Sport : Kaum da, schon wieder weg Alba Berlin löst Vertrag mit Lee Cummard auf

Helen Ruwald
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Foto: promo

Berlin - Der Optimismus hielt nicht lange. Als Alba Berlin Anfang August Lee Cummard vom Brigham-Young-College in Utah verpflichtete, hatte Trainer Luka Pavicevic hohe Erwartungen. „Er kann viele Dinge überdurchschnittlich gut. Wir haben auf der Small-Forward-Position nach einem frischen, jungen Spieler gesucht, der uns Energie, Talent und Ambitionen gibt“, sagte Pavicevic damals über den Mann, der als Nachfolger von Casey Jacobsen eingeplant war und fügte hinzu: „Natürlich ist uns bewusst, dass er Zeit braucht, um sich einzugewöhnen.“

Doch diese Zeit bekam er gar nicht. Nach nur sieben Wochen trennen sich die Wege des Basketball-Bundesligisten und des 24 Jahre alten Flügelspielers – eine Woche vor dem Saisonstart mit der Europaliga-Qualifikation gegen Le Mans. „Wir sind im Gespräch mit Cummards Management, um den Vertrag aufzulösen“, sagt Albas Geschäftsführer Marco Baldi, „das läuft noch.“ Der US-Amerikaner, der sich im Frühjahr erfolglos bei den Phoenix Suns in der Summer League der NBA versucht hatte, konnte Luka Pavicevic im Trainingslager in Slowenien nicht überzeugen.

Pavicevic hatte ihn vor der Verpflichtung nicht live gesehen, sich nur auf Videos und Informantenberichte verlassen. Ein durchaus übliches Prozedere, mit einem Ausgang, der laut Pavicevic „bei einem Spieler, der nicht aus Europa kommt, möglich ist“. Cummard im Original ist anders als auf Video. Und das Original bietet nicht, was Alba sucht. „Wir brauchen einen Spieler mit mehr physischer Präsenz“, sagt Albas Trainer. Der 2,01 Meter große und starke Dreier- und Freiwurfschütze Cummard ist sehr schlaksig, ihm fehlt Muskelmasse. Zu seinem schnellen Abschied von Alba wollte er sich nicht äußern. „Ich spreche mit niemandem“, sagte er nur.

Neben dem Feld wirkte er schüchtern und in sich gekehrt, auf dem Feld hatte er abseits der Trainingshalle kaum eine Chance, sich zu beweisen. Im ersten Testspiel gegen Bayreuth gelang ihm ein Dreipunktewurf – das war es auch schon. Mehr als dieser Dreier wird in die Statistik nicht Eingang finden. Beim Vorbereitungs-Turnier in Nymburk kam er ebensowenig zum Einsatz wie im Testspiel gegen Braunschweig am vergangenen Freitag. Bei den Feierlichkeiten zum 20-jährigenVereinsjubiläum am Sonnabend in der Sömmeringhalle fehlte er bereits.

Das fehlgeschlagene Scouting trifft Alba besonders hart, weil Cummard neben Kenan Bajramovic der einzige Neue im abgespeckten Profikader war, Nachwuchsspieler ausgenommen. Nun will der Klub einen Spieler nachverpflichten, aber „ohne Hektik“, wie Baldi sagt. Zunächst habe die Europaliga-Qualifikation Priorität. Dort könnte Philip Zwiener sich bewähren: In der Vorbereitung bekam er mehr Spielzeit als in der Vorsaison. Cummards Pech könnte sein Glück werden. Helen Ruwald

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