Kampf gegen dubiose Wettgeschäfte : Neuanfang mit Lügendetektor

Singapur gilt als Zentrum der Wettmafia. Nun macht der Stadtstaat ernst: Korrupten Sportlern drohen Haft und lebenslange Sperren.

Felix Lill[Singapur]
Singapur wie es singt und lacht. Die Nationalmannschaft bejubelt nur kleinere Titel wie den Suzuki-Cup im Dezember. Seit Kurzem ist der deutsche Bernd Stange Nationaltrainer.
Singapur wie es singt und lacht. Die Nationalmannschaft bejubelt nur kleinere Titel wie den Suzuki-Cup im Dezember. Seit Kurzem...Foto: AFP

Im vergangenen Mai kontaktierte der Torwart Yazid Yasin Singapurs Fußballverband, um pikante Informationen zu offenbaren. Von zwei südkoreanischen Spielern sei ihm Geld angeboten worden, um ein Spiel absichtlich zu verlieren. Yasin, der angab, die Offerte abgelehnt zu haben, brachte damit zwei Fußballer hinter Gitter. Aber was zunächst mutig wirkt, könnte dem damaligen Torhüter von Geylang United auch als Vorsicht ausgelegt werden. Schweigen hätte ihn schließlich selbst ins Gefängnis bringen können.

Der Fall Yasin gilt als Beispiel für ein neues Klima im Fußball des südostasiatischen Stadtstaates. Zuletzt rückte das Land weltweit in den Fokus, weil der mutmaßliche Wettpate Eng Tan Seet, genannt Dan Tan, von hier aus über ein global operierendes Kartell in großem Umfang Spiele verschoben haben soll. Nun hat der Verband seine eigene Handhabe im Umgang mit der Korruption verschärft. Auf Verwicklungen in Spielabsprachen stehen lebenslange Sperre sowie Gefängnis. Zudem müssen alle Profis zusichern, rund um die Uhr für Fragen vom Verband verfügbar zu sein. Per Losverfahren werden auch regelmäßig Prüfungen mit einem Lügendetektor durchgeführt, um die Ehrlichkeit der Spieler zu testen.

„Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Linie, was Korruption angeht. Wer nichts zu verbergen hat, muss nichts befürchten“, sagt Jason Lee vom nationalen Fußballverband. Für die harten Maßnahmen hat Singapur ein Lob vom Weltverband Fifa erhalten. Es sei ein Schritt, der wirksam vor illegalen Taten abschrecke. Damit hofft Singapur nicht nur, sein Image als Land mit vergleichsweise wenig Korruption zu verteidigen. Nach der Rangliste von Transparency International belegt Singapur derzeit den fünften Rang der weltweit saubersten Länder, noch acht Plätze vor Deutschland. Mit seinen Maßnahmen will der Verband aber auch versichern, dass ehrliche Sportwetten überhaupt noch möglich sind.

Über den staatseigenen Anbieter Singapore Pools wurden Spielwetten ab 1999 für die nationale S-League erlaubt. Der Grund dafür war so pragmatisch wie visionär. Zum einen ist es schwierig, Spielwetten ganz zu verhindern. Deshalb wollte man sich durch eine Legalisierung wenigstens die Erträge daraus zunutze machen. Zum anderen sollten die Wetteinnahmen direkt in den nationalen Fußball gehen, dessen S-League erst seit 1996 besteht.

Aufgrund ihrer geringen Leistungsdichte und eines eher niedrigen Lohnniveaus ist Singapurs Profiliga, die immer dem Kalenderjahr folgt, anfällig für die Abwanderung von Talenten. Zwar haben es erst zwei Spieler in der Geschichte des wenig erfolgreichen Fußalllandes in europäische Profiligen geschafft. Aber mit den „Lions XII“ spielt eine Art inoffizielles Nachwuchsnationalteam als Klubmannschaft in der Liga des im Norden angrenzenden Malaysia. „Wir müssen schon darauf achten, so viele Talente wie möglich bei uns zu halten, um auch ein hohes Niveau zu sichern“, sagt Jason Lee.

Um an das dafür nötige Geld zu kommen, haben sich Wetten als wichtige Einnahmequelle entpuppt. Gut 20 Millionen Singapur-Dollar (rund 12,3 Millionen Euro) sind laut dem Leitmedium „The Straits Times“ nötig, um die Liga zu finanzieren. Schätzungen über die Wetterlöse von Singapore Pools belaufen sich dabei auf mehr als 10 Millionen. Ohne diese legalen Wetteinnahmen müsste die S-League ums Überleben fürchten. Ohnehin müssen sich die zehn Klubs ständig mit übermächtiger Konkurrenz messen. Zu Spielen kommen im Schnitt etwa 1000 Zuschauer in die Stadien, weit mehr einheimische Fußballliebhaber verfolgen die englische Premier League.

Reges Interesse an der S-League kommt auch über ausländische, im Internet operierende Buchmacher. Zwar sind Onlinewetten in Singapur offiziell verboten. Da aber auch Anbieter aus Europa, Amerika und anderswo in Asien Wetten auf die S-League ermöglichen, sollen in Singapur mehrere Hunderttausend Dollar auf jede S-League-Partie verwettet werden. Dieses Geld fließt nicht wie erwünscht in den nationalen Fußball, erhöht aber die Gefahr illegaler Absprachen. In den letzten Jahren waren auch in Singapur immer wieder Spieler, Schiedsrichter und Offizielle in Bestechungsskandale verwickelt.

„Illegale Wetten sind ein Krebsgeschwür, das überall im Fußball ist, nicht nur in Asien“, verteidigte der Verbandsvorsitzende Winston Lee Ende vergangenen Jahres seine Heimat. Weil der kleine Staat zuletzt aber gerade im Bezug auf Sportwetten reichlich negativ aufgefallen ist, sei es umso wichtiger, den sonst guten Ruf zu wahren. Laut Verband hat insbesondere der Lügendetektor für mehr Aufrichtigkeit bei Spielern und Schiedsrichtern gesorgt. Über Messungen des Blutdrucks, der Atmung oder des Pulses soll der von Fußballergewerkschaften als technisch fragwürdig kritisierte Polygraph ausfindig machen, ob ein Befragter die Wahrheit sagt. „Wir haben sehr positive Resultate“, sagt Jason Lee. Die Anzahl von Bestechungen habe stark abgenommen.

Für den Fall aber, dass es trotz der straffen Regeln auch in Zukunft Manipulation gibt, werden in Singapur bereits härtere Möglichkeiten diskutiert. Man könne es Fußballern etwa verbieten, an Spieltagen Telefon und Laptop zu nutzen, schlägt die „Straits Times“ vor. „Und ist es wirklich so verrückt, Kameras in den Umkleidekabinen zu installieren?“ Die Privatsphäre würde zwar beschnitten. Aber die S-League dürfe nicht eben noch einmal schlecht auffallen.

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