Sport : Kein böses Blut

Doping hilft auch Fußballern. In der Bundesliga wird trotzdem lasch kontrolliert.

von
Schwache Abwehr. Kontrolleure nehmen in der Bundesliga kein Blut ab. Foto: dapd
Schwache Abwehr. Kontrolleure nehmen in der Bundesliga kein Blut ab. Foto: dapdFoto: dapd

Die Bundesliga hat ein Dopingkontrollproblem. Während in anderen Sportarten Trainingskontrollen intensiv vorgenommen werden und Blutkontrollen in der Premier League und der Serie A an der Tagesordnung sind, können Bundesligaprofis weitestgehend nur auf dem Trainingsplatz oder am Spieltag im Stadion zur Kontrolle gebeten werden. Blutkontrollen, die Hinweise auf im Fußball durchaus hilfreiche Dopingmittel geben können, müssen sie gar nicht befürchten.

Das ist nicht gerecht. Aus der Sicht von Sportlern nicht, wie etwa Radprofis, die häufig die Kontrollunterschiede zwischen ihnen und den Fußballprofis beklagen. Aus der Sicht der Öffentlichkeit nicht. Und auch nicht aus der Sicht der Dopingkontrolleure selbst.

„Die Frage stellt sich, warum es für den Fußball eine andere Regelung gibt als für andere Sportarten“, sagt Volker Laakmann im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Er ist Geschäftsführer des Unternehmens PWC Dopingkontrolle, das für zahlreiche Sportverbände und Anti-Doping–Agenturen seit 18 Jahren weltweit Dopingkontrollen vornimmt. „Man sollte alle gleichbehandeln“, sagt Laakmann. „Wenn nicht, dann muss man gute Gründe dafür haben.“

Für den Kontrolleur gibt es keine guten Gründe. Im Fußball haben nur die Nationalspieler die gleichen Auflagen wie etwa Radprofis zu erfüllen. Sie sind im nationalen Testpool der Anti-Doping-Agentur und können überall getestet werden – und das intensiv, sieben Tage die Woche. „Aber diejenigen, die nicht zum nationalen Testpool der Nada gehören, können wir nur im Training kontrollieren, nicht zu Hause“, beklagt Laakmann. Das trifft für das Gros der Bundesligaprofis zu.

Wer einmal auf dem Trainingsplatz kontrolliert werden soll, hat die Möglichkeit, sich kurzfristig abzumelden und so die Kontrolle zu umgehen. Diesen Verdacht zumindest erweckt manch kurzfristige Erkältung. Möglicherweise handelt es sich hier um eine taktische Erkrankung, man weiß es ja nicht. Rainer Koch, Vorsitzender der Anti-Doping-Kommission des DFB, hält das Problem dennoch nicht für groß genug, um einzugreifen. Für ihn sei der „administrative Aufwand“ zu hoch, erklärt er auf Nachfrage. Koch verweist stolz auf die zahlreichen Kontrollen in der Bundesliga: „In der abgelaufenen Saison hatten wir 500 Trainingskontrollen der Nada und 1644 vom DFB durchgeführte Wettkampfkontrollen. Die Ergebnisse waren in allen Fällen negativ.“ Aus der Zahl der Kontrollen und dem negativen Ergebnis zieht er den Schluss, „dass sicherlich kein flächendeckendes Doping vorliegt“. Ob es einzelne Dopingverstöße gebe, „das kann man nie wissen“.

Bei der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada ist man nicht so optimistisch. „Im Fußball haben wir wie in allen Mannschaftssportarten ein Zahlenproblem. Wenn am Spieltag nur zwei Spieler pro Team getestet werden, dann kann es sein, dass mancher Spieler eine ganze Saison lang gar nicht kontrolliert wird“, sagt Wada-Generalsekretär David Howman. „Wir müssen diesen Datenprozess besser in den Griff kriegen.“ Dopingkontrollen sind aber nicht nur eine Frage der Quantität. Wichtig ist auch, welche Kontrolle genau durchgeführt wird.

Experten halten ein Dopingrisiko im Fußball für nicht geringer als in anderen Sportarten. Vor allem für eine bessere Ausdauer und Regeneration können sich verbotene Hilfsmittel lohnen. „Mit Doping mache ich aus einem Dackel zwar keinen Windhund“, sagt Laakmann. „Aber es geht darum, die Intensität beim Training zu steigern und die Regeneration zu beschleunigen.“ Ein mittlerweile klassisches Mittel ist dabei Wachstumshormon. Das kann nur mit Blutkontrollen nachgewiesen werden. „Ich kenne keine Argumente, die gegen Blutkontrollen im Fußball sprechen“, meint Laakmann.

In der Premier League werden seit drei Jahren Blutkontrollen durchgeführt, versichert Graham Arthur, Mitarbeiter von UK-Antidoping. In der italienischen Serie A wird sogar seit 2005 kontrolliert. Bekannt wurde dies, weil in jenem Jahr der damalige Nationalspieler Gennaro Gattuso bei einem kombinierten Blut-Urin-Test zwar brav ins Gläschen urinierte, den Bluttest aber verweigerte.

Beim DFB ist man Blutkontrollen nicht abgeneigt. „Wir stellen uns nicht grundsätzlich dagegen“, versichert Verbandsvize Koch. Wichtig sei aber ein einheitliches, mit allen Sportverbänden abgestimmtes Vorgehen. Blutkontrollen in der Bundesliga? „Dann müsste das genauso in den anderen großen Spielsportarten Basketball, Handball, Volleyball, Eishockey passieren“, antwortet Koch.

Dass die Abstimmungsprozesse darüber die Einführung von Blutkontrollen verzögern, beklagten Experten in dieser Woche bei einem internationalen Doping-Forum in Paris. Nach Angaben des DFB arbeitet die Nada an einem Stimmungsbild in den unterschiedlichen Verbänden zu Blutkontrollen. Der Stand? „Wir müssen warten, was die Gespräche ergeben“, sagt Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nada, auf Nachfrage. Und was passiert nach den Gesprächen? „Erst setzen wir uns mit den Partnern an einen Tisch und dann geben wir Wasserstandsmeldungen ab.“ Wann dieses „Dann“ eintritt, kann sie nicht sagen.

Und so wird es auch an diesem Wochenende in den Bundesligastadien einige Urinproben nach den Spielen geben. Aber keine Blutkontrollen. „Wenn ich die falschen Proben oder die falschen Analysen mache, dann finde ich halt nichts“, meint Kontrolleur Laakmann lakonisch.

0 Kommentare

Neuester Kommentar