• Interview zum Vorwurf der Steuerhinterziehung: Welche Strategie verfolgt Uli Hoeneß?

Interview zum Vorwurf der Steuerhinterziehung : Welche Strategie verfolgt Uli Hoeneß?

Der FC Bayern-Boss hat sich in einem Interview ausführlich zum Vorwurf der Steuerhinterziehung und seiner persönlichen Situation geäußert. Ziel des sorgfältig arrangierten Glaubwürdigkeitsszenarios ist nicht die Justiz - sondern das breite Publikum.

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Vor ein paar Tagen noch wollte er sich nicht äußern, „schwebendes Verfahren“, hieß es, ihm liege zwar „vieles auf der Zunge“ , aber er müsse erst mit den Behörden seine „Hausaufgaben“ machen. Nun hat er die „Zeit“ mit einem großen Interview beschenkt, in dem er neben einem ersten Uli Hoeneß noch einen zweiten und einen dritten präsentiert: Der zweite ist der Privatmann, ein Freund „klassischer Geldanlage“. Und der dritte ist der, „der dem Kick nachgejagt ist“.

Hoeneß, der adrenalingetriebene Zocker, der mit seinem Börsenpager und Millionen auf einem Schweizer Konto an der Steuer und offenbar auch seiner eigenen Vernunft vorbei auf Kurse wettete, gewann und verlor. Er sieht sich mittlerweile als kuriert, aber der zum Interview mitgebrachte Sohn entlarvt dies wie bestellt als eine für Süchtige typische Selbsttäuschung: „Ich darf sagen, dass die Familie dies ein bisschen anders sieht.“

Wen soll diese in ein sorgfältig arrangiertes Glaubwürdigkeitsszenario eingebettete Botschaft vom kranken Mann erreichen? Weniger die Staatsanwälte. Seine Leidenschaft, auch wenn sie Krankheitswert gehabt haben sollte, dürfte für die Ermittlungen und eine mögliche Anklageerhebung keine Rolle spielen; erst bei der Strafzumessung könnte das relevant werden, aber wohl auch dort nur am Rande. So lesen sich seine Worte wie eine vorgezogene Bitte um Milde, nicht nur des richterlichen, sondern vor allem des öffentlichen Urteils.

Uli Hoeneß und die Steuerflucht
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU):Die Kanzlerin distanzierte sich von Uli Hoeneß und ließ ihre Enttäuschung über Regierungssprecher Steffen Seibert kundtun. Er sagte am Montag: „Viele Menschen sind jetzt enttäuscht von Uli Hoeneß, die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen.“Alle Bilder anzeigen
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23.04.2013 09:56Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU):Die Kanzlerin distanzierte sich von Uli Hoeneß und ließ ihre Enttäuschung über...

Die notwendigen Zutaten – Geständnis, Zerknirschung und Erklärungen – liefert der medienerfahrene Vereinschef erwartungsgemäß. Es fehlt auch nicht der von prominenten Verdächtigen häufig hervorgebrachte Mitleidsappell aufgrund des erdrückenden Publikumsinteresses („Da begann die Hölle für mich“). Zugleich wird deutlich, dass der Beschuldigte weiter auf unschuldig plädiert: Er sei überzeugt, dass er mit seiner Anzeige reinen Tisch gemacht habe und diese wirksam sei. „Unmoralisch“, nennt er seine Taten, nicht aber strafbar.

"Ich zahle volle Steuern"
„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)Alle Bilder anzeigen
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21.04.2013 12:59„Ich weiß, dass das doof ist. Aber ich zahle volle Steuern.“ (Uli Hoeneß 2005 in einem Interview der „Bild“-Zeitung)

Das ausführliche Gespräch weist allerdings auch Indizien auf, dass er daran zu zweifeln beginnt. So teilt die Zeitung vermutlich auf Hoeneß’ Veranlassung mit, die von ihm mit der strafbefreienden Selbstanzeige beauftragten Fachleute – ein Steuerberater, ein Steuerfachmann und ein Wirtschaftsanwalt – hätten „möglicherweise einen folgenschweren Fehler“ gemacht, weil den Behörden nur die Jahresendstände des Kontos angegeben worden seien, nicht aber die relevanten Kontovorgänge innerhalb des Jahres. Auch Hoeneß selbst betont, er selbst habe auf den Kontostand „nie draufgeschaut“. Und: „Sollte es Fehler gegeben haben, habe ich diese nicht persönlich begangen".

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