das hat ja einer Ihrer Kollegen aufgegriffen und gegen mich verwendet, so nach dem Motto: Wenn er da schon etwas Falsches sagt, dann muss er ja lügen… Ich bin also Mitte November in das Büro von Michael Preetz marschiert und habe ihm gesagt, wie meine Zukunft aussehen wird.

Dass Sie Ihren im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollen.

Es war einfach ein Bauchgefühl. So überzeugt ich von der Aufgabe in meinem ersten Berliner Jahr war, so überzeugt war ich diesmal davon, dass es nicht mehr passt. Michael Preetz hat mich gebeten, erst einmal Stillschweigen zu bewahren. Er hat gesagt: Du kennst die Berliner Presse nicht! Die machen Druck! Himmel, ein Trainer, der nicht bleibt, was glaubst du, was passiert, wenn wir zwei, drei Spiele verlieren! Ich hab gesagt: Dann kannst du immer noch reagieren, lass uns doch erst mal die Rückrunde in Angriff nehmen.

Gab es noch ein weiteres Gespräch über diese Angelegenheit?

Ja, einen Monat später. Er hat gesagt, er müsse mich jetzt offiziell fragen, ob ich wirklich nicht weitermache. Der Präsident wolle Bescheid wissen.

Die wichtigsten Momente von Markus Babbel bei Hertha BSC
Am 16.05.2010 wurde Markus Babbel als neuer Hertha-Trainer vorgestellt und verbreitete sofort Euphorie im vom Abstieg traumatisierten Umfeld des Hauptstadtvereins.Weitere Bilder anzeigen
1 von 10Foto: dapd
18.12.2011 21:04Am 16.05.2010 wurde Markus Babbel als neuer Hertha-Trainer vorgestellt und verbreitete sofort Euphorie im vom Abstieg...

Was haben Sie geantwortet?

Sag mal, Michael, was glaubst du denn, was ich dir erzähle? Ich habe dir vor vier Wochen Bescheid gesagt, wenn du die Gremien nicht informierst, ist das dein Problem!

Es wurde aber zu Ihrem Problem. Im Raum stand die Geschichte vom wankelmütigen Trainer, der sich nicht entscheiden kann oder auf andere Angebote wartet, vom FC Bayern oder von Schalke 04.

Eine Anfrage von Schalke gab es wirklich, aber das war für mich kein Thema. Ich hätte das Ding in Berlin wahnsinnig gern durchgezogen. Die Mannschaft lag mir sehr am Herzen, wir waren eine Einheit. Aber es ist halt anders gekommen. Der Verein ist happy, dass er mich los ist. Und ich bin happy, dass ich in Hoffenheim arbeiten darf. Die Leute bei Hertha sind selbst verantwortlich für die aktuelle Situation und für das, was sie nach der Trennung von mir gemacht haben. Ich empfinde keine Schadenfreude, dafür liegt mir der Verein zu sehr am Herzen. Aber die Art und Weise der Trennung hat mir Vieles viel leichter gemacht.

Was denn?

Viele haben mich gefragt: Wie kannst du überhaupt nach Berlin so schnell einen neuen Job anfangen? Ganz einfach: Ich konnte die Sache emotional abhaken, eben weil sie nicht korrekt gelaufen ist. Beim VfB Stuttgart…

… wo Sie Ende 2009 entlassen wurden…

… war alles sauber, aber es hat auf dem Platz einfach nicht mehr funktioniert. Da musste man einen Cut machen. Aber ich hätte damals nie nach ein paar Wochen einen neuen Job anfangen können, das hätte ich vom Kopf her einfach nicht gebacken bekommen.

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