Sport : Klotzen statt kleckern

In Kasan beginnt am Samstag die Universiade. Das Weltsportfest der Studenten soll einen Vorgeschmack auf Sotschi 2014 geben.

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Moskau - Wasser soll mit reichlich Luft verquirlt und dann hauchfein so versprüht werden, dass die Zuschauer einen riesengroßen Ball sehen. Wenn alles gut geht, scheint die Sonne und lässt die Wasserkugel in allen Farben des Regenbogens schillern. So jedenfalls sieht es das Drehbuch für die feierliche Eröffnung der Universiade – des Weltsportfests der Studenten – am Samstag in Kasan an der Wolga vor. 13 500 Aktive aus 162 Ländern haben sich angemeldet, dazu zehntausende Fans. Wettkämpfe und Beiprogramm sollen ein Vorgeschmack auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi sein, die im Februar 2014 stattfinden. Dort ist die Generalprobe für Eröffnungsfeier und Abschluss-Zeremonie für August geplant. Verdammt wenig Zeit, um noch auf etwaige Fehler in Kasan reagieren zu können. Fehler, wie sie bei Sportereignissen dieser Dimension kaum vermeidbar sind. Russland aber steht hier wie dort unter extremem Erfolgszwang, musste um die Vergabe der Universiade, die seit 1959 in zweijährigem Rhythmus stattfindet, ähnlich hart kämpfen wie um den Zuschlag für die Olympischen Spiele. Die Konkurrenz hatte geringere Sicherheitsrisiken, die bessere Infrastruktur und die bessere Service-Mentalität.

Wer Sotschi und Kasan vor der Bewerbung sah, erkennt sie nach dem Facelifting kaum wieder. Kasans Flughafen – einst Mahnmal für die Sünden der Sowjet-Architektur – bekam ein hoch modernes neues Terminal und Pisten, auf denen sogar Riesenvögel wie der Airbus A 380 bequem ausrollen können. Flugzeuge können im Vier-Minuten-Takt starten und landen, Grenzschützer legen bei Einreisekontrollen ein rekordverdächtiges Tempo vor. Ebenso die rotweiß-lackierten Schnellbahnen der Marke „Lastotschka“ (Schwälbchen), die auch in Sotschi zum Einsatz kommen werden. Vom Airport ins Zentrum von Kasan brauchen sie weniger als dreißig Minuten, für Fahrten zwischen den Wettkampfstätten und dem Universiade-Dorf maximal zwanzig.

Auch die kilometerlangen Staus sind Vergangenheit. Allein in das Straßennetz floss umgerechnet eine Milliarde Euro. Der Hauptanteil kam aus dem zentralen Staatshaushalt. Kasan, Hauptstadt der russischen Teilrepublik Tatarstan, ist 2018 einer der Austragungsorte für die Fußball-WM. Statt Kleckern war daher von Anfang an Klotzen angesagt. Vor allem bei der Kasan-Arena, dem Fußballstadion, das wie eine architektonische Vorwegnahme auf das 22. Jahrhundert wirkt.

Auch beim Wasserpalast wurden weder Anmut noch Mühe gespart. Das von einer Glaskuppel überdachte und olympiataugliche Schwimmstadion lässt sich per Knopfdruck in eine Turnhalle verwandeln. Die Segmente eines Parkett-Fußbodens schieben sich dazu aus den Wänden des Bassins über das Wasser, das in unterirdische Speicher fließt. Die Architekten schwören, die Verwandlung würde ganze zehn Sekunden dauern.

Nach der Universiade sollen der Wasserpalast und die anderen Wettkampfstätten auch für den Breitensport genutzt werden. Wladimir Putin versucht seit Jahren, seine Untertanen für eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung zu begeistern; bisher halten sich die Erfolge in Grenzen. Und in das Universiade-Dorf – 28 moderne Hochhäuser mit 14 592 Betten, Cafés, Service-Zentrum und Freizeit-Einrichtungen – sollen die Studenten der zahlreichen Hochschulen einziehen. Für einen Wohnheim-Platz müssen sie ganze 60 Rubel monatlich zahlen, das sind 1,50 Euro. Elke Windisch

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