Istaf in Berlin : Harting gegen Harting: Das traurige Duell

Die Brüder Robert und Christoph Harting enttäuschen beim Istaf. Von der Spitze sind inzwischen beide weit entfernt.

Robert Harting (rechts) und Bruder Christoph kamen am Sonntag nicht an die 67,18 Meter ihres polnischen Dauerrivalen Piotr Malachowski heran.
Robert Harting (rechts) und Bruder Christoph kamen am Sonntag nicht an die 67,18 Meter ihres polnischen Dauerrivalen Piotr...Foto: Imago

Es ist nicht lange her, da waren die beiden mal richtige Zugpferde für die deutsche Leichtathletik: Die Brüder Robert und Christoph Harting, beide Olympiasieger im Diskuswerfen. Das merkte man auch am Sonntag bei der 76. Auflage des Berliner Leichtathletikmeetings Istaf. Unter den etwa 40 000 Zuschauern im Olympiastadion hatte es doch tatsächlich die eine oder andere Zuschauerin gegeben, die ein mit den Harting-Brüdern bedrucktes Shirt trug. Den Fan mit Shirt gibt es in der deutschen Leichtathletik nur von den Hartings. Am Sonntag gab es für die Harting-Fans aber nichts zu feiern. Robert Harting wurde mit 64,59 Metern Fünfter, Christoph mit 62,83 Metern Achter.

„Es war nicht mein Wettkampf“, sagte Robert. „Ich konnte nicht das zeigen, was ich draufhabe. Es tut mir leid für die Zuschauer“, sagte Christoph.

Es war also nicht ihr Abend. Die Sache ist nur: Der letzte große Abend für einen der beiden Hartings liegt ziemlich lange zurück, so lange, dass die deutsche Leichtathletik eifrig nach neuen Gesichtern sucht. Die jungen deutschen Läuferinnen Konstanze Klosterhalfen und Gina Lückenkemper werden von Verband und Sponsoren in Position gebracht. Sie sind noch etwas entfernt von den Besten, aber das sind die Hartings inzwischen auch.

Robert und Christoph Harting saßen allein in ihrem Taxi

Die Brüder hatten in der Vergangenheit die spannendsten Geschichten geschrieben. Da ist der ältere, Robert, das Wettkampftier, der Oliver Kahn der Leichtathletik, der immer dann gut war, wenn der Druck groß war. Er wurde dreimal Weltmeister und 2012 in London Olympiasieger. Vor allem aber: Robert Harting diktierte den Journalisten einen reichweitentauglichen Satz nach dem anderen ins Blatt. Er wurde auch deshalb dreimal Deutschlands Sportler des Jahres, weil ihn irgendwann jeder kannte. Da ist der jüngere, Christoph, der immer unter seinem erfolgreichen Bruder litt. Über ihn heißt es, dass er die besseren körperlichen Voraussetzungen und mehr Talent habe, aber eben nicht diesen brutalen Ehrgeiz seines Bruders. Bei den Olympischen Spielen vor einem Jahr in Rio de Janeiro aber reichte es trotzdem. Christoph Harting wurde Olympiasieger.

Und dann ist da die Geschichte, dass die beiden sich nicht leiden können. Der unterschiedliche Charakter und die Konkurrenzsituation habe die beiden auseinandergetrieben. Sie reden kaum mehr miteinander, und wenn der eine heiratet, steht der andere nicht auf der Gästeliste.

Beim Istaf am Sonntag wurden die Stars der Veranstaltung feierlich mit Taxifahrrädern ins Olympiastadion gebracht. Darin saßen meist zwei Athleten nebeneinander, die Speerwerfer Thomas Röhler und Johannes Vetter etwa. Robert und Christoph Harting saßen allein in ihrem Taxi.

Der Konflikt der Brüder ist traurig, aber die kriselnde deutsche Leichtathletik hat lange davon profitiert.

Doch wie spannend ist die Geschichte der verfeindeten Brüder noch, wenn der sportliche Erfolg ausbleibt?

Christoph Harting landete in der Bild-Zeitung

Robert Harting ist inzwischen 32 Jahre alt. Er ist nicht mehr das Wettkampftier von einst. Als er vor zwei Wochen bei der WM in London Sechster wurde, sagte er, dass der Wettbewerb in Ordnung gewesen sei. „Die anderen sind halt einfach besser.“ Und der fünf Jahre jüngere Christoph Harting hat für sich entschieden, es nach dem Olympiasieg etwas langsamer angehen zu lassen. Er hat in diesem Jahr weniger trainiert und deswegen schafft er es derzeit nicht einmal, an seinen alternden Bruder heranzukommen. Überhaupt trauen ihm nur wenige zu, einmal eine ähnliche Karriere wie Robert hinlegen zu können. Geschichten abseits des Rings spielen da wohl eine Rolle.

Zuerst sein Verhalten nach dem Olympiasieg, als er während der Nationalhymne verstörende Gesten machte und anschließend keine Interviews geben wollte. Dann titelte vor gut drei Wochen die „Bild“-Zeitung: „Olympia-Held Christoph Harting – Suff! Crash! Ausraster!“. Harting soll in betrunkenem Zustand ein Auto gesteuert und randaliert haben. Er bestritt dies.

Wie geht es nun also weiter mit den Brüdern?

Robert Harting taperte am Sonntagabend nach dem Wettkampf noch alleine auf der Bahn entlang und machte Aufnahmen mit seinem Smartphone. Der Mann nimmt Abschied vom Leistungssport. Im nächsten Jahr will er noch einmal einen großen Auftritt bei der EM im Berliner Olympiastadion hinlegen, kurz danach wird er seine Karriere beenden. Und Christoph Harting wird vermutlich wieder sein Trainingspensum erhöhen, um mit den besten und auch mit seinem Bruder mithalten zu können. Er hat noch viele gute Jahre vor sich, wenn er seinen Bruder Robert zum Vorbild nimmt. Doch genau das wird er vermutlich nicht tun.

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