Kolumne: So läuft es : Den Winter muss man aushalten

Kälte, Schnee, Matsch – momentan braucht es viel Überwindungskraft beim Laufen. Denn wer im Frühjahr gute Zeiten laufen will, muss den Winter aushalten.

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Selten, aber umso schöner: Winterläufe bei Sonnenschein und Schnee.
Selten, aber umso schöner: Winterläufe bei Sonnenschein und Schnee.Foto: Christoph Schmidt/dpa

Blitz-Eis, schlammiger Boden, Schneeregen, Kältepeitsche – früher haben wir einfach Winter dazu gesagt. Nicht mehr. Nicht weniger. Verrückt, oder? Früher war völlig klar: Man zieht sich was Warmes an und läuft trotzdem weiter. Trotz Kältepeitsche. Klar war auch: Der Winter ist nicht die Jahreszeit, um Bestzeiten zu laufen. Dazu sind die Bodenverhältnisse einfach nicht ideal. Und noch etwas war immer klar: Wer im Frühjahr gute Zeiten laufen will, kann nicht erst im Frühjahr wieder mit dem Lauftraining einsteigen. Sondern muss den Winter aushalten.

Muss es aushalten, dass es Tage gibt, an denen kaum etwas geht. Muss es aushalten, dass die ersten Kilometer nur dazu da sind, die Muskeln endlich auf Temperatur zu bringen. Muss es aushalten, dass es dunkel ist, wenn man am frühen Morgen läuft. Und dass es dunkel ist, wenn man nach der Arbeit laufen will. Wer im Winter lange Läufe macht, dessen Nerven werden immer wieder auf die Probe gestellt. Weil man ab und an rutscht, weil die Kälte gefühlt in die Knochen zieht und weil kaum Läufer unterwegs sind, die einen durch ein Lächeln unterstützen könnten. Die gute Nachricht ist: Sie müssen erst einmal gar nichts.

Sonnenläufe sind der Lohn für das winterliche Aushalten

Niemand muss laufen. Wer aber in diesem Jahr ambitionierte Leistungen bringen will, der muss aushalten. Und laufen. Im Winter sind von 100 Tagen 90 Tage Aushaltetage. Zehn davon sind diese wunderbaren Sonnenläufe. Bei klarem Himmel. Manchmal sogar garniert mit glitzerndem Schnee. Einen solchen Lauf hatte ich letzte Woche bei meiner Großmutter. Minus 15 Grad, Schnee, blauer Himmel. Ich lief eine Strecke, die ich das letzte Mal als Kind gelaufen war. Vielmehr eine, die ich zuletzt als Knirps mit dem Schlitten bewältigt hatte. Diese wenigen Tage sind der Lohn für das Aushalten des Läufers im Winter. Doch das ist nicht der alleinige Verdienst. An dieser Stelle sei fest versprochen: Wer aushält, wer zäh an sich selbst arbeitet, bereitet sich so perfekt für die kommende Laufsaison vor. Auch wenn man an manchen Tagen nur langsam laufen kann: Langsam ist das neue Schnell! Machen Sie sich nur keinen Stress!

Es geht jetzt um die Grundlagenausdauer. Gerade die Läufer, die im letzten Jahr viel gelaufen sind, sollten es langsam angehen lassen. Denn bei den Viel-Läufern ist die Muskulatur am Ende der Saison recht geschädigt. Nur unter dem Mikroskop erkennt man kleine feine Faserrisse. Eigentlich bräuchte eine solche Muskulatur rund zehn Wochen Regeneration. Je älter und je untrainierter ein Läufer ist, desto mehr Zeit braucht er, sich von der letzten Saison zu erholen. Übrigens: Wer zu viel trainiert, ist schnell hormonell ausgepowert. Man hat dann zu viel Kortison und Adrenalin verbraucht. Man spricht davon, dass man sich so „in den Keller läuft“. Es fühlt sich an wie beim Burnout-Syndrom. Also: Halten Sie aus, allerdings nicht nur beim Laufen, sondern auch die verdienten Pausen! So läuft es.

Mike Kleiß leitet eine Kommunikations- und Markenagentur in Köln und schreibt hier an jedem Donnerstag übers Laufen.

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