Kolumne: Auslaufen mit Lüdecke : Wie lange dauert eigentlich ein Fußballspiel?

90 Minuten, das war mal. Gerade in Berlin verzögert sich doch alles. Dennoch plädiert unser Kolumnist für eine neue Regel: Wenn man gegen den FC Bayern führt, einfach mal fünf Minuten früher abpfeifen.

Frank Lüdecke
Auch Hertha-Trainer Pal Dardai regte sich an der Seitenlinie über die lange Nachspielzeit auf.
Auch Hertha-Trainer Pal Dardai regte sich an der Seitenlinie über die lange Nachspielzeit auf.Foto: AFP/ROBERT MICHAEL

An diesem Spieltag beschäftigte die Fans im Grunde nur eine Frage: Wie lange dauert eigentlich ein Fußballspiel? Theoretisch 90 Minuten, klar. Oder, wie jeder weiß, bis der Schiedsrichter abpfeift. Wenn er denn mal abpfeift. Das Spiel zwischen Hertha BSC und Bayern München dauerte allerdings 95 Minuten und 56 Sekunden. Und das, obwohl nur fünf Minuten Nachspielzeit angegeben waren. Nach 95 Minuten und 56 Sekunden fiel der Ausgleich für die Münchner. Nie ist ein Tor in der Bundesliga später gefallen. Gut, der gepfiffene Freistoß musste natürlich noch ausgeführt werden. Aber das zugrunde liegende Foul lag bereits außerhalb der angegebenen fünf Minuten.

Die Begründung einiger Experten für die zusätzliche Spielzeit: Die Berliner hätten in der Verlängerung noch zwei Mal gewechselt. Da bin ich jetzt nicht Experte genug, aber gehören nicht Auswechslungen zum Spiel dazu? Sind also Teil des Spiels und können deshalb nicht nachgeholt werden? Oder nicht? Okay, ganz sicher bin ich mir auch nicht … Sonst gab es schwerwiegende Verletzungen von Hertha-Spielern, die glücklicherweise durch Spontanheilungen behoben werden konnten. Auf der anderen Seite muss man sagen, was ist schon eine Minute? Gerade in Berlin! In Berlin verzögert sich doch alles. Große Bauprojekte, die BVG, was ist da schon eine läppische Minute Verzögerung im Olympiastadion?

Einfach mal fünf Minuten früher abpfeifen

Ich werde es Ihnen sagen: Extrem ärgerlich! Wenn man schon mal die Chance hat, gegen Bayern zu gewinnen, dann möchte man den Ausgleich nicht auf diese Art und Weise erhalten. Auch dann nicht, wenn der eigene Führungstreffer auch nicht ganz regulär war. Zum sechsten Mal in dieser Saison haben die Münchner in der 90. Minute oder später getroffen. Natürlich ist das auch eine Qualität. Ja, ja, das wissen wir. Aber Qualität ist in diesem Falle auch extrem langweilig. Die Bayern schießen halt immer noch dieses verdammte Tor am Ende. Und dann ist alles so, wie es immer war.

Gäääähn. Deshalb plädiere ich jetzt für Folgendes: Wenn eine Mannschaft schon mal in Führung liegt gegen die Münchner, dann sollte es im Ermessensspielraum des Schiedsrichters liegen, auch mal fünf oder sechs Minuten früher abzupfeifen. Statt immer weiter spielen zu lassen. Dann könnten sich die Bayern auch mal aufregen („Sauerei! Da fehlten fünf Minuten!“), aber wir hätten endlich wieder mehr Spannung. Ob diese Anregung mit dem Reglement zu vereinbaren ist, sei mal dahingestellt. Und darüber hinaus möchte ich auch nicht ganz ausschließen, dass gewisse Frustrationen beim Entwurf dieses Vorschlages Pate gestanden haben.

Der Berliner Kabarettist Frank Lüdecke schreibt hier jeden Montag über die Fußball-Bundesliga.

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