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Jürgen Klopp im Interview : "Ich sehe das Leben als Geschenk"

20.08.2012 10:00 Uhrvon und
Jürgen Klopp.Bild vergrößern
Jürgen Klopp. - Foto: dpa

Hier lüftet Jürgen Klopp einige Geheimnisse: Was passiert in der Halbzeitpause? Wo ist sein Dialekt geblieben? Und warum hatte er Angst, seine Frau umzugrätschen?

Herr Klopp, Ihr Image ist sensationell positiv. Kürzlich hat der „Focus“ gemeldet, Sie hätten Franz Beckenbauer als deutsche Werbeikone abgelöst und Ihren Wert auf 1,5 Millionen Euro jährlich geschätzt. Haben Sie sich an Ihre Popularität gewöhnt?

Nein, darüber staune ich nach wie vor. Und ich habe tatsächlich einige gute Werbepartner. Aber nicht mit allen, die da aufgezählt waren, hab‘ ich noch was zu tun. Metylan ist vorbei…

…das war dieser etwas peinliche Werbespot für Tapetenkleister.

Ja, ja. Ich war jung und brauchte das Geld, mehr ist da nicht zu sagen.

War keine so gute Idee, es ist halt passiert.

Als Sie vor sieben Jahren noch ein eher unbekannter Trainer in Mainz waren, sagten Sie: „Wenn Sie mich mal mit schlechter Werbung im Fernsehen sehen, dann wissen Sie: Jetzt hat er’s geschafft. Da rauscht die Kohle nur so rein.“

Das Letztere war dann leider nicht der Fall. Davon hat sich nur der erste Teil meiner Aussage realisiert. Ich sage Ihnen aber ganz ehrlich, es war nie mein Ziel, diese öffentliche Person zu werden, die ich geworden bin. Ich wollte nie erfolgreich werden, um dann von allen Menschen erkannt zu werden. Ich wollte als Trainer in die Bundesliga, das schon. Und dann kam die Weltmeisterschaft 2006 und das ZDF, mit den Auswirkungen habe ich nie gerechnet.

So naiv, Herr Klopp, sind Sie nicht! Sie traten als Experte wochenlang vor Millionen Zuschauern auf und ganz Deutschland war bei dieser WM im Delirium.

Hätte ich das vorher wissen müssen? Ich hatte nie solche Expertenrunden geguckt, es hat mich nicht die Bohne interessiert. Ich habe Fußball im Fernsehen angeschaut, einschalten, ausschalten. Als das ZDF damals angerufen hat, war meine Frage original: Kriege ich dafür Freikarten? Die haben ja gesagt und meine Antwort war: Gut, machen wir. Dann gab es im Schnitt knapp 30 Millionen Zuschauer, und auf diese Veränderung unseres Lebens waren wir nicht eingestellt. Wenn meine Frau mit dem Gartenschlauch die Blumen gegossen hat, guckten schon ein paar Nasen über den Zaun. So schnell so bekannt, wem passiert denn das?

Das hat sich noch deutlich gesteigert. Als gerade klar wurde, dass Borussia Dortmund für die angeschlagene Automarke Opel wirbt, sagte ein Moderator im Radio: „Jetzt hoffen die Opel-Arbeiter auf Jürgen Klopp und seine Mannschaft.“ Sie sollen Arbeitsplätze retten. Sie werden gehandelt wie ein Erlöser!

Ich kann ja nichts für die Erwartungen von Schwachköpfen. Ich fahre Auto, seit ich 18 bin, und ich habe oft gedacht: Der Mensch, der das Design für Opel-Autos macht, will dem Unternehmen schaden. Und dann sitze ich in so einem Wagen und denke, das gibt’s doch gar nicht. Überragend!

Was sonst können Sie jetzt sagen.

Nein, wirklich, die bauen echt geile Autos. Da sollte es doch möglich sein, auch das Image zu ändern.

Und Sie lassen ab sofort Ihren Porsche stehen, ernsthaft?

Das ist doch klar.

Eine hübsche Anekdote aus früher Zeit: Ihren ersten Werbevertrag haben Sie sich regelrecht erbettelt, und Sie bekamen nicht einmal Geld dafür.

Na ja, als Trainer von Mainz wollte keiner einen Vertrag mit mir abschließen, das Interesse der Ausrüster war unter Null. Da hab ich gedacht, dann möchte ich wenigstens die Klamotten anziehen, die mir am besten gefallen. Das war Nike, die Sachen fand ich cool. Also bin ich hin, sagte, Kohle will ich nicht. Alles gut. Genau so hat es angefangen.

Was Sie sind, verdanken Sie dem Fußball. Haben Sie den alleine entdeckt?

Offenbar habe ich schon Fußball gespielt, ehe ich anfing, bewusst zu denken. Ich weiß das nur von Fotos. Die zeigen ein kleines Tor im Wohnzimmer, das vor der Vitrine stand. Erinnern kann ich mich dann, wie ich das Sofa benutzt habe, um fliegen zu üben und dabei den Ball zu fangen. Verschiedene farbige Couchgarnituren haben darunter gelitten.

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