Johannes Herber : „Ich habe den Schmerzen nachgegeben“

Basketball-Nationalspieler Johannes Herber spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über sein überraschendes Karriereende mit 29 Jahren, die schönste Zeit seiner Karriere und seine Zukunftspläne

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Johannes Herber (v.), 29, erklärte nach 120 Bundesliga- und 74 Länderspielen seinen Rücktritt. Von 2006 bis 2010 spielte er bei Alba Berlin und zuletzt für die Frankfurt Skyliners.
Johannes Herber (v.), 29, erklärte nach 120 Bundesliga- und 74 Länderspielen seinen Rücktritt. Von 2006 bis 2010 spielte er bei...Foto: dpa

Herr Herber, Sie haben zwei Wochen vor Bundesligabeginn mit 29 Jahren Ihre Basketballkarriere beendet. Warum?

Ich war die ganze letzte Saison von einer Entzündung an der Ferse geplagt und hatte große Schmerzen. Nach dem Sommer schien alles stabil, aber nach der Vorbereitung kamen die Schmerzen zurück. Ich wollte nicht in eine Saison gehen, in der ich nicht fit bin. Also habe ich den Schmerzen nachgegeben.

Hätten Sie trotzdem weiterspielen können?

Es ist keine Verletzung, die mich zum Aufhören zwingt und zum Sportinvaliden macht. Vor fünf Jahren hätte ich vielleicht noch einmal alles darangesetzt, wieder fit zu werden. Aber das kostet große Anstrengung, Energie und Zeit.

Die Motivation war nicht mehr da?

Ich bin an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich keine großen Ziele mehr habe. Ich bin nicht mehr so heiß darauf, in der Nationalmannschaft zu spielen oder die Meisterschaft zu gewinnen, um solche Schmerzen zu tolerieren.

Aber 29 ist eigentlich kein Alter.

Das höre ich öfter. Aber ich fühle mich, als hätte ich schon einiges auf dem Buckel. Ich hatte die ganze Bandbreite an positiven und negativen Erfahrungen und nicht das Gefühl, noch etwas hinzufügen zu können. Es ist auch gut, jung aufzuhören, dann ist noch viel Zeit für anderes.

Sie sprechen von vielen Höhen und Tiefen in Ihrer Karriere. Wo hatten Sie die schönste Zeit? Bei Alba mit Meister- und Pokaltitel?

Zurückblickend habe ich ans College die meisten positiven Erinnerungen. Wir waren ein tolle Truppe, die zusammengewachsen ist und Erfolg hatte. Aber auch in Berlin gab es schöne Momente, trotz der vielen Verletzungen war es eine positive Zeit. Es gibt auch Überlegungen, zurück nach Berlin zu ziehen, wir haben noch viele Freunde dort.

Spielen die vielen Verletzungen, die Sie in Ihrer Karriere hatten, eine Rolle?

Klar schreckt das ab, man wird hellhöriger, was den Körper angeht. Leistungssport nimmt mit, er zermürbt, vor allem physisch, aber auch psychisch. Ich kann auch nicht sicher sagen, ob die Verletzung jetzt besser wird und ich privat wieder Sport treiben kann. Und je älter ich werde, desto mehr Lust habe ich, auch andere Interessen zu verfolgen. Gerade jetzt, wo ich Vater geworden bin und mich um meinen Sohn kümmern möchte.

Sie gehen jetzt in Elternzeit?

Ja, ich habe das bei meinem Arbeitgeber, den Skyliners, beantragt. Der Vertrag ist nicht nichtig, sondern ruht für die Länge der restlichen Laufzeit.

Die Frankfurt Skyliners sind personell dünn besetzt, wie hat der Verein Ihren Rücktritt so kurz vor der Saison aufgenommen?

Überrascht. Aber auch sehr verständnisvoll und hilfsbereit. Dem Verein gegenüber ist mir die Entscheidung sehr schwergefallen, es war mir unangenehm. Aber bis dahin hatte ich alles versucht, um wieder zu spielen.

In Ihrer Collegezeit bekamen Sie in den USA akademische Auszeichnungen, zuletzt machten Sie im Fernstudium einen Master. Welche Pläne haben Sie künftig?

Ich will die Zeit nutzen, um mich umzusehen, vielleicht ein Praktikum machen. Meine Tendenz ist, eher Abstand vom Basketball zu gewinnen. Aber ich weiß noch nicht, ob ich das schaffe.

Ihre Magazin-Kolumne ist seit Jahren in Basketball-Kreisen sehr beliebt. Wie wäre es mit einer Karriere als Schreiber?

Ob ich die Kolumne weiterführen kann, wenn ich nicht mehr die Spielersicht habe, weiß ich noch nicht. Ich würde auf jeden Fall gerne weiter schreiben. Mein erstes Projekt wird sein, die Kolumnen zu sammeln und als Band herauszugeben. Das Schreiben kann eine Option sein.

Das Gespräch führte Dominik Bardow.

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